Warum der irische Rettungsplan funktionieren wird ...

... weil das Vertrauen zurück kommt.

Weissgarnix ist gerade (bzw. war) auf einer Finanzmesse in Barcelona (leider dick erkältet, gute Besserung an dieser Stelle!). Und was kann er dort sehen?

"die Messestände der “Bank of Ireland” und der “Allied Irish Bank” waren rammelvoll, das vorherrschende Thema war “schliessen die Garantien auch kommerzielle Einlagen ein oder gelten sie nur für private?”. Und es ist absehbar, dass in den nächsten Wochen Milliardenbeträge nach Irland fliessen werden, wo man sie, nach allem was man liest und hört, nicht nur “sicher”, sondern auch zu Traumkonditionen kurzfristig parken kann."

Weissgarnix.de: Schnupfen und Sarkozy statt Nick Leeson


Tja und was heißt das? MITMACHEN! Und nicht zaudern. Die irischen Banken refinanzieren sich demnächst über Spareinlagen. Sie brauchen keine Kapitalerhöhungen, keine staatlichen Bürgschaften, keine Refinanzierungen über den Kapitalmarkt mehr.

Man mag den Schritt Irlands für egoistisch halten, man kann vom Komplett-Bailout sprechen, aber WIRKSAM ist die Aktion auf jeden Fall. Und zwar wirksamer als der US-Rettungspakt und auch die permanenten Rettungs-Triple-Schritte in Deutschland.

Außerdem muss man bei der Kritik bedenken, dass jede (ganz oder quasi) verstaatlichte Bank das gleiche Problem produziert. Die Briten haben das Problem schon: die verstaatlichte Northern Rock zieht seit der Verstaatlichung die Spargelder geradezu magisch an: FTD: Bank Run verkehrt. Und Deutschland hat man die kommunalen Haftung für das Sparkassensystem eh schon einen quasi staatliches Bankenteil (übrigens konnten Leute mit richtig Angst um ihr Geld im letzten Satz einen nicht wirklich gut versteckten Tipp finden, der sich mit der Garantie von Merkel für Privatkunden erledigt hat ...).

Dass die Kunden (privat und gewerblich) jetzt beginnen, die Gelder von sichereren zu unsicheren Banken zu schieben, kann man ihnen kaum verübeln. Die Profis machen schließlich das selbe. Und am Ende bekommen die unsicheren Banken kein Geld mehr, gehen Pleite und dann fängt sie der Staat auch auf. Haben wir dabei dann irgendwas gewonnen gegenüber einer staatlichen Komplettgarantie? Außer dass es länger dauert? IMHO nein.

Wir haben ohne Garantie nur die Chance vergeben, das Bankensystem schnell zu stabilisieren. Wir haben die Chance verspielt, den Banken zwei Jahre Zeit zu geben, sich zu restrukturieren und die schlechten Assets richtig zu bewerten. Wer nicht mitspielt, muss verstaatlicht werden.

Als einzige Alternative sehe ich nur eine (Fast-)Komplettverstaatlichung der Banken (siehe AIG oder die Frannies). Oder eine unbegrenzte Liquiditätsspritze der Notenbanken mit einem hohen Zins (wie bei der AIG). Norwegen hat übrigens das Bankensystem mal für ein paar Jahre verstaatlicht und das hat Norwegen nicht aus der Spur geworfen. Ich glaube aber, dass eine Staatsgarantie wirkungsvoller ist, wenn in der Zeit der Regulierungsdruck auf das Finanzsystem groß genug ist.

Man darf sich nur nicht auf Ideologen verlassen. Weder die von links präferierte "die Verantwortlichen muss man hängen und die Banken pleitegehen" hilft, noch das neoliberlae Geschwätz der Staat dürfe den Wettbewerb nicht verzerren (wir haben gerade keinen funktionierenden Wettbewerb, also kann man da auch nichts verzerren) und Verstaatlichung sei eh immer was Böses (welche andere Lösung gibt es am Ende, wenn eine Bank an der Klippe steht?). Mit solchen Plattitüden kommen wir keinen Schritt weiter.

Schritt 1 muss sein: Verstaatlichung oder Staatsgarantie oder die EZB als unbegrenzter Geldleiher (zu Risikozinssatz). Alles muss befristet sein und von

Schritt 2: massiver Regulierung begleitet werden. Die Banken müssen sich neues Eigenkapital besorgen. Nicht risikogewichtet nach Basel II oder noch komplizierter, sondern wirklich hartes Eigenkapital in Höhe von mir mindestens 4%. Wer das nicht bekommt, muss seine Risikopositionen reduzieren. Aber in Ruhe. Wer sich bei der Abwicklung als überschuldet herausstellt, wird entweder übernommen und konsolidiert oder verstaatlicht und abgewickelt.

Ich teile die Kritik, dass das irische Vorgehen nur dann wirklich hilfreich ist, wenn alle mitmachen. Ansonsten gibt es Verzerrungen und unter Umständen sogar massive (alle schieben ihr Geld nach Irland). Aber hätte Deutschland als AAA-Schuldner wirklich Probleme, da mitzumachen? OK, die USA vielleicht, aber auch die nicht wirklich. Ich halte das irische Vorgehen für eine gute Lösung und ich halte es auch für legitim vorzuspreschen. Die EU bekommt ohne diesen Druck sowieso nichts auf die Kette, die große Sarkozy Luftnummer vom letzten Wochenende war ein erster Beweis für diese Skepsis.

Der Refinanzierungsmarkt ist fast komplett ausgetrocknet. Wenn das so bleibt, wird eine Bank nach der anderen (und irgendwann der Rest der Wirtschaft auch) Refinanzierungsprobleme bekommen und gerettet werden müssen.

Kommentare :

  1. Also, ich denke ja, die Verantwortlichen muss man hängen und die Banken pleitegehen lassen, und der Staat darf zu diesem Zweck den Wettbewerb nicht verzerren. Links ist das neue marktradikal.

    Deine irische Idee hat zwei Haken: 1. garantieren die Iren im Gegensatz zu den Deutschen auch für Giftmüll, das heisst, dass die Einlagen riesige Löcher eigentlich toter Banken füllen, toten Banken, gegen die die HRE ein Kitzlein auf der Weide ist. 2. Wo sollen denn die Zinsen herkommen, wenn die Einlagen für Löcher und Zinsen verwendet werden?

    Das ist ein Ponzi-Schema, nicht mehr und nicht weniger. Die irren Zinsen der Iren werden nicht erwirtschaftet, sondern von Leuten mit Einlagen bezahlt, die der Staat am Ende absichern muss. Und er wird sie absichern müssen, weil die Iren das Geld in ihrem Ponzi-Schema versenken und nicht investieren.

    Nach dem Vertrauen in den Markt und in die banken ruiniert man so auch das Vertrauen in den Staat.

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  2. Der Schaden, den die Pleite von Lehman erzeugt hat (Verlust des Aktienwerts + Verlust der Bondhalter) übersteigt die Kosten massiv, die bei einer geordneten Liquidierung angefallen wären. Jetzt verdienen sich die eine goldene Nase, die sich die Filetstückchen herausgepickt haben. Das sind die aus dem gleichen Club, den du gerne hängen würdest ...

    Außerdem schließt meine Lösung nicht aus, dass die Banken, die überschuldet sind, am Ende der Garantie (oder auch schon vorher) liquidiert werden. Es ist quasi Fordern (4 oder 6% Eigenkapital in Cash!) und Fördern (Bürgschaft)

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  3. Deshalb kommt zum hängen am Ende auch noch das Enteignen - wie könnte ich das nur vergessen!

    Spass beiseite. Ich bin vielleicht etwas vorbelastet durch die new Economy. Was ich daraus mitgenommen habe, sind Personalities, die, wenn man sie gerettet hat, nicht überlegten, was am System falsch war, sondern nur, wie sie das nächste Mal das System, die VCs, die Banken, die Mitarbeiter besser betrügen. Der wirklich grosse Schaden wird entstehen, wenn man denen eine zweite Chance bietet, und man dann wirklich total abhängig von diesen Burschen ist, weil man bei der ersten Runde alles an Reserven rausgehauen hat. Die Verluste des Aktienwertes betreffen in Deutschland direkt nur 10% der Bevölkerung, heute Abend sind es vielleicht nur noch neun, und ich sehe auch nicht, warum 90% der Bevölkerung arm sein müssen, nur damit sich die 10% weiterhin reich fühlen.

    Es macht keinen Sinn, dem brennenden Flugzeug noch eine Düse dranzuhängen. Man braucht Fallschirme, um die menschlichen Verluste minimal zu halten, und nach dem Crash kann man mit den Reserven neue Strukturen aufbauen. Ein geordnetes Auf Grund setzen der Finanzwirtschaft, Enteigbung ohne Entschädigung, Bestrafung ohne Ansehen der Person, Verbote und Ächtung hochriskanter Anlageprodukte, so könnte das gehen. Aber ein System finanzieren, das nachweislich nicht läuft? Warten, bis alles zu spät ist?

    Es wird möglich sein, sobals mit island, Irland und Korea die ersten Deregulierer tot sind. Schön ist das nicht, aber das ist kein festessen, sondern, um Mao zu bemühen, ein Akt der Gewalt. :-)

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  4. 60% der Deutschen haben eine Lebensversicherung, deren Wert sich auch verringert.

    Ich glaube auch an das Schlechte im Menschen (allerdings nur wenigen). Ich glaube auch, dass die Banken eines der Problempunkte im Kapitalismus sind (weil die einfach nicht Pleite gehen können). Das kann man nur verstaatlichen oder man muss das massiv regulieren. Wobei selbst eine Verstaatlichung nicht hilft, wenn man dann einen Hebel von 30 erlaubt ...

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  5. Schon mal dran gedacht, daß Banken früher ganz anders funktionierten: Man bezahlte die Banken dafür, daß man ihnen Geld anvertraute. Deutlich geändert hat sich die Verfahrensweise allerdings seit Erfindung der Assignaten.

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