China mit MEGA Konjunkturprogramm

Es geht um 4 Billionen Yuan oder 570 Milliarden Dollar oder etwa 450 Milliarden Euro, die bis zum Ende 2010 in die chinesische Wirtschaft gepumpt werden sollen.

Nun mag man sagen, dass China auch ein großes Land ist und das vielleicht gar nicht so viel Geld sei. Das stimmt aber nicht, denn die Größe eines Konjunkturprogramms muss man eher an der Höhe der Wirtschaftsleitung messen. Und das BIP von China ist etwa genauso hoch wie das deutsche (Quelle: Wikipedia: Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt). 450 Milliarden Euro sind also etwa 20% des BIPs, sprich ganz schön viel. Zum Vergleich: In Deutschland reden wir über ein Konjunkturpaket, das 50 Milliarden Euro in Bewegung setzen soll. Der Staat gibt also nicht 50 Mrd. aus, sondern nur 10 oder 15 und möchte damit weitere Milliarden Investitionen in Gang setzen.

FT Alphaville: China’s huge stimulus package

Die offizielle Presseerklärung: China's 4 trillion yuan stimulus to boost economy, domestic demand

Update (9:56)

Entscheidend für die Wirksamkeit des Konjunkturprogramms ist, wieviel des Geldes zusätzlich ist also nicht schon vorher verplant war und jetzt nur einen neuen Aufkleber "Konjunkturprogramm" verpasst bekommt. Um Wirkung zu entfalten, muss das Geld logischerweise zusätzliches Geld sein.

Eine weitere spannende Frage: Wer finanziert denn jetzt das amerikanische Handelsbilanzdefizit? Das übernahm ja bisher vor allem China, das deswegen auf 1,7 Billionen Dollar sitzt. Wenn die Chinesen das Geld jetzt bei sich zu Hause investieren statt US-Staatsanleihen zu kaufen, können die USA schnell Probleme an einer Front bekommen, an der es trotz der ganzen Finanzkrise bisher ruhig geblieben ist. Und das Doppeldefizit war immer der Grund für den fallenden Dollar in den letzten Jahren (mit Ausnahme der letzten 4 Monate).

Nakes Shorts: Uh oh, there goes the bid in Treasuries

Update (12:02)

Tagesschau.de: Die Werkbank der Welt im Abwärtssog
FAZ: China-Milliarden beflügeln die Börsen
FAZ: Die China-Rally könnte kurzlebig sein

Die Chinesen betonen übrigens explizit, dass die Inflation jetzt kein Thema mehr sei, weil sie deutlich zurückgegangen sei. Jetzt gelte es das Wachstum zu stabilisieren. Alles unterhalb von 8% sei nicht akzeptabel.

Marketwatch: China's wholesale inflation falls to 6.6% in October

Update (22:28)

Robert von Heusinger von der Frankfurter Rundschau findet das chinesische Programm natürlich gut. Ich bin mir da nicht so sicher. Denn ich vermisse bei der Diskussion immer die Startbasis: Die Chinesen sitzen auf soviel Geld, dass sie nicht wissen wohin damit. Dann ist ein Konjunkturpaket, vor allem wenn es sich um langfristige Investitionen wie Infrastruktur handelt, sinnvoll. In Deutschland werden wir dank des Konjunkturabschwungs nächstes Jahr aber wieder einen ziemlich roten Haushalt produzieren (alles andere ist Zweckoptimismus). Deshalb muss man anders denken und kann nicht mal eben 450 Milliarden raushauen. Man erinnere sich, wie der letzte fast ausgeglichene Haushalt entstanden ist: Durch die größte Steuererhöhung in der Geschichte Deutschlands: Die Mehrwertsteuer ging von 16 auf 19% (in einem spannenden Kompromiss zwischen 16 und 18 kam die 19 raus). Und nicht durch Sparen. Wenn man *das* mal gemacht hätte, wäre jetzt vielleicht das Potenzial da, um 100 Mrd. in ein sinnvolles Konjunkturprogramm zu stecken.
Ich bleibe dabei: Ich will erstmal einen nachhaltig positiven Haushalt sehen. Dann kann man über ein Konjunkturprogramm nachdenken. (Ich befürchte sowieso, dass man sich als Politiker keine Gedanken über das Ausgeben von Geld machen muss. Die Gründe für bisher ungeplante Ausgaben werden die Finanzkrise (Empfänger Bank) und die steigende Arbeitslosigkeit (Empfänger Sozialkasse) in 2010 schon produzieren ...)

FR: Von China lernen

Kommentare :

  1. Es wird in China wie überall gehen. Die Konjunkturprogramme verpuffen, weil das Geld nicht in den Konsum sondern in die Spekulation fließt.

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  2. Na, bin mir nicht so sicher. Die Chinesen geben es relativ konkret für sinnvolle Sachen aus: Infrastruktur (Straßen, Eisenbahn, etc) Wiederaufbau nach dem Erdbeben, etc. Das sind sinnvolle Investitionen. Meine Zweifel würden eher aus einer anderen Ecke kommen: Wieviele der 450 Milliarden Euro sind nur "umgelabelt"? Sprich: Die Straße wollte man eh schon bauen, nur pappt man da jetzt "Konjunkturprogramm" drauf. Um Wirkung zu entfalten, muss das ja *zusätzliches* Geld sein.

    Man wird sehen. Die Börse reagiert heute auf jeden Fall sehr positiv (+7%).

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