EZB unterstützt Börse für CDS. Ich will mehr.

Ich hatte bei meinen Überlegungen zu Schritt 2 der Rettung "Regulierung" schonmal ein paar Überlegungen in die Diskussion geworfen. (Schritt 1 war übrigens "Verhinderung der Kernschmelze"). Ich finde, dass Schritt 2 in der öffentlichen Diskussion viel zu kurz kommt. Aber es kostet halt keinen schlagzeilenträchtigen Milliarden und man kann sich nicht aufregen, sondern muss wenigstens ansatzweise Ahnung haben.

U.a. müsste es dabei um neue Eigenkapitalrichtlinien für die Banken gehen. Hätte man sich vor dem Rettungspaket darüber Gedanken gemacht und z.B. einfach 8% Cash in der Bilanz gefordert und den Banken 2 Jahre Zeit dafür gegeben, wäre die Diskussion über die Teilnahme der Banken am Rettungspakt müßig gewesen. Entweder hätten sich die Banken das Geld beim Staat besorgt oder beim Aktionär. Wer die 8% nicht schafft, wird abgewickelt. Das ist aber ein Thema für ein weiteres Posting.

Glücklicherweise findet die Diskussion aber trotzdem statt. Die EZB hat z.B. gestern beschlossen, eine zentrale Regulierungsstelle für Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) zu unterstützen. Unterstützen ist dabei eine ziemlich schwache Formulierung, wie wäre es mal mit "fordern"? Eine zentrale Abwicklungsstelle würde die Transparenz im Markt auf jeden Fall schonmal deutlich erhöhen. Sie gibt einen Ansatzpunkt für die staatliche Kontrolle. Besser als alles ausserbörslich zu handeln und abzuwickeln, ist das auf jeden Fall schonmal.

Ich habe meine Gedanken zum Thema schonmal formuliert und bin dabei noch etwas radikaler. Mir geht die Idee nicht weit genug. Ich fordere nicht nur eine zentrale Abwicklungsstelle, sondern auch eine zentrale Handelsstelle. Alles was nicht in einen standardisierten Kontrakt gepackt werden kann, wird verboten. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht weiterhin eine Kreditausfallversicherung auf die Deutsche Bank, GE, Spanien, etc. abschließen kann, weil die ein so hohes Anleihevolumen haben, dass darauf auch ein liquider Börsenhandel entstehen kann. Man kann sich danach nur nicht mehr gegen alle Risiken von allen Schuldner absichern, gegen die wichtigen aber schon.

Etwas länger aufgedröselt findet man diesen Gedanken nochmal hier: Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?

Warum mir die EZB-Idee nicht weit genug geht? Wegen solcher Aussagen:
"'Wir brauchen gute PR' sagte Tim Backshall, Stratege bei Credit Derivatives in Kalifornien. "
FTD: Die große PR-Aktion für Kreditderivate

Nein, es geht um mehr als "gute PR". Es geht um die Frage, ob man die Konstrukte überhaupt braucht und wenn ja in welchem Umfang und wie das konkret abgewickelt wird. Der Öffentlichkeit ist nicht entgangen (zumindest den Lesern hier), dass die Nettosummen der CDS viel niedriger sind als die Bruttosummen. Warum das so ist, verstehen aber weiterhin wenige und scheinbar haben selbst die Kontrolleure und Regulierer das nicht wirklich verstanden.

Selbst so simple, aber grundlegende Sachen wie die Definition des "Kreditausfalls" gibt es nicht. Zumindest bei der Pleite/Übernahme von Washington Mutual wussten selbst die Experten von Trinkaus & Burckhardt nicht, ob das jetzt ein Kreditausfallereignis war oder nicht: Der CDS Markt ist riesengroß, aber kein weiss was los ist.

Und damit sich diese mangelnde Transparenz und das daraus entstehende Unverständnis legt, braucht man nicht nur PR, sondern vor allem Produktstandardisierung und öffentlichen Handel.

Ich bin keiner, der permanent nach dem Staat schreit, aber bei den CDS ist angesichts des Volumens, der Intransparenz und des völligen Fehlens eines regulatorischen Rahmens die Lage klar: Hier muss der Staat eingreifen und die Leitplanken aufstellen.

FT.COM:ECB supports central clearance for CDS

EZB-Konferenz zur Einrichtung zentraler Kontrahenten für Kreditausfallswaps (PDF!)

Update (13:22)

Die FAZ hat auch einen Artikel. Darin die gestern zum ersten Mal veröffentlichten Daten der größten Clearingstelle in den USA:
FAZ: Handel mit Kreditrisiken wird transparenter

Vorher hatte aber schon Paul Kedrosky die Daten: Top 20 CDS by Net Exposure: Italy/Spain Rule. Die Daten soll es jetzt jede Woche geben.

1 Kommentar :

  1. Sehr schöner Beitrag. Ich unterstütze Deine Forderung komplett. Es geht tatsächlich nicht nur um PR, sondern um die Transparenz und Stabilität dieses Marktes. Zu einer zentralen Abwicklungs- und Handelsstelle gehören für mich mich auch Standards, die die Käufer der CDS erfüllen müssen. Dass muss ähnlich wie bei Terminbörsen geregelt werden.

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