Rettungsplan hoch 2 vor der Tür?

Ich hatte mich gestern schon gefragt, ob denn die 750 Mrd. Dollar für den Rettungsplan wohl ausreichen werden, nachdem 1800(!) Banken über eine Teilnahme am Plan nachdenken (Die Liste aller US-Banken mit Staatshilfe).

Heute wird die Nachricht aber noch eine Nummer schärfer. Dem Wall Street Journal zufolge denkt das Finanzministerium darüber nach, das Rettungsprogramm deutlich auszudehnen. Nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen, Spezialfinanzierer (Autobanken wie GMAC von GM oder Leasing bei GE) und auch Kreditversicherer dürften dann auf den Rettungspool zugreifen. Insbesondere die Kreditversicherer MBIA und Ambac haben ohne staatliche Hilfe eh keine Überlebenschance angesichts der drastisch sinkenden Kreditqualität der Schuldner.

Wie die inzwischen mehr als 100 Mrd Staatshilfen für die AIG zeigen, dürfte man in diesem Fall mit den 250 Mrd. Dollar nicht weit kommen. Nimmt man dafür den Rest der 700 Mrd. Dollar, bleibt für den ursprünglich geplanten Kauf des Giftmülls aus den Bilanzen kein Geld mehr.

Nicht falsch verstehen: Die Stärkung des Eigenkapital ist viel sinnvoller als auf der anderen Seite der Bilanz den Schrott abzukaufen (siehe: USA wollen sich direkt an Banken beteiligen: Gut so.).

Damit wird ein weiteres Programm für den Giftmüll fällig. Und wenn das beschlossen ist, braucht man auch noch irgendwas, um insbesondere den Immobilienmarkt wieder in Schwung zu bringen. Wenn dort die Preise nochmal 20% sinken, wird das einen Haufen zusätzlicher Abschreibungen nach sich ziehen und damit Bedarf für einen Rettungsplan 2.0 schaffen.

IMHO haben die bisherigen Maßnahmen "nur" die Kernschmelze des gesamten Finanzsystems verhindert. Die Geschwindigkeit des Sinkflugs hat so immerhin nicht zugenommen, ein Sinkflug ist das aber weiterhin. Und bei diesem Sinkflug ist die Gefahr einer Abwärtsspirale nicht ausgeschlossen.

Reuters Zusammenfassung: US weighs purchasing stakes in more financial firms- WSJ

WSJ: U.S. Weighs Purchasing Stakes in More Firms (nur für Abonnenten)

Kommentare :

  1. Die Amis haben ja Ihren Heli-Ben und Hankie Pankie. Der Staatsbankrott ist spätestens für den Sommer 2009 avisiert (GEAB Oktober-Ausgabe). Ist ja süß noch ein Rettungsplan, noch mehr Milliarden oder mehr Billionen oder sogar Mellonen. Wer soll das den bezahlen? Neoliberaler Irrsinn ist das und nichts anderes. Aus dem Rettungspaket wurden ja zunächst mal die Boni für die ach so tollen Investmentbanker bezahlt. Wird Zeit das der amerikanische Bürger aufwacht und die französische Revolution ausruft.

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  2. Die Amis haben ein Staatsdefizit von etwa 60 bis 70% des BIPs. Das ist in der Ecke wo auch Deutschland liegt. Nimmt man die Sozialsysteme in die Rechnung auf, ist die Verschuldung in Deutschland viel höher. Eigentlich müsste wir also eher Pleitegehen. Wird aber auch (so schnell) nicht passieren, weil die Staatsverschuldung in den USA bei einem historischen Rückblick auch schon häufiger DEUTLICH höher war und die USA trotzdem nicht Pleitegingen.

    Außerdem wird es eh keinen Staatsbankrott geben, weil das Schuldenproblem weginflationiert werden kann. Man sollte sich IMHO mehr Gedanken über die Inflation machen (muss man eh immer) als über einen Staatbankrott.

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  3. Ich glaube auch nicht, dass die Amis pleite gehen. Damit es soweit kommt, müssten u.a. die ganzen Gläubigerstaaten (GB, China, Japen, Russland,Golfstaat,...) den Amis kein Geld mehr leihen oder ihre Gelder abziehen. Wenn sie das tun, würden sie auch mit Untergehen und das wissen sie ganz genau...

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  4. Als wenn irgendwo irgendwann irgendwer einmal gleich zu Beginn die richtige Summe sagen würde. Es wird den Bürgern anfangs eine gerade noch so akzeptierbare Zahl mitgeteilt und dort verankert, die weiteren Erhöhungen werden schon nicht mehr so beachtet, und keiner regt sich auf. Was soll's.

    Und das Maßnahmenpaket wird noch mehr ausgeweitet werden. Ich denke, nicht nur die Autobauer, sondern auch andere, wie z.B. der Hersteller von Luxusyachten Brunswick (BC) wird einen Bail Out bekommen. Seht Euch nur den Chart an.

    Habt Ihr schn Gold?

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  5. @m106: Genauso ist es

    @Olaf: Gold hatte ich schon immer. Physisch natürlich. Und in der Hoffnung, dass man es nie braucht und vererben kann.

    Und naja die Wahrheit sagen? Von Anfang an? Politiker? Näh, nicht im Traum. Außerdem wissen die es doch selber nicht. Wenn die vorher geahnt hätten, was die mit der Pleite von Lehman ausgelöst haben, wäre Lehman gerettet worden. Damals hätten 10 Mrd Dollar und neue Buchhaltungsrichtlinien u.U. noch gereicht und man hätte 700 Mrd. für den Immobilienmarkt gehabt.

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  6. O_o Geht Olaf unter die Bären?

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  7. Das ist doch eh ein alter Shortie. Also einer von denen, die alles Shuld sind. Fallende Kurse, steigende Kurse, Weltwirtschaftkrisen, etc. pp.

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  8. @egghat: Sorry für die penetrante Eigenwerbung mit den Links.

    @m106

    Nee, zu einem Bären mutierte ich, als die Kurse nach oben scheinbar keine Grenzen kannten:

    Wochenrückblick 2007-KW39

    "Die Aktienmärkte befinden sich im “topping out” und im Übergang in einen Bärenmarkt. Das ist auch in den Charts weiter unten zu sehen. Diese Gruppe hat ihr Pulver verschossen: billiges Geld durch Kredite an Privatpersonen, Hedge Fonds, Übernahmen auf Pump durch Private Equity Firmen zu Höchstkursen, Aktienrückkaufprogramme auf Pump zu Höchstkursen, etc." (21.10.2007)
    Wochenrückblick 2007 KW42

    Wochenrückblick 2007 KW45

    Im Juni 2008 schrieb ich:
    Sollte diese Unterstützung durchbrochen werden - was nicht ganz unwahrscheinlich ist - so werden wir den Dow Jones sehr schnell, d.h. in der ersten Juliwoche, bei der “runden” Marke von 11000 Punkten antreffen. Dort dürfte die zweite große Verkaufswelle des aktuellen Bärenmarktes beendet sein und man kann auf Sicht von wenigen Wochen vorsichtig long gehen. Die dritte Verkaufswelle erwarte ich dann im frühen Herbst mit Kursziel 10000 Punkte.
    Stunde der Wahrheit: Dow Jones Anfang Juli bei 11000 Punkten (22.6.2008)

    Das Timing war ganz gut, nur ging es runter bis auf 8000 Punkte. Aber seitdem bin ich wieder recht bullish gestimmt: Wann ist der Boden erreicht? (5.10.2008)

    "Das derzeit vorherrschende Problem ist eigentlich “nur” der eingefrorene Kreditring zwischen den Banken, d.h. dass keine Bank einer anderen mehr etwas leiht, aus Angst, das Geld nie wieder zu sehen. Wenn dieser nicht langsam wieder in Fahrt kommt, wird es zum Super-GAU kommen, einem weltweiten Sturm von Pivatanlegern auf die Banken. Das wissen natürlich auch die beteiligten Finanzminister, Zentralbanken, und alle anderen Finanzinstitute. Ich gehe davon aus, dass alsbald eine konzertierte Aktion der genannten Institutionen statt finden wird, in der die Zentralbanken der G20 volle Garantien für den kurzfristigen Interbankenmarkt übernehmen. Genau das wird die Geburtsstunde des nächsten Bullenmarktes sein."

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  9. Als Stammleser deines Blogs kenne ich natürlich diese Posts und rechne auch deinen Prognosen einen hohen Wert zu *micheinschleim*

    Mich verwundert nur deine Frage "Habt ihr schon Gold?"

    Klingt für mich so, als würdest du etwas schlimmees erwarten...

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  10. Ich rechne mit einer hohen Inflation. Warte mal ab, bis sich die Lage beruhigt, und die von den Notenbanken frisch gedruckten Fantastilliarden USD und EUR an die Arbeit geschickt werden.

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  11. Ich kann Olaf nur zustimmen. Die Notenbanken haben bisher IMMER versagt, wenn es galt, das zur Stimulierung in die Wirtschaft gepumpte Geld rechtzeitig wieder abzuziehen. Und das Problem hat diesmal ein nie gekanntes Ausmaß.

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  12. Ich bin gespalten. Ich denke, dass wir im Moment in einer Phase dessen sind, was man allgemein als "Vermögensdeflation" bezeichnet. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Verantwortlichen das Szenario eines direkten Switches in eine starke Inflation ernst genug nehmen - da die Wertverluste durch die Immobilienkrise & ihre Folgen so hoch sind, könnten wir durch das von weissgarnix beschriebene Anschmeißen der Druckerpresse direkt dorthin gelangen, sowohl in der Dollar- als auch in der Euro-Zone.

    Dazu kommt die Frage, ob China nicht inflationslindern eingreift, wenn dem Dollar tatsächlich eine massive Abwertung droht, schon allein, um ihre Reserven und den Export zu stützen.

    Und, um am Ende noch ein komplett neues Fass aufzumachen: Ist das das Ende des amerikanischen Libertarismus oder der Beginn seiner Wiedergeburt in Form einer möglichen Gegenbewegung?

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