AIG Bailout Version 2.0: Jetzt über 150 Mrd. schwer

Als Update zu meinem Artikel von gestern Abend (US-Versicherer AIG vor Bailout Nummer 2 bis 3.).

Weitere (allerdings detaillierte) Gerüchte (Update: inzwischen bestätigt) zum neu strukturierten AIG-Bailout trudeln ein ... Es geht dabei auch nicht um die Frage, ob das jetzt der zweite oder dritte Schritt des Bailouts ist. Es werden vielmehr der erste Schritt (85 Mrd. gegen 80%) und der zweite (weitere 38 Mrd. Kredit) durch das neue Programm ersetzt. Quasi Version 2.0 des Bailouts.

Gesamtvolumen über 150 Milliarden. Aus dem 85 Milliarden Kredit wird ein 60 Milliarden Kredit, der allerdings verlängert und viel billiger wird: Statt 8,5% Zinsaufschlag auf den Libor sind es jetzt nur noch 3. Für den ungenutzten Teil des Kredits wird der Zinsaufschlag von 8,5% sogar auf 0,75% gesenkt. Die Laufzeit verlängert sich von 2 auf 5 Jahre. Dazu kommen noch 40 Milliarden aus dem Rettungspaket, die für eine Kapitalerhöhung im bekannten Stile genutzt werden: neue Vorzugsaktien mit 10% Dividende.

Aber damit noch nicht Ende des Programms. Es gibt noch zwei weitere Teile, mit denen Assets aus der Bilanz der AIG gekauft werden. Erstens investiert der Staat 30 Milliarden (plus 5 Mrd. von der AIG) und gründet eine neue Firma, in die 70 Milliarden Dollar an CDS (ich dachte, soviele gibt es gar nicht ;-)) ausgegliedert werden. Zweitens gibt der Staat 22,5 Milliarden Dollar (+1 Mrd. von der AIG) und gründet eine zweite Firma, in die Mortgage Backed Securities (hypothekenbesicherte Anleihen) ausgelagert werden.
Die vor zwei Wochen angekündigte zusätzliche Kreditlinie von 38 Mrd. Dollar (AIG: Ein Fass ohne Boden) wird hingegen wieder gestrichen.

FT Alphaville: AIG nears deal on revised state bail-out
FT.com: AIG receives new $150bn state bail-out

Willem Buiter fragt sich, ob man die AIG nicht besser ganz verstaatlichen bzw. unter staatliche Kontrolle (Receivership) stellen sollte. Irgendwie ist die modifizierte Lösung, die wieder auf 80% Staatsanteil hinausläuft, halbgar. Was sollen die 20% Aktien am freien Markt noch? Fannie und Freddie hat man auch komplett unter staatliche Kontrolle genommen. Mir scheint die Lage bei der AIG ähnlich komplex und unüberschaubar und die Auswirkungen ähnlich gravierend zu sein wie bei den Frannies.

Aber wahrscheinlich tritt bei der Komplettverstaatlichung ein Kreditereignis oder ein Eigentümerwechsel ein, der eine vorzeitige Kündigung der Verträge ermöglicht. Und genau das will man wohl vermeiden, weil dadurch a) möglicherweise eine unkontrollierte Abwicklung angestoßen wird und b) u. U. der Wert der verbleibenden Töchter reduziert wird.

Willem Buiters Maverecon: Time to pull the plug on AIG?

Update (12:01)

Eine deutschsprachige Quelle, die aber auch nicht mehr enthält als mein Artikel (vor allem keinen Link auf die Quelle, von der man abgeschrieben hat ...)
FTD: US-Regierung kauft sich bei AIG ein

Update (12:27)

Quartalsverlust von AIG ist raus: 24,47 Milliarden Dollar. Autsch. Etwa 15 Milliarden Abschreibungen plus etwa 9 Milliarden operativer Verlust.

Marketwatch: AIG reports third-quarter loss of $24.47 billion

Die Details zum neuen Rettungspaket für die AIG wurden inzwischen offiziell bestätigt:

Marketwatch: Fed, Treasury revamp AIG support

Update (12:43)

Eine sehr ausführlich Analyse bei, aber nicht von Ritholtz:

Ritholtz.com: AIG: The Looting Continues (Banana Republic Watch)

Ein Details übrigens, das ich im ersten Artikel vergessen habe, möchte ich noch nachreichen: Die Änderung des Plans ging von der AIG aus, die sich u.a. über den zu hohen Zinssatz beschwert hat. Die Banken hätten schließlich im Rettungsplan deutlich bessere Konditionen bekommen.

Nur Dank der Staatshilfe überhaupt noch am Leben, aber dann noch beschweren und Forderungen stellen. Ganz schön selbstbewusst!

Kommentare :

  1. Schöne Zusammenstellung, auf die ich gern verweise in meinem Blog.

    Man muss sich das mal vorstellen: Ursprünglich war mal von 20 Mrd. US$ die Rede. Mittlerweile ist AIG bei 150 Mrd.$ angelangt und es ist immer noch nicht klar, ob das reicht.

    Allerdings hätte eine Insolvenz von AIG wohl viel weitreichender Folgen als die Pleite von Lehman, deren Wirkungen ja auch zunächst in Deutschland unterschätzt wurde.

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  2. Oh wei, Oh wei, aber war ja klar, dass denen (nicht nur denen, sondern mir auch) die Zinsen zu hoch sind. Wie ich mal ausgerechnet hatte, wären 15 Mrd. Dollar im Jahr allein an Zinsen angefallen.

    Wie hätten die das bezahlen sollen?

    So eine Lösung mit den zwei neuen Firmen habe ich schon für AIG erwartet, aber ich frage mich, wie lange die Firmen überleben werden...

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  3. Naja, im Deal war ja nie vorgesehen, dass die a) die 85 Milliarden komplett ausschöpfen und b) die ganze Zeit brauchen.

    Aber bisher hat die AIG exakt nix verkauft. Und das war garantiert nicht so gedacht ...

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  4. @decoien: Joh, eine AIG Pleite ist komplett unbeherrschbar. Allein die CDOs dürften nochmal ein paar Hundert Milliarden (oder noch mehr) höher sein als das Risiko bei Lehman. Von daher werden jetzt wohl auch die CDOs aus der Bilanz gezogen und mit satten 50% Eigenkapital unterfüttert. Die Menge Eigenkapital dürfte ein guter Gradmesser für das Risiko in den Positionen sein ...

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  5. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/rettungsfall-aig-rechenmodelle-ignorierten-die-groessten-risiken;2084539;0

    Demnach hat AIG CDO's im Wert von 80 Milliarden versichert (gehabt).

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  6. Nur 80 Mrd? Dann wäre ja so gut wie alles ausgelagert. Ich habe aber nichts davon gelesen ... Eigentlich hätte man ein "wir haben alle CDO ausgelagert" als positive Meldung ja bringen müssen ...

    Den Handelsblatt-Artikel lese ich später.

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  7. Jupp die haben 2004 damit angefangen und 2006 wieder aufgehört.

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