Warum der Bailout nichts bringen wird

Als am 19. September der „Paulson-Plan“ bekannt wurde, feierten die Börsianer die Meldung mit einem großen Kursfeuerwerk an der Wall Street. 3,86 % ging der Dow Jones damals nach oben. Nach den zuvor aufregenden Tagen, die den Zusammenbruch von Lehman Brothers und die Verstaatlichung von AIG beinhaltete, glaubten schon viele an die Kernschmelze des Finanzsystems.

Doch die Kritiker des Planes blieben nicht lange stumm. Allerdings kritisierten die Meisten nur Eckpunkte des Planes und nicht die Idee des Plans an sich: Den Banken diese giftigen Papiere abzukaufen und so die Bilanzen zu stärken. Auch ich hätte den Plan für richtig gehalten, wenn, ja wenn er ungefähr ein Jahr zuvor gekommen wäre.

Denn die Krise hat sich in einem Jahr verändert und sie ist längst keine Immobilienkrise mehr, sondern ist zu einer Vertrauenskrise mutiert. Die Zusammenbrüche dieser Woche sind nicht die Ergebnisse von unverantwortlichen Spekulationen, sondern Refinanzierungsschwierigkeiten und teilweise der Abzug von Einlagen der Kunden, weil keiner weiß, ob die Bank mit der man Geschäfte macht, am nächsten Tag noch existiert. Das ist mir spätestens diese Woche klar geworden. Die Tochter, die die Hypo Real Estate so in Schwierigkeiten gebracht hat, hatte eigentlich ein solides Geschäftsmodell, das hätte man zu mindestens noch vor der Vertrauenskrise behauptet. Sich kurzfristig Geld leihen und es dann langfristig weiterverleihen funktioniert heute nicht mehr. Der Interbankenmarkt ist fast ausgetrocknet. Die Banken horten das Geld oder parken das Geld lieber über Nacht bei der EZB für 3,25%, als es anderen Banken auszuleihen und dafür 5,25 % zu bekommen. Die Notenbanken versuchen dieses Problem zu lösen, in dem sie Milliarden in den Markt pumpen und trotzdem fließt kein Geld mehr von Bank zu Bank und die Notenbanker merken immer noch nicht, das einfach das Vertrauen fehlt und man erstmal dieses Problem lösen muss, sonst können sie noch Billionen in den Markt pumpen, ohne das es die gewünschte Wirkung zeigt.

Daher frage ich mich, was wohl passiert wäre, hätte die US-Regierung schon vor über einem Jahr die Garantien an den Markt gegeben, die die irische Regierung diese Woche gab: Eine Vollständige Garantie für alle ausstehenden Schulden und Einlagen irischer Banken und Versicherungen durch den Staat. Hätte sich diese Vertrauenskrise dann noch überhaupt entwickelt? Das Vertrauen eines anderen zu gewinnen, ist schwer. Das Vertrauen zu zerstören, ist umso leichter. Zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen, ist fast unmöglich!
Deshalb frage ich mich ernsthaft, ob das aufkaufen von faulen Papieren, die meiner Meinung nach sowieso schon größtenteils von den Banken abgeschrieben worden sind, wirklich hilft, das Vertrauen wiederherzustellen? Und ich frage mich auch, was günstiger für den amerikanischen Steuerzahler wäre. Eine Bürgschaft über 700 Milliarden oder faule Kredite für 700 Milliarden zu kaufen?

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Der Bailout wird (langfristig) nichts verbessern, weil das größere Problem im Moment nicht die faulen Kredite sind, sondern das fehlende Vertrauen. Wäre dieser Bailout Plan schon vor über einem Jahr gekommen, wäre es meiner Ansicht nach niemals zu dieser Vertrauenskrise in der Form gekommen!

1 Kommentar :

  1. Full Ack! Ich habe bereits einige Male was zum Theman "Vertrauen" geschrieben. Auch in meiner Vorstellung der allumfassenden Staatsgarantie für irische Banken habe ich das Thema angeschnitten. Es ist DER Grund für die jetzige Krise. NIEMAND bekommt mehr Geld. Ende aus. Und alle (nicht nur die Banken) sind kurzfristig finanziert. Das klappt alles zusammen, wenn man nicht an der entscheidenden Stelle "Kein Vertrauen mehr" ansetzt. Und deshalb ist die Idee einer Staatsgarantie die richtige. Es ist doch eh wurscht, denn wir bezahlen den Mist am Ende ja doch!

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