Börse Moskau (schon wieder) geschlossen

Gestern gingen die Aktienkurse in Moskau fast 15% nach unten. Dann hat man an der russischen Börse mal wieder vorzeitig Feierabend gemacht und ist direkt in einen Kurzurlaub gegangen.

Das wäre aber nicht unbedingt ein Posting wert, wenn es über die Lage in Russland nicht noch etwas mehr zu berichten gäbe. Gestern gab der Rubel etwa 1% nach. Was bei den Schwankungen, die man von den internationalen Devisenmärkten gewöhnt ist, nicht viel erscheint. Man muss aber bedenken, dass der Rubel keine frei schwankende Währung ist, sondern der Rubel nur in einem eng definierten Band schwanken darf. Droht ein Verlassen des Bandes, schreitet die russische Notenbank ein und stützt den Rubel, indem sie Rubel kauft und Dollar bzw. Euro verkauft.

Dafür hat die russische Notenbank allein gestern 7 Milliarden Dollar aufwenden müssen. Außerdem wurden der Leitzins von 11 auf 12% erhöht. Insgesamt hat Russland für die Stützung des Rubels schon 20% der Devisenreserven verbraten. Diese liegen aber immer noch bei knapp 500 Milliarden Dollar und sind damit ungefähr doppelt so hoch wie die Devisenreserven aller Euro-Länder zusammen.

Eigentlich doch ziemlich beruhigend, oder? Scheinbar nicht, denn die dreißigjährigen russischen Anleihen rentieren inzwischen mit einem Zins von fast 12%, also einem Aufschlag von etwa 8%. Die Credit Default Swaps liegen auch in dieser Höhe.

Bei einzelnen Firmen sieht es noch schlimmer aus. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Gazprom Anleihen liegen inzwischen bei 11,5%. Eine Firma, die noch vor Kurzem als quasi unverwundbare Gelddruckmaschine galt. Ich habe mich schon vor ein paar Wochen sehr verwundert darüber gezeigt, dass Gazprom überhaupt in solche Spekulationen verwickelt werden konnte ... (Gazprom vor Zahlungsschwierigkeiten?). Auch die Anleihen der größten russischen Bank Sberbank werfen inzwischen leckere 15% Rendite ab.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Russland irgendwie Probleme bekommt. Das Land müsste auch bei 40$ für's Barrel Öl noch Geld verdienen.

Für mutige Anleiheninvestoren bieten die oben genannten Rentenpapiere eine auf jeden Fall spannende und unter Umständen lukrative Investmentchance. Es kann natürlich auch schiefgehen. Der Ölpreis sinkt noch weiter. Die russische Notenbank hört auf den Rubel zu stützen. Der Rubel kommt unter Druck. Die Oligarchen ziehen ihr Geld aus Russland ab und schon beginnt sich eine Abwärtsspirale zu drehen und zwar immer schneller. Ganz hypothetisch ist das nicht, denn es wurden in den letzten 3 Monaten fast 150 Mrd. Dollar ins Ausland gebracht ...

FT Alphaville: Russia, asking for it
Bloomberg: Russia Debt Risk Jumps After `Clumsy' Ruble Widening, Rate Rise

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