West LB hat ein Jahres-BIP an Derivaten

Ob die West LB oder die LBBW die zweite Bank wird, die in den (noch) prall gefüllten Rettungs-Topf greift, ist eigentlich egal. Weil es klar ist, dass beide reinfassen werden.

Denn die Zahlen der Landesbanken, die im wirtschaftquerschuss-Blog gerade aufbereitet werden, sind schier unglaublich. Über die LBBW, bei der die Risikopositionen etwa 75% des deutschen BIPs ausmachen, hatte ich gestern schon geschrieben (Nummer Zwei: LBBW). Im Kommentar bei wirtschaftsquerschuss habe ich geschrieben, dass sich die West-LB auch bedienen wird (zur West-LB habe ich Kontakte, auch wenn die nicht so hochreichen, dass ich das als Nachricht schreiben würde, aber der Flurfunk ist in solchen Extremphasen ziemlich zuverlässig).

Und naja, was ergibt die Bilanzanalyse der West-LB? Die Derivatepositionen machen nicht "nur" 75% des deutschen BIPs aus, sondern 105%. Die Derivatepositionen übersteigen die Wirtschaftsleistung, die ganz Deutschland in einem ganzen Jahr erwirtschaftet!

Wow!
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Wenn sich also schonmal jemand gefragt hat, wer die CDS hält, deren Gesamtsumme die Summe aller BIPs der Welt übersteigt, bekommt langsam die Antwort.

Über solche Details wie einen Hebel von fast 55% muss man da gar nicht mehr reden ...

wirtschaftquerschuss: "WestLB - die Dritte"

Im Artikel gibt's auch noch ein paar schöne Aufrechnungen über die Summe der Derivatepositionen aller Landesbanken zusammen. Wobei "schön" nicht wirklich das richtige Wort ist ...

Kommentare :

  1. Na gut, und was sagt uns das jetzt konkret, außer dass das System krank ist, was wir aber schon längst wissen?

    Ich kann die Zahlen nur zur Kenntnis nehmen, den Kopf schütteln, aber mehr damit nicht anfangen.

    Ist die WestLB jetzt pleite mit dem hohen Derivatebestand? Egghat, Du hast doch selbst darüber gepostet, wie es bei den Lehman-CDS am Ende ausgegangen ist.

    Viele Grüße - ts

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  2. Eigentlich wundert mich, dass die HSH-Nordbank nicht bereits das erste Institut war. Das Institut weist seit Tagen die höchsten CDS-Prämien auf und müsste eigentlich schnellsten unter den "Schirm".

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  3. @ts: Ich habe nur die Derivatepositionen rausgepickt, im verlinkten Artikel steht aber auch noch mehr z.B. zu den "normalen" Anleihen.

    Ich gestehe ja auch, dass ich die CDS Sache immer noch nicht richtig blicke (obwohl so langsam wird es), aber es gibt CDS auf Lehman (die jetzt fällig geworden sind) als auch CDS, bei denen Lehman die Gegenseite war. Über die zweiten Geschäfte weiss man wenig bis nichts.

    @decoien:

    Die HSH Nordbank hat wie die West LB schon eine "Prüfung" zugesagt ... Die Landesbanken werden am Ende alle in den Topf greifen.

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  4. Bei diesen Zahlen sollte man nicht Äpfel mit Birnen vergleich. Unter der Derivate-Position "Zinsbezogene Produkte" sind in aller Regel Swaps, Caps, Floors etc. zusammengefasst. Die meisten davon werden zu Hedge-Zwecken eines entsprechenden Wertpapiers (ob aktiv oder passiv) abgeschlossen. Darunter fallen zu einem großen Teil die üblichen Plain-Vanilla-Swaps (fixer Zins gegen variabel). Davon hat jede Bank ein großes Nominalvolumen. Das alleine sagt nur wenig über das Risiko an sich aus. Die hohe Kreditderivate-Position hingegen ist schon eher bedenklich...

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  5. Klar, die meisten Positionen sind ein Hedge und da hebt das Plus in der einen Position das Minus einer anderen auf. Es geht nicht darum, dass die Positionen an sich kritisch sind.

    Aber hinter jeder Position steckt Counterparty Risk. Allein das macht mich schon nervös. Mal realistisch: Kuckt dir mal die Preise für CDS an und versuch mal das Counterparty Risk der gesamten Derivate Positionen abzusichern. Das wird ne ganze Menge kosten. Ziemlich sicher mehr als die WestLB in der Kasse hat.

    Mir ist auch klar, dass das Counterparty Risk durch die Staatsgarantien deutlich gesunken ist. Aber stell dir die Rechnung oben mal ohne Staatsgarantie vor. Jedes Swap Geschäft mit Morgan Stanley muss nochmal mit einem CDS von 1000 Basispunkten gegen den Ausfall von Morgan Stanley versichert werden.

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  6. Ich denke nicht, dass man das so rechnen kann. Warum sollten die das tun? Bei Derivaten gibt es in der Regel Nettung, d.h. die Marktwerte aller Swaps werden zusammengerechnet (ob positiv oder negativ). Dadurch kommt schonmal ein viieeel kleineres Risiko raus. Außerdem darf man Nominalwerte nicht mit Marktwerten verwechseln. Bei Derivaten spielt fürs Risiko nur der Marktwert eine Rolle und der ist bei Plain-Vanilla-Swaps relativ einfach zu errechnen, d.h. kalkulierbar.

    Das übrige Restrisiko (jetzt nur die Marktwerte) wird dann noch oft mit einem Collateral (CSA) abgesichert.

    Das alles ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass das CounterpartyRisk in den letzten Monaten deutlich höher bewertet worden sein sollte und sich viele der Limite wohl am Anschlag befinden werden.

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  7. "Über die zweiten Geschäfte weiss man wenig bis nichts."

    Aber dass sie für die Counterparties Ausfälle resp. Risikosteigerungen darstellen, weiss man schon.

    "Das Institut weist seit Tagen die höchsten CDS-Prämien auf und müsste eigentlich schnellsten unter den "Schirm"."

    Das ist zirkuläre Logik. Daraus, dass bspw. die CDS, die auf treasuries gezogen werden, teurer sind als CDS auf Bunds, kann man beim besten Willen nichts anderes folgern , als dass manche Leute halt auch ihren Anteil an einer Brücke in Brooklyn haben wollen. Es handelt sich um Wetten, in die keineswegs ebensoviel Information einfließt wie in den Aktienmarkt.Die Qualität von CDS-Notierungen als Informationsquelle ist nicht höher als die von prediction markets im allgemeinen - mit anderen Worten: niedrig. Aktien- und Bondmärkte kann man zwar auch als prediction markets auffassen, aber sie haben halt eine ganz andere Trefferquote. Aus sehr offensichtlichen Gründen.

    "Jedes Swap Geschäft mit Morgan Stanley muss nochmal mit einem CDS von 1000 Basispunkten gegen den Ausfall von Morgan Stanley versichert werden."

    Und an dem Punkt beisst sich die Katze in den Schwanz - oder vielmehr: es rieseln ein paar Sandkörner zuviel und die auf der Spitze balancierte, umgekehrte Pyramide zerfällt. Das ist nicht anders als mit dem über Kreuzverflechtungen der japanischen Unternehmen vor 19 Jahren hochgetriebenen Nikkei. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht irgendwelche Crash-Dramatik: die mag es geben - oder auch nicht. Entscheidend ist die Richtungsumkehrung des Prozesses: die Tatsache, dass oben auf die invertierte Pyramide keine weitere Stufe mehr aufgesetzt werden kann.
    Und wem das Nikkei-Beispiel nicht gefällt, dem ist vielleicht mit einem Verweis auf das Verhältnis von Papiergold und Echtgold geholfen. Auch da schrumpft die abgeleitete Größe, damit die zugrundeliegende wieder steigen kann.

    "Egghat, Du hast doch selbst darüber gepostet, wie es bei den Lehman-CDS am Ende ausgegangen ist."

    Aber Glück im Unglück ist halt kein Glück. Wir können ja auch hoffen, dass die Deutsche Bank nicht pleite geht, wenn die WestLB sich verabschiedet. Nur wird ein Abschied der WestLB Ackermann eher dazu bringen, sein Ziel der Reduzierung des Kreditvolumens um 30-40% beschleunigt umzusetzen, als ihm auch nur ein winziges Extrapromille an zusätzlichen Kreditzusagen zu entlocken - egal, wie sehr der Ausfall der WestLB als Anbieter die potentielle Nachfrage auf dem Kreditmarkt erhöhen mag. Die Logik der Geldmärkte ist jener der Gütermärkte nun mal entgegengesetzt. Wenn alle nach Kredit schreien, sind sie ganz offensichtlich nicht mehr kreditwürdig. Und wenn doch weiterhin fleissig Kredit gegeben wird, dann ist dieser jedenfalls nicht mehr versicherungswürdig. Nur ist die Kreditreduzierung schon längst in trockenen Tüchern- und einige Unternehmen sitzen schon in einer wasserlosen Wüste. Das Abschmelzen des Derivatebestands ist zwangsläufig.

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