Fehlprognose des Jahres

Langsam beginnen die Jahresrückblicke, Top10-Listen, etc. pp.

Ich muss mal schauen, was ich davon mitmache ... Listen-Zusammenstellung ist ja was sehr Aufwändiges ...

Aber die Fehlprognose des Jahres will ich auch jeden Fall bringen:

22. August 2008 in der FAZ: Klaus Wellershoff, Chef-Volkswirt der UBS.

Die FAZ fragt, ob Wellershoff auch so pessimistisch für Deutschland sei. Die Antwort:

"Hier ist die Ausgangslage anders. An den Immobilienmärkten kam es zu keinen Übertreibungen. Zugleich ging Ende der neunziger Jahre die D-Mark eigentlich zu stark in den Euro-Verbund. Statt über den Scheinvorteil der Wechselkurse verbesserte der Exportweltmeister seine internationale Wettbewerbsposition durch Lohnzurückhaltung. Das zahlt sich jetzt aus. Deutschland bleibt im Export stark und kann die Konsumzurückhaltung mit den Inlandsinvestitionen ausgleichen. Von den großen Wirtschaftsnationen auf der Welt werden daher nur China und Deutschland der Rezession entkommen."


Hmmm hmmm hmmm. Inzwischen rechnen selbst Berufsoptimisten aus der Politikerklasse mit insgesamt 3% Minus.

Wellershoff macht übrigens einen wöchentlichen Podcast. Die FAZ fragt vorsichtig, ob man denn so häufig Wellershoff brauche. Dazu Wellershoff:

Unser Ansatzpunkt lautet: Was bewegt aller Voraussicht nach die Märkte in der kommenden Woche? Im Mittelpunkt steht das Bemühen um intelligente Kommentierung. Dabei kann ich auf die Expertise unserer 200 Analysten in 13 Ländern, aber auch auf externe Fachleute in den Bereichen Außen- und Sicherheitspolitik zurückgreifen.


Und am Ende gibt es Prognosen wie die oben genannte. Ich kann verzichten. Die Expertise der Blogosphäre scheint mir zu besseren Ergebnissen zu führen. Im August, als viele Frühindikatoren schon im freien Fall waren UND Deutschland schon das erste Quartal mit negativem Wachstum hinter sich hatte, stellt der sich hin und sagt: Alles in Butter. Und die Begründung ist noch schlimmer: OK, die ganze Welt steckt in der Rezession, aber das wird dem Exportweltmeister Deutschland doch nix ausmachen.


Seltsam.

Das Interview:
FAZ: Im Gespräch: Klaus Wellershoff: „Deutschland entkommt der Rezession"

Und meine Skepsis ist nicht nur nachträglich: Deutschland entkommt der Rezession (?)

Kommentare :

  1. Diese sog. "Chef-Volkswirte" sind die größten Labertaschen überhaupt. Leider werden sie viel zu oft interviewt und zitiert.

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  2. Das finde ich auch. Aber genau deshalb muss man die auch kritisieren. Immerhin sind das nicht selten die Berater der politischen Klasse.

    D.h. die geben vor zu wissen, wie hoch die Steuern sein müssen, wie viel ein Hartz IVler braucht, etc. pp. Und die Politiker hören dann darauf.

    Dabei können die nicht einmal 2 Monate in die Zukunft schauen ... Und sich im August, nach immerhin schon monatelang sinkenden ZEW und ifo-Indizes auch eine sinkende Konjunktur vorstellen ...

    Das ist schon schwach!

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