Zahl des Tages (19.11.08): 0,06

Rendite der 90-Tages-US-T-Bills:

0,06%

Kurz: Nichts. Da kann ich auch das Geld auch direkt unter das Kopfkissen legen, nach Transaktionskosten dürfte das sogar besser sein ...

Kaum eine Zahl spiegelt die Flucht in Qualität und die extreme Risikoscheu der Anleger besser wieder ...

Kommentare :

  1. Bei einer Kongressanhörung haben Zeugen laut Spiegel ausgesagt, dass die Kontrollmacht der amerikanischen Börsenaufsicht SEC gering und obendrein lax ausgeführt gewesen sei. Die Zahl der Mitarbeiter in der Abteilung für Riskomanagement sei ständig reduziert worden, von hundert bis am Ende auf einen einzigen. Dieser eine Mitarbeiter habe, unter anderem, die Risiken im Auge behalten sollen, die im gewaltigen Universum der Credit Default Swaps entstanden waren, in dem in Tausenden Einzelverträgen Billionen bewegt wurden.

    Der einstige Chefbuchhalter der SEC habe bestätigt, dass es eine systematische Entvölkerung in der Regulierungsabteilung gegeben habe, so dass es überhaupt nicht zu einer Regulierung kommen konnte. Verantwortlich für die Personalkürzungen war das Office of Management and Budget. Dieses Office habe die Zahl der Aufsichtsbeamten genau in der Phase zusammen gestrichen, in der Goldman Sachs unter seinem damaligen Chef Henry Paulson, dem heutigen Finanzminister der USA, in grossem Stil das Geschäft mit Verbriefungen an der Wall Street betrieb. Und der Direktor des Office war Joshua Bolten - ein ehemaliger Angestellter von Goldman Sachs.

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  2. Stellt Euch einfach vor, es hat diese 20 Bill. Dollar Wertvernichtung nie gegeben, weil es nie eine entsprechende Wertschöpfung gab. Es war nur ein Buchhaltungsfehler. Der wird jetzt korrigiert. Nichts weiter!

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  3. @BB:

    Das Problem ist einfach: Man kann da nicht einfach 20 Billionen wegstreichen. Jede Billion, die wegfällt, zieht Multiplikatoreffekte nach sich. Diese Multiplikatoreffekte gibt es im Aufschwung wie im Abschwung. Sie sind nur im Abschwung schlimmer, weil der schneller stattfindet. Deshalb ist es auch so schwierig den Abschwung zu stoppen ...

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  4. @Stefan: Joh, das sagt der Markt. Eigentlich schon ein Wunder bei 4% Inflation!

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  5. @egghat. So schlau bin ich natürlich auch. Aber ich finde, man kann das nicht genug betonen, dass nämlich vorher keine Werte geschaffen wurden, somit auch keine Werte vernichtet wurden. Dann sind die Leute beim nächsten mal schlauer und lassen sich eben keine "Luftbuchwerte" mehr andrehen.

    Außerdem habe ich persönlich auch nichts gegen Deflation, vor allem, wenn diese überwiegend die Korrektur von Luftbuchungen widerspiegelt.

    Nur mal ein Beispiel: Konservative Politiker und dumme Journalisten machen den Wirtschafterfolg in einer Region immer gerne an den steigenden Immobilienpreisen fest. Das führte dazu, dass mittlerweile Immo-preise in den Augen der Allgemeinheit immer steigen müssen. Wenn Immo-preise aber mal sinken, wie z.B. jetzt, wird sofort die Katastrophe ausgerufen. Dafür sorgt schon die Immo-Lobby. Es ergeben sich aber für viele Unternehmer neue Kalkulationen und damit neue Geschäftsmodelle, welche zu mehr Arbeitsplätzen führen können, etc.

    Natürlich ist die Plötzlichkeit einer solchen Entwicklung ein Problem. Aber es ist einfach Unsinn:
    1. von Vernichtung von Werten bei Börsenverlusten zu sprechen
    2. die Deflation grundsätzlich zu verteufeln.

    Ich halte gar nichts von Lehrmeinungen von Wirtschaftswissenchaftlern und auch nichts von der Wirtschaftskompetenz von Journalisten. Für mich sind erstere gar keine Wissenschaftler. Schon weil sie ihre Theorien nie bewiesen haben und aufgrund der Besonderheiten ihres Fachs auch nie beweisen können. Jede Diskussion auf Basis von deren Vokabular ist reines Kaffesatzlesen.

    (Struck hat recht: Wirtschaftweise abschaffen!)

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  6. Ach so und nochwas: Ist jemandem eigentlich schon aufgefallen, wie lange nicht mehr über Arbeitszeitverkürzung in der Öffentlichkeit diskutiert wurde?

    Die Autohalden, die jetzt überall auf der Welt stehen, sind der "wertlose" Gegenwert der Arbeitszeitverlängerungen der letzten Jahre!

    Wer jetzt jammert, dass die Arbeitslosenzahlen steigen, dem kann man leicht entgegen: Bei Arbeitszeitverkürzung und vernünftigem Konsum (z.B. von Autos) wäre das nicht passiert.

    Eine der erstaunlichesten "Zahlen des Tages" in der Krise war für mich, dass aufgrund des Spekulationspeaks beim Ölpreis der Absatz von Benzin in den USA fast von einem auf den anderen Tag um 30 Prozent gesunken ist. Es geht also! Und es braucht gar nicht viel dazu!

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  7. Ein Punkt, bei dem ich nicht übereinstimme: Die virtuellen Werte sind nicht nur virtuell.

    Wer ein Aktiendepot für die Altersvorsorge hat, schaut drauf. Und wenn das bei einer angenommenen Verzinsung von 6% im Sommer 2007 eine lebenslange Rente von 2000 Dollar im Monat gebracht hat und heute nur noch 1000 Dollar, ist das ziemlich reell, dass der Besitzer ein Problem hat (das sich nur durch Sparen lösen lässt).

    Genauso sind die "virtuellen" Werte die Immobilien für Kredit hinterlegt. Jaja, aus deutscher Sicht kaum vorstellbar, aber die Amis haben wirklich mit steigenden Immobilienpreisen die Konsumkredit erhöht. Stichwort MEW.

    Und das ganze Geld fehlt jetzt. Das ist nicht alles virtuelles Buchgeld.

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  8. Das ein USA-Rentner jetzt "reale" Probleme hat, ist doch klar. Aber deswegen muss doch sein Aktiendepot noch keine "realen" Werte enthalten. Da versteh ich Deine Argumentation jetzt nicht. Bei einem Umlageverfahren würde der Rentner dagegen am "realen" produktiven Output teilnehmen. Aber bei Aktiendepots ist doch die sehr Gefahr groß, dass er nur spekulative Buchwerte gekauft hat ohne Substanz.

    Und wer sein Kreditvolumen auf Basis spekulativer Immobilienpreise erhöht, finanziert seinen Konsum letztendlich von der "realen" Wertschöpfung im Ausland, produziert aber nichts im eigenen Land. Auch hier wieder: Wir und mehr noch die Chinesen rödeln wie die bekloppten zu niedrigen Löhnen und verlängerten Arbeitszeiten, um die Amis mit eigenen Exportüberschüssen zu verwöhnen. Die wiederum entziehen sich ihrer Zahlungsverpflichtung durch Verkauf ihrer Luft-Derivate an uns mit anschließender Pleite und seit längerem schon durch Abwertung ihrer Währung (auch wenn der Dollar gerade wieder etwas steigt). Wäre doch besser, die Amis würden ihre Rentner per Umlagefinanzierung am eigenen produktiven Output beteiligen und wir würden unseren Export selbst konsumieren und hätte vielleicht mehr Freizeit.

    Na ja, diese Denke und vor allem die daraus resultierenden Konsequenzen (würden jetzt hier zu weit führen) entsprechen halt nicht dem wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream. Die meisten können halt nur in vorgegebenen Schienen denken. Deshalb haben viele Schwierigkeiten, solche Argumente überhaupt wahrzunehmen und halten sie für unrealistische Spinnerei. Aber deren Zeit wird kommen. Ziemlich bald sogar, wenn nämlich erkennbar wird, dass die zur Zeit hochgelobten Rettungsmaßnahmen nur verzögern statt zu lösen. Dauert halt noch ein paar Jahre.

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