Wo versackt die ganze Liquidität?

Zur Erinnerung: Erst am Anfang der Woche hat die Fed dem Bankensystem satte 900 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt (900 Mrd. Liquidität von der Fed für die Banken). Trotzdem redet alles (auch ich) vom Credit Crunch, weil niemand das Geld weiterverleiht (was Banken ja eigentlich machen sollten, schließlich ist es deren ureigenstes Geschäft). Der Commercial Paper Markt zum Beispiel ist komplett ausgetrocknet, deshalb ist die Fed auch hier eingeschritten (Fed schafft neue Finanzierungsmöglichkeit: Wer hat noch nicht, wer will nochmal?)

Da muss man sich doch fragen, wo die ganzen Milliarden bleiben? Versickern die einfach? Ich habe bisher keine wirklich schlüssigen Erklärungen gelesen. Was sich aber heute geändert hat.

Das Bunkern von Cash bei den Banken, könnten die Vorbereitungen für die Credit Default Swaps sein, die die Banken in dieser Woche zu leisten haben. Diese CDS zahlen im Fall des Ausfalls eines Schuldner. Und zwar ein paar Wochen nach dem Eintritt des Ausfallereignisses.

Heute waren die Zahlungen für den Ausfall von Fannie Mae und Freddie Mac (oder Phoney and Fraudy ;-) ) fällig. Bei beiden waren wahnsinnige 500 Milliarden Dollar der insgesamt 1600 Mrd. Anleihen versichert. Wobei die 500 Mrd. nur geschätzt sind, die genaue Summe kennt niemand (Kopfschüttel). Fannie und Freddie wurden verstaatlicht und die Anleihen daher eigentlich gar nicht ausgefallen sind. Daher brachten die CDS auch nur Ausfälle, die maximal 8,5% des Nennwerts betrugen und das auch nur bei einem Bruchteil der Anleihen. Der große Teil ging fast verlustfrei über den Tisch. Der Schaden war also wesentlich geringer als befürchtet.

Spannender wird die Nummer bei Lehman. Hier sind die Anleihen wirklich ausgefallen. Bei Lehman sollen 400 bis 500 Mrd. Dollar offen sein (auch hier kennt wieder niemand eine genaue Summe). Und bei Lehman wird es deutliche Abschläge auf den Nennwert geben, denn Lehman wurde bekanntlich nicht gerettet. Erste Schätzungen direkt nach der Pleite erwarteten schon 20 bis 40% Verlust auf den Nennwert. Angesichts der Zuspitzung der Krise dürfte das in den letzten Wochen nicht besser geworden sein. Es wird der 21. Oktober als Termin für diese Versteigerung genannt. Das wird (mal wieder) spannend.

Man muss bedenken, dass der CDS-Markt im Volumen von 45.000 Milliarden Dollar noch nie wirklich getestet wurde. Ein paar kleinere Ausfälle waren schonmal da, ein größerer auch (der Autozulieferer Delphi), aber bei den letzten richtig großen Pleiten gab es den CDS Markt noch gar nicht so richtig. Lehman wird also der erste wirkliche Test für diesen Markt. Dass es ein Stresstest wird, ist angesichts der aktuellen Gesamtlage eigentlich sicher.

FT Alphaville: Banks prepare for CDS pay-outs

FT.com: Credit market to price $500bn in bad deals

Update (8.10.08)

Kleines Update:

In einem Artikel heute wird der nächste Freitag also der 10.10 als Abwicklungstermin für die Lehman-CDS genannt. Weiss das jemand genauer?

FT Alphaville: Statements politicians should not make

Kommentare :

  1. Von einem kompletten einbunkern der Liquidität ist vermutlich nicht auszugehen. Wenn denn Geld verliehen wird, dann wahrscheinlich nur extrem kurzfristig und nur an eien enge Kreis - u.a. auch deswegen, weil hier noch Fristentransformation möglich ist.

    Instituten,die wirklich nachhaltigen Liquditätsbedarf haben, nützt das freilich relativ wenig.

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  2. Dies ist keine Liquiditätsfrage, es gibt zuviel Liqidität, zwar nur buchungstechnisch, aber das ist, was zählt. Jetzt muß erst mal alles gesundschrumpfen und da müssen die Verbraucher der Spaßgesellschaft einfach durch.

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