Gewinnwarnungen en masse

Allein diese Woche:

BMW, Daimler, Leoni, Rheinmetall, ArcelorMittal, ... Alles Zykliker und daher weniger überraschend.

Aber die von MLP, News Corp., Cisco gestern und heute zeigen, dass der Trend viel breiter ist als manche das vor wenigen Wochen noch vorhergesagt haben.

Für mich kommt das aber wenig überraschend. Nicht weil ich so schlau bin und alles besser weiss, sondern weil ich gerne in die Vergangenheit schaue. Ich habe schon 2007 gebetsmühlenartig wiederholt, dass die inverse Zinsstruktur DAS einzige wirklich gute Warnzeichen für einen Abschwung darstellt. Aber damals war alles anders. Was bekanntlich die teuersten Worte an der Börse sind ...

Also ein guter Anlass für etwas historischen Kontext und ein Blick in die Vergangenheit.

a) Die Summe aller Ergebnisse der S&P500 Aktien:



Man erkennt sofort, dass die Gewinne um einen langfristigen Trend schwanken. Trotz der gefühlten massiven Rückschläge waren die Gewinne im 3. Quartal noch deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Den Optimisten wird das beglücken, ich gehe aber eher davon aus, dass wir wie in jedem Abschwung noch unter den langfristigen Trend gehen. Wenn die Gewinne für den S&P 500 auf 40 Dollar fallen sollten, wäre das nicht überraschend. Das wäre ein Rückgang von etwa 50% vom Top und damit zwar mehr als normal, aber weniger als in richtig schlimmen Zeiten (in der Weltwirtschaftskrise gab es 75% Rückgang).

Dass die Gewinn zurückgehen, ist auch nicht überraschend. Die Gesamtrendite der US-Firmen lag 2007 bei etwa 8%. Das ist ziemlich genau die Gegend, wo die Renditen dann wieder nach unten wegkippen (ich finde die Grafik leider nicht wieder). Solange der Wettbewerb noch halbwegs funktioniert, steigen die Renditen nicht deutlich über 8%. Das hat die Analysten aber nicht davon abgehalten, die Gewinnprognosen für 2008 und 2009 um weitere 15 bzw. 10% zu erhöhen. Weil man irgendwie immer steigende Gewinne vorhersagt und sich die entscheidende Frage niemand stellt: Warum sollte die US-Wirtschaft eine Rendite erwirtschaften, die sie noch nie zuvor erreicht hat.



Gut, jetzt kann man vermuten, dass dieser Rückgang der Gewinne bereits durch die gesunkenen Aktienkurse eingepreist wird. Das sieht aber nicht so aus. Die KGVs sind immer noch überdurchschnittlich hoch. Das mag sich durch die niedrigen Leitzinsen relativieren (niedrige Zinsen = höheres KGV), aber so wirklich billig sind Aktien noch nicht.

Was mich allerdings optimistisch macht: Die Aktienkurse drehen zeitlich weit vor den Gewinnen nach oben. Mich würde daher interessieren, wie viel des Gewinnrückgangs schon in den Kursen steckt. Erwartet der Konsens für den S&P500 für 2009 noch 60 Dollar, 50 Dollar oder 40 Dollar Gewinn? Hat jemand diese Zahl? Als ich letztes Mal geschaut habe, lag die Gewinnschätzung für 2009 ÜBER der für 2008. Das war definitiv zu viel Optimismus.

Infectious Greed: S&P 500 EPS Over Time

Grafiken aus:
Crestmont Research: Stock PE Report

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