Buffet CDS teuer wie nie!

Kreditausfallversicherungen auf Warren Buffets Berkshire Hathaway sind so teuer wie nie. Die Kosten betragen 415 Basispunkte, was verdammt viel ist für eine Firma, die offiziell mit AAA das allerbeste Rating hat (z.B. besser als Italien). Vor 2 Monaten lag der Aufschlag noch bei 140 Basispunkten.

Der Grund für diesen Sprung im (gefühlten) Risiko bei Berkshire Hathaway ist unklar.
Es kann sein, dass der Markt für CDS einfach nur so dünn ist, dass die 415 Basispunkte nur ein total irrelevanter Ausreißer sind.
Es gibt allerdings auch Hinweise auf Swapgeschäfte. Da diese aber eine Laufzeit bis mindestens 2019 haben, besteht kurzfristig also überhaupt keine Gefahr. Außerdem entsteht das maximale Risiko von 37 Mrd. Dollar nur dann, wenn alle 4 Indizes auf die Geschäfte abgeschlossen wurden am Ende der Laufzeit auf NULL stehen. Und selbst dann hätte Berkshire Hathaway noch genügend Cash.

Die CDS Preise erscheinen extrem abstrus. Aber wahrscheinlich sind die Händler einfach nur verwirrt, dass Buffet, der die Derivate immer als Massenvernichtungswaffen beschrieben hat, selber in diesen Geschäften engagiert ist. In Zeiten wie diesen reicht das wohl für maximale Verwirrung aus.

FT Alphaville: Derivatives and the wisdom of the Sage

Kommentare :

  1. hm ich denke das liegt vorallem daran, dass CDS so synthetische Produkte sind. Vermutlich existieren schon Rechenmodelle, die berechnen, wie viel ein CDS Wert sein muss, wenn man ihn mit Puts/Short-Positionen auf den Aktienkurs absichern will. Und da die Volatilität vermutlich auch bei Berkshire Hathaway so hoch ist, stiegen auch die Kosten für einen CDS. Ob der dann auch gekauft wird, ist natürlich eine andere Frage...

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  2. So spannend ich die Überlegung finde: Aber dann müssten alle Banken 400 Basispunkte Aufschlag haben. Die Vola der DeuBa und Berkshire Hathaway dürften sich nicht signifikant unterscheiden.

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  3. Der Hintergrund ist, offensichtlich hat Warren Buffett mit Optionen gezündelt hat. Habe versucht, dass mal in einem Blog Beitrag auf Basis einer Bloomberg Meldung darzustellen.
    Warren Buffett zündelt mit den “Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte” und schießt sich an

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  4. > > Es stellt sicher überhaupt die Frage, warum die Firma Kredite bei diesem Cash-Bestand braucht. Hintergrund sind offenbar langfristige Optionsgeschäfte auf verschiedene Indizes, die Berkshire Hathaway zwar eine Prämie von 4,85 Mrd. US$ eingebracht haben, die aber aktuell eine Auszahlung von 37 Mrd. US$ kosten würden, wenn die Märkte sich nicht von dem aktuellen Kurssturz erholen.

    Anscheinend hat Buffet langlaufende Put-Optionen (bis 2019) verkauft, die jetzt temporär (oder nicht?) unter Wasser geraten sind.

    So etwas kann gefährlich sein, bringt einem aber schönes Geld, wenn man strategisch richtig ist (sollte bis 2019 der Fall sein) und man durchhält.

    Es sollen aber eben auch schon Leute in einem durchschnittlich nur 20 cm tiefen Fluss ertrunken sein ...

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  5. Das Bild mit dem durchschnittlich 20 cm tiefen Fluss ist gut! Kannte ich nicht.

    Aber er hat (angeblich) das gesamte Verlustrisiko in Cash. Ist natürlich trotzdem nicht toll, so viel Geld auf einen Schlag zu verlieren, aber Berkshire wird's überleben. Aber generell glaube ich eh nicht, dass er 2019 mit den Optionen noch im Minus ist ... Das Problem wird (wenn es in 3 Jahren nicht gelöst ist) weginflationiert ...

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  6. Das Verlustrisiko besteht ja auch in Cash, entweder direkt oder mittelbar:

    Wenn man eine Option verkauft ("schreibt"), zum Beispiel einen Put aus dem Geld, dann kassiert man die Prämie, aber wenn der Put bei sinkenden Kursen des Underlying ins Geld geht, dann entsteht ein potenzieller Verlust, der real wird, wenn die Option gezogen wird, und dann muss man für den aufgelaufenen Verlust in Cash geradestehen. Deshalb verlangt der Broker oder die Clearingstelle, dass man jederzeit für einen Kredit in Höhe des jeweils bestehenden Verlustes plus einem Sicherheitsaufschlag gut ist.

    Bei einer amerikanischen Option, die jederzeit ausführbar ist, kann im Negativfall das "Fallbeil" ja eben auch jederzeit fallen. Aber auch bei einer europäischen Option, die erst bei Expiry gezogen werden kann, verlangt der Broker die Sicherheitsleistung wie bei der amerikanischen Option. In Cash natürlich.

    Und wie das mit einem durchschnittlich ganz harmlos tiefen Fluss ist, das durfte ich selbst kürzlich erst nachvollziehen. Ich habe VW-Calls Strike 360 Expiry Juni 2009 geschrieben, und als VW bei 1'000 stand, da wurde mir doch ziemlich anders ;-)

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  7. Mein Satz mit dem Cash war schlecht formuliert. Was ich sagen wollte ist, dass Berkshire Hathaway genügend Cash hat, selbst wenn die Indizes alle auf Null fallen sollten.

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  8. Verstehe.

    Aber mal etwas beckmesserisch:

    1. wenn die decoien-These richtig ist, dass er 4,85 Mrd. US$ Prämie kassiert hat und 37 Mrd. US$ im Obligo ist, und wenn meine sicher vereinfachende These richtig ist, dass er Index-Puts Expiry 2019 geschrieben hat, dann wäre die Metrik grob geschätzt so, dass er bei Auf-Null-Fallen der Indizes zwischen 500 und 1'000 Mrd. US$ im Obligo wäre. AUch für Buffet eine Menge Holz ;-)

    2. So ein CDS macht ja statistische Annahmen über Ausfallwahrscheinlichkeiten. Und insofern mag im derzeitigen Satz auch enthalten sein, dass Buffet vielleicht die massenhaften Puts wegen beginnendem Alzheimer geschrieben hat, und dass es in Zukunft noch ganz fürchterlich wird ;-)

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  9. Der Blooberg Artikel, auf den sich Decoien bezieht, ist IMHO schlecht. Zumindest wenn er inhaltlich richtig ist, ist der von mir verlinkte FT Alphaville Artikel wesentlich besser.

    Zur Klärung und warum sich decoiens Darstellung von meiner unterscheidet:

    FT Alphaville spricht von

    "up to $37bn" also MAXIMAL 37 Milliarden Dollar. So habe ich das auch dargestellt: Wenn alle Indizes bei der Fälligkeit auf Null fallen, hat er die 37 Mrd. Risiko.

    Diese Darstellung ist u.U. auch falsch, weil an einer anderen Stelle explizit von "need to make a payment only if the index in question is quoted at a level below that existing on the day that the put was written". Also etwas unklar, ob das digitale Optionen sind, die voll fällig werden, wenn der Index unter dem Strike liegt ODER ob das normale Puts sind, die mit der Höhe des Kursverlust immer mehr Wert ansammeln. Es gibt IMHO keinen Hinweis darauf, dass das digitale Optionen sind. Ich gehe also davon aus, dass der maximale Risiko von 37 Mrd. nur dann erreicht wird, wenn die Indizes alle auf Null fallen.

    Und noch eine Unklarheit, die keine ist: Die Optionen sind europäisch, die können also nicht immer ausgeübt werden ("exercisable only at their expiration dates").

    Von daher gehe ich davon aus, dass die Börse spinnt, sprich der Anstieg der CDS Kosten für BH völlig unbegründet ist. Aber das ist in Zeiten der totalen Angst halt so ...

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  10. Peinlich, peinlich ... hätte mal Ihren Originalpost lesen sollen ... zu faul oder zu doof? oder sogar beides? ... Ich schieb's einfach mal auf meinen progressierenden Alzheimer ;-)

    Buffet hat also vor 2007 Index-Puts des Europäischen Typs am Geld für $4.5bn mit Expiries ungefähr in 2019 verkauft. Im Folgenden beziehe ich mich der Einfachheit halber von den behaupteten 4 Indizes nur auf den S&P.

    Das ganze ist nicht so einfach "rund" zu kriegen, aber ich versuche es mal: Im Dezember 2006 (ich schliesse das aus der Sept'07-Formulierung "at yearend"), also bei S&P=1'400, war der Rückkaufwert laut dem FT-Artikel $4.6bn. Dann dürfte der Strike sicher nicht wesentlich unter 1'350 gelegen haben, sonst wäre der Verlust grösser als $0.1bn. Diese Bedingung wäre bei einem Put-Verkauf am Geld in 2006 immerhin ganz knapp erfüllbar gewesen, vielleicht hatten die Verkäufe auch erst ganz kurz vor Ende 2006 stattgefunden.

    Wenn man von einem Strike zwischen 1'350 und 1'400 ausgeht, und wenn man annimmt, dass die $37bn tatsächlich den Rückkaufwert für einen S&P=0 darstellen, dann wäre er beim heutigen S&P=800 ziemlich in den Miesen, schätzungsweise mit einem Rückkaufwert von $20bn, abzüglich der kassierten Prämie also einem Verlust von $15bn (mark-to-market). Nicht ganz trivial, obwohl ich selbst in den Deal von Buffet auch heute einsteigen würde, wenn ich das Collateral hätte ;-)

    Denn in diesem Zusammenhang zwar nicht falsch, aber definitiv irreführend scheint mir das Tilson-Statement zu sein: "It is CRITICALLY important to understand that the puts cannot be exercised prior to expiration, nor does BRK have to post cash collateral when the indices fall (though BRK has to take a mark-to-market, noncash charge).".

    Dass die Puts erst ca. 2019 ausgeführt werden können, ändert ja nichts daran, dass der mark-to-market-Verlust von $15bn besteht, streng genommen eben auch eine mark-to-market-Verpflichtung dem Put-Käufer gegenüber in Höhe der oben geschätzten $20bn! Es mag ja sein, dass die Put-Käufer Buffet nicht vertraglich verpflichtet haben, diesen Betrag in Cash zu hinterlegen. Wir können aber 100,0%-ig sicher sein, dass sich die Käufer, die immerhin $4,5bn hingelegt haben, eine Sicherheit haben geben lassen, und das ist ganz sicher eine andere Sicherheit als die treuen blauen Augen des Herrn Buffet, der 2019 längst das Zeitliche gesegnet haben dürfte. Und diese Sicherheit dürfte eine Art Bürgschaft sein, und diese halt irgendwie derivativ implementiert.

    Und damit wird für mich der hohe CDS-Kurs völlig nachvollziehbar.

    Man darf sich eben von der Expiry 2019 nicht verwirren lassen: wenn ich heute S&P-Puts mit einem Strike 1'350 in einer Anzahl kaufen würde, die 2006 bei einem S&P=1'350 $4,5bn wert waren, dann müsste ich für diese Puts heute ca. $20bn hinlegen. So viel sind sie also "real" wert, und die Werthaltigkeit liegt kritisch in der Qualität des Stillhalters, also dessen, der die Puts verkauft. Und die muss verbürgt werden!

    Und die ist ganz bestimmt auch verbürgt worden, und ich finde die CDS-Kosten in dem obigen Kontext zwar auch ziemlich hoch, aber nicht völlig ausserhalb jeder Vernunft. Aber zugegeben: was weiss ich schon ;-)

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  11. Ich schätze mal (so ganz sicher kann man sich ja nie sein), dass die Darstellung richtig ist. Nur eine Anmerkung noch:

    Die knapp 5 Mrd. Erlös durch den Put-Verkauf sind von 2006 bis 2019 (und teilweise auch länger) am Ende der Laufzeit durch die Zinsen auch locker das Doppelte wert. Selbst wenn 2019 der S&P500 bei 800 stehen sollte und das 20 Mrd. Kosten für Buffet bringen würden, wäre das doch "nur" ein Minus von 10 Mrd.

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  12. Ich sag' ja, ich würde in den Buffet-Deal jederzeit einsteigen, aber man lässt mich ja leider nicht ;-)

    Wegen Ausgelaufenseins des Zeitwertes würden die Rückkaufkosten in 2019 bei einem S&P von 800 auch nicht mehr ca. $20bn sein, sondern vielleicht noch ca. $12bn.

    Trotzdem: wenn wir den Buffet-Deal für eine todsichere Sache halten, dann müssten wir gleichzeitig den käufer der Optionen für einen hirnlosen Idioten halten. Das mag zwar sein, aber ist keinesfalls sicher.

    Viele Dinge die uns (ja, uns allen, wenn wir ehrlich sind) noch vor 2 Jahren unvorstellbar schienen, sind heute passiert. Vieles was uns heute unvorstellbar scheint, kann in 2 Jahren, oder in 10 Jahren, schlicht und einfach eingetreten sein. Das kann ein S&P von 4'000 sein, aber auch ein S&P von 400.

    Falls der S&P von 1'500 von Ende 2007 dem Nikkei von 38'000 von Ende 1989 entspräche, dann entspräche ein S&P von 400 Ende 2019 einem Nikkei von 10'100 Ende 2001. In der Tat stand der Nikkei Ende 2001 übrigens bei 10'200 ;-)

    Und heute bei 7'000.

    Jaja, ich weiss, diesmal ist es alles anders ;-))

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