USA wollen sich direkt an Banken beteiligen: Gut so.

Man hat wohl bemerkt, dass man das Leverage der Banken am schnellsten verringert, wenn man nicht auf der Seite des Hebels mit dem langen Arm kauft, sondern auf der Seite mit dem kurzen Arm.

Angenommen eine Bank hat einen Hebel von 30. Wenn ich diesen auf 20 oder wie früher einmal üblich 10 reduzieren will, muss ich der Bank unglaubliche Summen auf der einen Seite abkaufen, während auf der anderen Seite der Bilanz nur eine vergleichsweise kleine Zufuhr von Eigenkapital notwendig ist.

Kleines Rechenbeispiel:

Eine Bank mit 50 Mrd. Eigenkapital hat bei einem Leverage (Hebel von 30) Vermögensgegenstände im Wert von 1500 Milliarden.
Soll der Hebel auf 20 reduziert werden, muss man der Bank für 500 Mrd. Vermögensgegenstände aus der Bilanz abkaufen. Soll der Hebel auf 10 muss man 1000 Mrd. in die Hand nehmen.
Wenn man auf der Eigenkapitalseite aktiv wird, reicht es beim Ziel Hebel von 20 aus, das Eigenkapital um 25 Mrd. auf 75 Mrd. zu erhöhen. Für einen Hebel von 10 braucht man weitere 75 Mrd., insgesamt aber nur ein Zehntel der Summe, die ich brauche, wenn ich auf der anderen Seite der Bilanz aktiv werden.

Das Auffüllen des Eigenkapitals ist viel cleverer als das Abkaufen des Schrotts. Erstens sind die Aktionäre so mit im Boot (und zahlen mit; somit hat man zumindest für die Aktionäre keinen Moral Hazard) und zweitens bekommt der Staat was Wertvolles dafür (Anteile an der Bank, die er u.U. nach dem Ende der Krise verkaufen kann; auf der anderen Seite der Bilanz kauft man genau den Schrott).

Das Modell erinnert an das britische Modell, auch wenn der wirklich wichtige Teil, nämlich die Kreditseite und die Refinanzierung im US-Modell überhaupt noch nicht angegangen werden. Und das ist IMHO der wichtigste Punkt. Man muss als Staat den Banken IMHO nicht vorranging Geld geben, sondern dafür sorgen, dass die (wie früher) wieder Geld bekommen (und nicht nur bei der Notenbank).

Aber immerhin nähert man sich langsam den Lösungen an, die ich schon seit Ewigkeiten propagiere (also seit ein paar Tagen; die Zeiten sind hektisch).

NYT: U.S. May Take Ownership Stake in Banks

Update (10.10.08):

Nouriel Roubini:

"Der vom Kongress abgesegnete Auffangfonds sollte den Banken nicht bloss toxische Anlagen abkaufen, sondern im Einzelfall direkte Eigenkapitalspritzen gewähren. Das wäre ein viel effizienterer Einsatz von Mitteln. Der Plan wurde konzipiert von Leuten, die keine Ahnung haben, wie einer Bankenkrise begegnet werden muss."

Gefunden bei zeitenwende: Die Macht der Lobbyisten

Nochn Update:

Eine deutsche Quelle:
FAZ.NET: Paulsons Ideen

Kommentare :

  1. Lieber egghead,
    ist es so, dass sich die Regierung(en) an den Banken beteiligen oder etwa so, dass die Banken sich an den Regierungen beteiligen?
    Wohl beides und ich sehe ganz deutlich die Gefahr, dass die ehemals kapitalistischen Staaten unisono in eine Art modernen Faschismus driften ...
    s.a. Naomi Klein, Naomi Wolf ...
    Hast Du keinerlei politische Bedenken, dass mit der "Rettung" bzw. Änderung des "Geld-Systems" die Zerstörung der Demokratien betrieben wird?

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  2. Also erstens heiße ich egghat und das ist ein Wortspiel und absichtlich so geschrieben (Referenz an die Comicfigur Calimero).

    Zweitens diskutiere ich ungerne mit Anonymen.

    Drittens: Ich sehe gerade die Gefahr, dass wir eine Weltwirtschaftskrise 2.0 bekommen. Die hatte bekanntlich Hitler und Weltkrieg 2.0 zur Folge. Davor habe ich Angst. Das gilt es zu vermeiden.

    Viertens: Der starke ist im Moment der Staat und nicht die Wirtschaft. Ich sehe nicht, wie die Wirtschaft in der Situation den Staat übernehmen könnte.

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  3. Absolut richtiger Schritt. Mal eine Frage: Kommt das Geld aus dem Bailout-Pool oder ermöglicht das Gesetz dem Finanzministerium generell die Beteiligung an Banken? Wäre letzteres der Fall, gäbe es einen interessanten Interessenskonflikt, wenn der Staat mit seinen 700 Milliarden Schrottpapiere von genau den Banken kauft, in die er eingestiegen ist.

    Das wäre so ziemlich das Gegenteil von freiem Markt, würde aber einige Big Player entstehen lassen, bei denen der Staat in einiger Zeit über die Dividende wieder Einnahmen generieren könnte. Gleichzeitig würden in nächster Zeit einige unprofitable Banken (wenn nach marktwirtschaftlichen Kriterien gehandelt wird) über die Klinge springen. Eine Art staatsgetriggerte Bankenkonsolidierung, sozusagen. Oder sehe ich das falsch?

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  4. Das Geld kommt (ziemlich sicher) aus dem Bailout Pool. Er hat ja alle Vollmachten. Die Möglichkeit zur Bankenbeteiligung ist sogar explizit drin.

    Interessenskonflikte gibt es natürlich zuhauf. Die Gefahr ist völlig real, aber wäre auch beim unfairen Abkauf des Giftmülls schon da; die Bankenbeteiligung verschärft den Konflikt IMHO nur unwesentlich. Wegen der agnezn möglichen Konflikte wollte Paulson ja auch keinerlei Kontrolle.

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