Wieviel heiße Luft steckt in den Bankbilanzen?

Mal ein paar Rechenübungen ...

Wachovia wurde für 2 Milliarden Dollar von der Citigroup gekauft. Wachovia hatte Assets (Vermögensgegenstände) in Höhe von etwa 700 Mrd. Der Buchwert betrug 75 Milliarden. Also sollten die Schulden und Verbindlichkeiten von Wachovia 75 Mrd. niedriger sein, also etwa 625 Milliarden betragen.

Gegen diese Rechnung sprechen aber die 2 Mrd., die die Citigroup bezahlt ist. Und die heiße Luft ist natürlich auf der Seite der Bilanz mit den Vermögensgegenständen, denn die Forderungen sind garantiert richtig bilanziert.

Wenn man Wachovia betrachtet und den Verkaufspreis an die Citigroup als Basis nimmt, stecken etwa 10% heißer Luft in den Bilanzen.

NYT: Lying Bank Accounting gefunden über The Big Picture: Quote of the Day: Fair Value Accounting

Eine ähnliche Rechnung kann man bei Lehman aufmachen. Die Firma war am Tag nach der Pleite auch plötzlich viel weniger wert. Ich habe darüber schonmal geschrieben:

Aber ich diskutiere hier wahrscheinlich viel zu sachlich. Möglicherweise sind die Bilanzen nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Und die sind alle so Pleite wie Lehman, die ja auch das Wunder vollbracht haben, den Wert in wenigen Stunden um 100 Milliarden oder mehr zu senken. Die Vermögensgegenstände von Lehman waren noch am Freitag 640 Mrd. Dollar wert und nach dem Insolvenzantrag am Montag ergaben die Schätzungen auf einmal nur eine Gläubigerquote von 60 bis 80%. Aus einer Firma, die am Freitag noch 27 Mrd wert war, wurde über's Wochenende eine, die minus 100 bis 220 Mrd. wert war (Reuters: Lehman debt may get 60 cts/dlr in bankruptcy-report). Wenn dieser zweite Wertansatz jetzt richtiger ist als der offizielle und man annehmen kann, dass das bei den anderen Banken ähnlich aussieht, kann ich die Panik von Paulson nachvollziehen.
aus Der Bailout ist durch ... 250 Mrd. sofort.

Auch die Vermögensverwaltung von Lehman wurde im Frühling noch auf teilweise 13 Mrd. Dollar geschätzt, am Ende ging sie für 2,15 Mrd. Dollar an zwei Hedgefonds (Lehman Vermögensverwaltungstochter verschenkt). Auf die gesamte Firma gerechnet kommt man bei Lehman auf eine Wertverlust gegenüber der letzten Bilanz von mindestens 20, wenn nicht gar 40%.

Diese Abschläge sind natürlich dramatisch und sicherlich durch die Ausverkaufspreise nach der Pleite und durch den täglichen Wertverfall des laufenden Geschäfts zu erklären (jeden Tag ziehen Kunden massiv Geld ab und die Firma wird weniger wert. Insbesondere im Trading ist der Wert des Geschäfts innerhalb von Tagen vernichtet).

Trotzdem zeichnen diese Verluste gegenüber den letzten offiziellen Zahlen aus der Bilanz ein desaströses Bild. Wenn ich mit einem Mischwert aus
a) dem Wertverlust von Wachovia zwischen letzter Bilanz und Verkaufserlös und
b) dem Unterschied bei Lehman zwischen letzter Bilanz und geschätztem Verkaufserlös
hingehe und ähnliche Abschläge auf die Vermögenswerte der anderen Banken ansetze, sind die (fast) alle Pleite ...

Ich denke jetzt besser nicht mehr weiter darüber nach ...

Kommentare :

  1. Das stimmt so aber nur, wenn beim Verkauf die Assets "fair" bewertet und als Grundlage für die Preisfindung genommen wurden. Was aber, wenn wir die ganze Sache nach dem bekannten Schema Angebot und Nachfrage betrachten?

    Auf der einen Seite eine Bank, die sich unbedingt (=bedingungslos) verkaufen muss, um einen Bankrott zu verhindern, auf der anderen Seite nur wenige oder sogar nur ein einziger Käufer, der den Mumm hat, ein Schnäppchen zu wagen. Ich als Käufer würde sagen: "Das ist mein Angebot. Friss oder stirb!"

    AntwortenLöschen
  2. Ja Tschuldigung, die Gedankem die du aufgeschrieben hast, hatte ich natürlich auch, nur nicht explizit hingeschrieben.

    Die Beobachtung ist nur, dass bei allen Marktpreisen die Bewertungen unter den Werten aus der Bilanz liegen.

    Ich will (und kann) nicht ausschließen, dass die Preise beim Verkauf (vor allem beim Lehman Verkauf) zu niedrig sind. Was aber eben so wichtig ist (und das ist ein Punkt, den ich gestern Abend noch bringen wollte, heute morgen aber vergessen habe): Das Gejammer der Banker angesichts der jetzt angeblich schon zu niedrigen Preise für die Vermögenswerte lässt sich mit den Marktpreisen bei den Verkäufen nicht belegen.

    Wo der wirliche Wert liegt, weiss eh niemand. Ich hab auch mal den Ansätzen in der Lehman-Bilanz vertraut ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore