Wie viel ist durch den Einlagensicherungsfonds sicher?

Nur ein schneller Hinweis zum Einlagensicherungsfonds:

Die FAZ hat die Liste: FAZ: Wie viel gibt es im Ernstfall?

Wer sich schon immer gefragt hat, bei welcher Bank wieviel Geld auf dem Konto versichert ist, kann das in der Grafik im Artikel nachlesen. (Wenn jemand nicht schlafen kann, kann er es gerne abtippen und im Kommentar hinterlassen. Ich packe das dann morgen in diesen Artikel, damit arme Sparer das "ergoogeln" können. Die Abfrage der Daten kann man beim Bundesverband Deutscher Banken nämlich nur gegen Abgabe der E-Mail-Adresse machen. Das scheint irgendwie ziemlich geheim zu sein ...

Die Summen sind bei den deutschen Banken aberwitzig hoch. Bei der Volkswagen Bank würden vier Kunden, die an die Maximalgrenze (1,1 Mrd. Euro) stoßen, ausreichen, um den Sicherungsfonds komplett zu leeren (4,6 Mrd. Volumen). Wenn er nicht durch die Pleite der deutschen Lehman Tochter (die Mitglied war) eh schon leer ist ... (Lehman Pleite schwappt nach Deutschland - 14 Mrd. Schaden?).

Wer sich einbildet, dass diese Summen auch nur irgendwas zu sagen haben, irrt sich gewaltig. Es ist ausgeschlossen, dass der Einlagensicherungsfonds auch nur eine mittlere Bank auffangen kann. Über eine Commerzbank oder ähnliche Kaliber braucht man erst gar nicht anfangen nachzudenken. Da ist jedes "Ihr Geld ist sicher, weil es ist versichert" wie im FAZ-Artikel mehr Volksverdummung als Information. Die Summen sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

Das ist genauso ein Schmarrn wie die Kreditausfallversicherung auf US-Staatsanleihen. Ich halte es für fast ausgeschlossen, dass es bei einem Ausfall der USA noch eine Versicherung gibt, die die Versicherungssumme auszahlen kann. Zumindest ziemlich sicher niemand aus der westlichen Hemisphäre ...

Update (00:39)

Und noch ein Artikel der FTD dazu:
FTD: Einlagen in Deutschland am sichersten

Jaja, die 1,1 Milliarden sind sicher ...

HRE Rettung: Klar ist nur, dass nichts klar ist

Ich habe mich schon über den dreizeiligen offiziellen Text zur Rettung der Hypo Real Estate am Montagmorgen gewundert und geunkt, dass der wahrscheinlich so kurz ist, weil noch niemand weiss, was los ist ...

Und das ist noch wahrer als ich es gedacht hätte. Schlimm genug, dass in der offiziellen Textmeldung von einem Konsortialkredit des Finanzsystem geredet wurde und erst nachher herauskam, dass es nicht nur das Finanzsystem ist, sondern auch der Staat. Dann sickerten die Summen durch und dann auch, dass es eine zweite Stufe der Rettung gibt, für die alleine der Steuerzahler gerade stehen muss.

Ich habe meine negative Meinung zum HRE-Rettungspakt schon gepostet (35 Milliarden Unterstützung für HRE? Und 3/4 davon vom Staat!). Und damals kannte ich noch nicht die ganze Wahrheit. Und jetzt auch noch nicht, weil sich die Beteiligten nicht einigen können, was denn mit der Hypo Real Estate passieren soll. Steinbrück geht davon aus, dass sie abgewickelt wird. Die HRE selber, die BaFin und die Bundesbank wollen "eine geordnete und Substanz schonende Neustrukturierung". Hmmm. Das hört sich jetzt nicht direkt nach Abwicklung an ...

Aber es wird noch schlimmer. Die gestern genannten Summen scheinen auch nicht zu stimmen. Am Anfang hörte es sich ja nach einem Rettungspaket allein durch das Finanzsystem an. Dann wurde eine Staatsbeteiligung von 40% in ersten Welle und inklusive der zweiten von etwa 75% bekannt. Jetzt heisst es, dass die Banken nur 3 Milliarden Euro zugesagt haben und man für die restlichen 5,5 Mrd. scheinbar die Versicherungen "anschnorrt". Und wenn die sich querstellen, dann springt wahrscheinlich auch dafür noch der Steuerzahler ein ...

Ich werde das Gefühl nicht los, dass selbst die dreizeilige Pressemitteilung schon zu detailliert war. Vielleicht sollte beim nächsten Mal einfach verstaatlicht werden. Das passt in einen Satz und es ist sofort klar, wer die Zeche bezahlen muss ...

FTD: HRE droht Zerlegung und Abwicklung

Und nach eine Randnotiz, die zeigt, dass eine Verstaatlichung der HRE die richtigere (wenn auch möglicherweise nicht die beste) Lösung gewesen wäre. Allein um diesen Idioten in der Geschäftsführung rauszuwerfen ...
"Die neue Kreditlinie verwirklicht einen weitreichenden und innovativen Ansatz, mit dem wir unsere Finanzierungsstruktur so anpassen können, dass sie den derzeitigen Fehlfunktionen an den internationalen Geldmärkten gerecht wird."
Georg Funke, Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate.

Der Staatskredit ist also ein "innovativer Ansatz". Ich fass es nicht! Sorry, aber der merkt scheinbar nix mehr. Die japanischen Manager springen aus dem Fenster oder setzen sich zumindest heulend in eine Pressekonferenz und entschuldigen sich, wenn die so viel Mist gebaut haben.

Zum Schluss fragt sich die FTD noch, wann genau es eigentlich die Fehlfunktionen gegeben hat. Heute, wenn die HRE kein Geld mehr bekommt oder früher, als solche Häuser noch unreflektiert finanziert wurden ...

Lesenswerter Artikel: FTD: Hypo Real hält mit

Update (1.10.08):

Klare Ansage der FTD:
FTD: HRE - Lasst Köpfe rollen

US-Immobilienpreise fallen weiter: -17,5%

Die 17,5% gelten im Jahresvergleich von Juli 2007 zu Juli 2008. Datenquelle ist das heutige Update des Case-Shiller-Hauspreisindexes.

Vom Höhepunkt der Immobilienpreise aus beträgt das Minus nun schon fast 22%.

Die Fallgeschwindigkeit nimmt aber langsam, aber deutlich sichtbar ab. Im Februar sanken die Preisen im 6-Monatsvergleich um 12% (dem höchsten Wert), im Juli nur noch um 6%.

Damit liegt der Punkt der höchsten Fallgeschwindigkeit irgendwo um die Jahreswende. Der Höhepunkt der Preise lag damals etwa 1,5 Jahre zurück und das Minus bei den Preisen betrug etwa 15%. Wenn meine Theorie stimmt, dass die Abwärtsbewegung eine Art Sinuskurve ist, dauert das Auspendeln ab dem Höhepunkt der Fallgeschwindigkeit genauso lange und ist genau so groß wie der erste Teil der Bewegung (also 1,5 Jahre und nochmal 15%). Damit haben wir also noch gut 1 Jahr Preisverfall vor uns und müssen mit einen Preisverfall von nochmal knapp 10% rechnen.

Es besteht natürlich die Gefahr, dass die sich abschwächende Wirtschaft und die steigende Arbeitslosenzahl noch mehr Druck auf die Immobilienmärkte ausübt. Aber es gibt natürlich auch die Hoffnung auf ein staatliches Unterstützungsprogramm für den Immobilienmarkt. Aber angesichts bereits "passierter" 22%-Preisrückgang ist ein Spekulieren auf einen Gesamtrückgang von weniger als 30% nur was für Berufsoptimisten.

Die wirklich spannende Frage ist natürlich, wie viel des Preisrückgangs schon eingepreist sind und wie viel noch nicht. Aber das weiss niemand. Sicher ist nur, dass 40% oder mehr definitiv noch nicht in den Preisen stecken. Aber so schlimm kommt es hoffentlich auch nicht ...

The Big Picture: Case Shiller Index Falls 17.5% in July

Irland gibt Staatsgarantie für ALLE Einlagen bei irischen Banken

Ich meckere viel. Aber es gibt auch viele dämliche "Lösungen" in dieser Krise. Der US-Rettungspakt war dämlich und die Rettungsaktion für die HRE ebenfalls (wobei die HRE Aktion eigentlich sogar extra dämlich war; mit einer Bürgschaft Risiko zu übernehmen ohne Eigenkapital dafür zu bekommen, ist idiotisch).

Aber es gibt auch clevere Lösungen. Die AIG Rettung war eine (80% Eigenkapitalanteil gegen einen hochverzinsten Risikokredit, siehe hier: Komplett Bailout für AIG), die Staatsgarantie für die irischen Banken ist eine zweite:

Marketwatch: Ireland takes steps to safeguard its banking system

Vollständige Garantie für alle ausstehenden Schulden (und Einlagen) irischer Banken und Versicherungen durch den Staat. Die ultimative, allumfassende Bürgschaft!

Ich halte das für einen mutigen Schritt, der aber was bewirken kann. Mehr auf jeden Fall als die Staatsgarantie immer nur implizit zu ziehen, wenn eine Bank fällt. Denn so kommt Vertrauen ins System zurück. Die Banken leihen sich wieder gegenseitig Geld.

Unter der Annahme, dass die Banken nicht komplett überschuldet sind, kann eine solche Staatsgarantie dafür sorgen, dass die Banken abgesichert werden und das Vertrauen wieder da ist. Vor allem wirkt das SOFORT. Und nicht erst, wenn die Bank insolvent wird. Endlich ein Ende der Unsicherheit und schrittweisen Rettungsaktionen. Implizit wird ja doch im Fall der Fälle gerettet.

Die irische Garantie gilt zeitlich befristet für 2 Jahre. Alles andere wäre auch ein zu starker Eingriff ins System.

Die Staatsgarantie hat natürlich auch Nachteile:

a) Sie kann im Prinzip unbegrenzt teuer werden.
b) Es gibt keine "Erfolgsbeteiligung" für den Staat. Der Staat übernimmt zwar das volle Risiko, aber bekommt nichts dafür zurück (wie z.B. bei der AIG).
c) Sie ist Moral Hazard, weil alle Banken, auch die schlechten, gleich profitieren. Keiner zahlt die Strafe, weder das Management, noch die Schuldner oder Aktionäre. Ich habe aber eine andere Meinung zu Bailouts:Der Marshallplan war auch ein Bailout!
d) Sie kann den Markt deutlich verzerren (alle Banken leihen sich jetzt Geld zum niedrigst möglichen Zins, als wären sie erstklassiger Schuldner).
e) Es könnte jetzt sein, dass die Zinsen für irische Staatsanleihen steigen, weil es davon defakto mehr gibt (die Bankanleihen sind ja jetzt genau so sicher wie irische Staatsanleihen und mehr Angebot bedeutet sinkende Preise bedeutet steigende Zinsen).
f) Es könnte sein, dass durch die Staatsgarantie jetzt Unmengen an Geld in die irischen Banken strömt und dadurch der irischen Wirtschaft viel zu viel Geld zur Verfügung steht und das verzögert eine Inflation auslöst.

Die Punkte e) und f) sehe ich aber durch die zeitliche Beschränkung der Aktion als beherrschbar. Außerdem ist das Problem im Moment zu wenig Geld und nicht zu viel.

Aber die Vorteile sind immens:

a) Wenn die Banken nicht überschuldet sind, kostet die Bürgschaft keinen Cent.
b) Die Maßnahme wirkt SOFORT. Schneller als jeder Abkauf von Schrott, weil danach immer noch Schrott in den Bilanzen bleibt (wie beim Rettungspakt wie in den USA)
c) Die Maßnahme wirkt umfassend und nicht nur für einige wenige Auserwählte.
d) Die Maßnahme setzt da an, wo es jetzt die wirklichen Probleme gibt: Bei der Refinanzierung des Finanzsystems. Dazu noch ein Link auf einen Artikel, in dem genau dieses Problem identifiziert wird und eine Staatsgarantie als Lösung vorgeschlagen wird: Bronte Capital: The end-goal of any bailout or government takeover.

Ich bin der Auffassung, dass wir an einem Punkt angekommen sind, an dem nicht mehr nur die schlechten Banken Probleme bekommen, sondern so langsam auch die Banken mittlerer und guter Qualität. Und das ist dann wirklich bedrohlich.

Ich halte der irischen Vorschlag für das Beste, was eine Regierung bisher im Kampf gegen die Krise unternommen hat. Ich schließe aber nicht aus, dass ich mich irre. Womöglich ist eine temporäre Verstaatlichung noch besser. Aber das Stückwerk, das Deutschland produziert, ist auf jeden Fall schlechter!

(ihr dürft das gerne yiggen, wenn ihr die Idee auch gut findet)

FTD: Irland springt für Einlagen der Banken ein

FR: Irland bürgt für seine Banken

Update (1.10.08):

Eine wichtige Information: Die Versicherung des irischen Staates ist NICHT kostenlos. Wie hoch die ist, weiss man aber auch noch nicht. Sollte die Versicherung so teuer sein, wie die aktuellen Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherung), würde das mehr als den gesamten Gewinn der Banken auffressen. Das kann es also nicht sein.

Und noch ein paar Zahlennuggets:

Die Garantie ist fast 92.000 Euro pro Iren wert, beträgt mehr als das Zweifache des BIPs und das 7,5-fache des irischen Staatshaushalts.

FT Alphaville: Ireland’s gamble

Die Wurzeln der US-Immobilienkrise liegen hier: in 1999

1999 hat Fannie Mae unter politischem Druck (Clinton!) die Kreditvergaberegeln aufgeweicht und Hypotheken auch an Familien vergeben, die sich damals eigentlich schon kein Haus hätten leisten können. Und erst Recht nicht zu den explodierenden Preisen nachher.

Und es gab schon damals warnende Stimmen. Nicht nur das Risiko wurde gesehen
Fannie Mae is taking on significantly more risk [...] (and) may run into trouble in an economic downturn, [...]
sondern auch das Ende. Peter Wallison:
"If they [Fannie und Freddie] fail, the government will have to step up and bail them out the way it stepped up and bailed out the thrift industry."
Schlimmer wurde das Ganze noch, als Greenspan die Zinsen nach 9/11 und dem Platzen der Internetblase auf 1% senkte und damit noch mehr Leute Zugang zu noch billigeren Krediten bekamen. Und sich dann immer größere und teurere Häuser gekauft haben, die sie sich erst recht nicht leisten konnten.

Ich bin froh, dass ich den Artikel gerade gefunden habe, weil ich nun endlich belegen kann, dass die Immobilienblase maßgeblich durch die Politik verursacht wurde. Die Verbriefung, die No-Doc-Loans, etc.pp. (sprich die Wall Street) haben die Krise schlimmer gemacht, aber ohne durch die politisch gewollte gewollte Aufweichung der Kreditvergaberegeln wäre die Blase womöglich nie entstanden.

NYT: Fannie Mae Eases Credit To Aid Mortgage Lending (vom 30.09.1999)

gefunden über: Techcrunch: How The U.S. Government Engineered The Current Economic Crisis

Und zum Thema passt natürlich auch Greenspans (damals Fed-Chef) Meinung, dass variabel verzinste Hypotheken eine tolle Erfindung seien. Details in einem älteren Artikel von mir: Alan Greenspan und seine Prognosen (immer noch schön: Seine Prognose aus dem Oktober 2006 , dass die US-Immobilienpreise am Boden angekommen seien ...)

"Gold ist für Optimisten, Realisten kaufen Konserven."

OK, den Artikel gab es schonmal:

"Gold ist für Optimisten, Realisten kaufen Konserven."

Aber der muss nochmal kommen. Denn die einzige Aktie im S&P 500, die gestern im Plus geschlossen hat, war ...

Campbell Soup


Zufall?

FT Alphaville: Buy tinned food

Lust auf mehr Sprüche? Klassische Sprüche zur Börse ...

Der CDS Markt ist riesengroß, aber kein weiss was los ist

Ich zitiere mal aus dem heutigen "Märkte am Morgen" (PDF!) von Trinkaus & Burckhardt:

Die gestrige Finanzmarktkatastrophe brachte glücklicherweise für Gläubiger von
Covered Bonds mehr gute als schlechte Nachrichten. Bereits als Erfolgsmeldung
muss gewertet werden, dass die Zinskupons von Washington Mutual Covered Bonds
(die für die 2011 und 2016 fällige Anleihe bezahlt werden mussten) ausbezahlt wur-
den. Nicht ganz auszuschließen war am Freitag ein „technischer Default“ durch eine
verspätete Kuponzahlung. JP Morgan Chase hat nun Verantwortung für das Covered
Bond Programm übernommen. Da aber u. E. trotzdem das Ereignis eines „Mortgage
Bond Issuer Default“ eintrat (da die FDIC als „Receiver“ bestellt wurde), steht JP
Morgan u. E. nun die Option offen, die Anleihen auch vorzeitig auszubezahlen. Wir
vermuten, dass kein Investor dagegen Einspruch einlegen würde. Eine Ausübung
der Option durch JP Morgan ist in unseren Augen aber unwahrscheinlich. Die Ver-
staatlichung von Bradford & Bingley verhieß zunächst am Morgen (Quelle: FSA),
dass die Covered Bonds durch den Staat, ähnlich wie bei Northern Rock, nicht ga-
rantiert sind. Der Eigner von Bradford & Bingley wird der Staat, der an Abbey National die Einlagen in Höhe von 14 Mrd. GBP abtritt. Hierfür werden 4 Mrd. GBP sofort bezahlt, zudem sollen aus dem Verkauf der Assets 10 Mrd. GBP erlöst werden, auf deren Summe Abbey National einen Anspruch hat. Am Abend änderte HM Treasury das Statement der FSA vom Morgen in einem nicht unwesentlichen Punkt: Neben den unbesicherten Anleihen sind auch die Positionen in Covered Bonds vom 28.09.2008 garantiert. Wir interpretieren aber die Übernahme von Bradford & Bingley in einem Punkt anders als bei der von Northern Rock: Gemäß Punkt 8 des FSA-Statements verfehlte Bradford & Bingley aufsichtsrechtliche Anforderungen und wurde deshalb verstaatlicht, was durchaus ein „Credit-Event“ für CDS bedeuten kann.

Da gibt es einen Markt für Kreditausfallversicherungen und direkt bei zwei der Fälle der letzten Tage (Bradford & Bingley und Washington Mutual) weiss keiner so wirklich, ob der Versicherungsfall nun eingetreten ist oder nicht. Klar, es wird immer Grauzonen geben. Aber ein Markt, der mit 54 Billionen Dollar größer ist als die BIPs aller Länder der Welt zusammen, sollte doch wohl etwas klarer geregelt sein ...

(siehe auch: Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?))

Belgische Dexia gerettet. Mit 6,5 Mrd Euro

Ich bleibe bei meinen positivistischen Überschriften. In der Tradition der Mainstreampresse behaupte ich heute Nachmittag wahrscheinlich sogar noch, dass der Einlagensicherungsfonds Sicherheit bietet ...

Dexia wurde gestern angeschossen (zwischendrin ging es um ein Drittel runter). Das ist eigentlich eine Bank, die noch am Donnerstag als stocksolide durchgegangen wäre:

Tier 1 Eigenkapitalquote: 11,4%
Rating: Aa1, AA, AA+ (sprich sehr gut)

Das Problem: Dexia finanziert sich ziemlich kurzfristig. Wie die HRE auch, bei der 90% der Kredite, die von Banken kommen, nur 1 Jahr oder kürzer laufen. Und der Markt für kurzfristige Finanzierungen war schon lange ausgetrocknet (so Saharamäßig mit einigen Oasen), seit der Lehman Pleite ist es aber eine Namib oder eine Atacama. Pulvertrocken.

Die Spekulanten machen jetzt nur noch eins: Man suche sich eine Bank, die möglichst kurzfristig finanziert ist und dann weg weg weg mit den Aktien. Yes, that's called Panic.

Übrigens war die Dexia auch vor ein paar Monaten schonmal kurz im Rampenlicht als alle über die Pleite der Kreditversicherer diskutierten (die als obskure Randnotiz der Krise immer noch ausgeblieben ist). Die Dexia hat nämlich auch eine Kreditversicherungstochter namens FSA. Die Nachricht damals:
Jetzt auch in Europa: Kreditversicherer wackelt

FT Alphaville: Dexia rescued

Update (11:35):

Noch eine deutschsprachige Quelle:

FTD: Regierungen pumpen Milliarden in Dexia
FAZ: Dexia-Bank erhält Milliarden-Finanzspritze

Lehman Vermögensverwaltungstochter verschenkt

Naja, nicht ganz. Für nur 2,15 Milliarden geht die Lehman Vermögensverwaltungstochter Neuberger Berman an zwei Private Equity Fonds von Bain Capital und Hellman & Friedman.

Ja, das ist die Tochter, die vor wenigen Wochen noch auf einen Wert von mindestens 7 Mrd. geschätzt wurde (For Lehman Brothers, It's Time to Put Up). Die Schätzungen gingen auch bis auf 10 Mrd. hoch. Erst im August hat Lehman einen Verkauf für 7 Mrd. abgelehnt. Der Preis wäre zu niedrig.

Ich will jetzt nicht unken, aber wenn die Vermögensgegenstände in den Bilanzen der anderen Banken genausoviel wert sind, wie bei Lehman (also auf 7 Mrd. in wenigen Wochen 2 ,1 werden, dann mal Gute Nacht).

Marketwatch: Neuberger Berman sold to private equity

Marketwatch: Three firms in race for Lehman business: report

Update (14:39)

Noch eine Quelle zu den BEwertungen von Neuberger Berman, nur damit niemand denkt, ich hätte mir die ausgedacht ...
Neuberger Berman, based on comparisons with other asset management firms, is valued at $6.5 billion by Standard & Poor's equity research and $13 billion by Ladenburg Thalmann & Co. The business is worth $8 billion according to Fox-Pitt Kelton Cochran Caronia Waller. Hintz, a former chief financial officer at Lehman who rates Lehman shares “market perform,” estimates the unit’s value at $7 billion.

Naked Shorts: Shamans of the Day

Morgan Stanley verkauft 21% an Mitsubishi UFJ

So, die Diskussion ist auch (vorerst) beendet.

Mitsubishi UFJ steigt mit 21% bei einer der beiden 2 verbleibenden Investmentbanken Morgan Stanley ein (die aber eigentlich keine mehr ist).

Mitsubishi UFJ kauft für 3 Mrd. Dollar Stammaktien (Kaufpreis 25,25, Kurs heute etwa 20) und für 6 Mrd. Dollar Vorzugsaktien. Letztere verzinsen sich mit 10% und können zu 31,25 in Stammaktien umgetauscht werden Das ist natürlich wie beim Buffet Einstieg bei Goldman Sachs ein Zins, der einer Junkanleihe entspricht.

FTD: Japaner stützen Morgan Stanley
Marketwatch: Mitsubishi UFJ continues U.S. buying spree

Die Welt ertrinkt in Geld ...

... und trotzdem hat keiner was ...

Die Fed schiebt 330 Mrd. Dollar zusätzlich in den Markt (620 nach 290 Mrd.) , die EZB 120 Mrd. Euro zusätzlich (240 nach 120), die englischen Notenbank, die australische ... Es werden sogar neue Möglichkeiten geschaffen, mit denen sich Banken Geld leihen können.

Und was macht der Spread zwischen "offiziellen" Geld und dem Geld, das sich die Banken untereinander leihen? Er wird immer größer und erreicht heute mit fast 400 Basispunkten ein neues Allzeithoch. Bargeld ist und bleibt also absolut rar ...

FTD: Notenbanken fluten Markt

Ich bleibe bei meiner Meinung, dass das alles Spätfolgen der Lehman Pleite sind. Seitdem ist jedem klar, dass Banken im Zweifelsfall Pleite gehen können. Und diese Angst schwebt jetzt über allen Geschäften ... (Das Vertrauen ist komplett weg ... Selbst bei Geldmarktfonds)

Bailout abgeblasen!!! Dow minus 500 Punkte! Dax -8%

US-Abgeordnetenhaus lehnt den Rettungsplan ab!

Wow!

Wow!

Wow!

Und es waren im Dow schon 700 Punkte.

Hank, wohl zu hoch gepokert.

Es lagen 1000 Vorschläge für eine SINNVOLLEN, FAIREN und DEMOKRATISCH LEGITIMIERTEN Rettungsplan auf dem Tisch. Wenn du versuchst, Gott zu werden, kann man auch scheitern ...

Ich habe den Tag in weiser Voraussicht mit Mr. Doom angefangen, jetzt wissen wir, was er meinte ...

Marketwatch: U.S. stocks hammered with doubts over rescue

Update (21:06)

Hab ich eigentlich schon gesagt, dass ich von der ganzen Bush-Administration auch auf diesem Gebiet nicht mehr und nicht weniger erwartet habe, als diese KOMPLETTE UNFÄHIGKEIT gepaart mit GRENZENLOSER ARROGANZ? Gut, dann habe ich es getan. Lag mich echt am Herzen ...

Update (21:12)

205 zu 228 Stimmen.

Wer lieber alles aus der Mainstreampresse erfahren will:
FAZ: Repräsentantenhaus lässt Rettungsplan platzen
FTD: US-Rettungsplan für Banken gescheitert

Update (21:45)

S&P 500: -8%
DAX: -9,2%

Habt ihr Geld bei der Kaupthing Bank?

Seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?

Die Kaupthing Bank war lange Zeit auf Platz 1 in der Rangliste der höchsten Zinsen auf Tagesgeldkonten.

Der Credit Default Swap sagt, dass der Markt das Kreditausfallrisiko fast genau so hoch sieht wie bei der heute von Island geretteten (= verstaatlichten) Glitnir Bank. Der Risikoaufschlag liegt bei unglaublichen 15%. Wer denen also Geld gibt für 0,5% mehr Zinsen, macht ein ziemlich schlechtes Geschäft ...

Ich kenne die Versicherungshöhe bei der Kaupthing Bank nicht, aber an die Höhe einer deutschen Bank oder Sparkasse kommt das definitiv nicht ran.

Ich wäre extrem vorsichtig!

FT Alphaville: Another nationalisation…

Update (16:20):

Bei der Kaupthing Bank sind 20.887,00 Euro zu 100% versichert. Darüber könnte es mglw. kritisch werden.

Fantasie-Accounting wieder erlaubt?!?

Der Hammer:

SEC. 132. AUTHORITY TO SUSPEND MARK-TO-MARKET ACCOUNTING.

(a) AUTHORITY.—The Securities and Exchange Commission shall have the authority under the securities laws (as such term is defined in section 3(a)(47) of the Securities Exchange Act of 1934 (15 U.S.C. 78c(a)(47)) to suspend, by rule, regulation, or order, the application of Statement Number 157 of the Financial Accounting Standards Board for any issuer (as such term is defined in section 3(a)(8) of such Act) or with respect to any class or category of transaction if the Commission determines that is necessary or appropriate in the public interest and is consistent with the protection of investors.*

Ist das jetzt wahr? Also haben die nur das Recht, dass Ansetzen des Werts zu Marktpreisen zu beenden oder ist das jetzt schon umgesetzt?

Zum Hintergrund: Man muss in seiner Bilanz den Wert jedes Vermögensgegenstandes korrekt abbilden. Dabei gibt es zwei Methoden:
a) Man orientiert sich am "fairen" Wert (wie auch immer man diesen berechnet)
b) Man orientiert sich an den Marktpreisen (wenn es denn einen gibt).

Wie oben schon angedeutet, überschneiden sich die beiden teilweise, denn wenn es keine Marktpreise gibt, kann man auch nichts davon ableiten. Trotzdem wird mit dem heutigen Ansatz versucht, wo immer möglich, die Marktpreise heranzuziehen (Mark-To-Market). Das kann direkt und indirekt geschehen (man nennt das Level 1 (direkt, es gibt einen Marktpreis) und Level 2 Securities (es gibt ähnliche Produkte mit einem Marktpreis)). Die Level 3 Securities sind dann die, für die ich einen Wert generell nur errechnen bzw. schätzen kann.

Bei Level 1 und Level 2 Securities hat man immer das Problem, dass ein Markt illiquide sein kann. Wie aktuell der Markt für fast alle verbrieften Papiere (z.B. Hypotheken). Dann verkauft eine Bank auf Teufel komm raus ihr Hypothekenpaket zum Schleuderpreis, z.B. um sich für einen Verkauf schön zu machen. Dann sind nach Mark-to-Market auch alle anderen Banken gezwungen, vergleichbare Hypotheken im Wert zu reduzieren. Auch wenn alle der Meinung sind, dass die Hypotheken eigentlich mehr wert sind.

Jetzt wird wohl darüber nachgedacht, die Level 2 Securities auch ähnlich zu bewerten wie die Level 3 Securities. Womöglich gilt das sogar für Level 1 Securities, wenn irgendwelche Rahmenbedingungen stimmen (zum Beispiel wenn der Markt zu illiquide ist). Der Wert darf also geschätzt werden. Skeptiker nennen das auch Mark-To-Fantasy.

Man muss jetzt kein richtiger Pessimist sein, um zu befürchten, dass diese Schätzungen viel zu positiv sein werden. Die Banken rechnen sich also reicher als sie es eigentlich sind. Weil die Verluste am Ende der Laufzeit trotzdem anfallen, verschiebt man Verluste von heute in die Zukunft. Die Japaner haben ihre Krise so "gelöst". Wobei gelöst in Anführungsstrichen stehen muss, denn das dauerte etwa 15 Jahre. Das macht die Krise aber nur länger ...

Ich bin jetzt etwas überrascht, dass die Verantwortlichen in den USA offenbar versuchen, die Krise an allen Stellen gleichzeitig zu stoppen. Mit Mark-To-Fantasy ermöglicht man den Banken eigentlich im großen Stile Verluste zu verstecken und erst in die Zukunft zu deklarieren. Das ist eigentlich schon ein ziemliches Allheilmittel, weil es jede Menge Luft zum Überleben gibt. Darauf packt man noch ein 700 Mrd. Rettungspaket. Ein Rettungspaket für die Autobauer kommt dazu und ein Konjunkturpaket nach der Wahl ebenfalls. Jetzt noch die Notenpresse anwerfen und dann haben wir den perfekten Nährboden für die Inflation ab 2011 ...

Außerdem muss ich meine Meinung korrigieren, dass die USA cleverer an die Krise herangehen als Japan. So uneingeschränkt gilt das nicht mehr, denn zumindest teilweise begehen die USA jetzt die gleichen Fehler ...

Scheinbar sind in den USA jetzt alle im Panik-Modus. Auch die Geschichte von Paulsons Kniefall deutet in diese Richtung ... Panik war aber bisher selten ein guter Ratgeber ...

The Big Picture: Fed & Treasury Needs to Stop Targeting Asset Prices
FT Alphaville: Paulson’s magic marker

Update (17:20)

Zum Accounting noch ein interessanter Artikel im Economist:

Economist: All’s fair

Citigroup kauft Wachovia

natürlich nicht ganz, sondern nur die guten Teile ...

Alles unter der Kontrolle der US-Einlagensicherung FDIC. Der Deal ist wie bei Washington Mutual. Kunden und Konten gehen über an die Citigroup, Verluste für die Kunden oder ein Eintreten des Versicherungsfalls für die FDIC gibt es nicht. Die Citigroup übernimmt auch die anderen Schulden von Wachovia, die Aktionäre gehen scheinbar leer aus (Es steht dort nichts Gegenteiliges (negative Nachrichten werden eh immer weggelassen), also wird es wohl so sein).

Ganz ohne kommt die FDIC aber nicht durch. Die Citigroup haftet für die erste 42 Mrd. Dollar Verluste, darüber hinaus tritt die FDIC ein. Als Risikoausgleich bekommt die FDIC Preferred Shares der Citigroup im Wert von 12 Milliarden Dollar. Und das ist der Teil, der mir bei der HRE Rettung fehlt.

Tolles Zitat der Offiziellen darin:
On the whole, the commercial banking system in the United States remains well capitalized.
Kopfschüttel ...

FT Alphaville: Citi to acquire Wachovia

Update (14:49)

Meine Zweifel in der letzten Woche, als Wachovia noch als möglicher Käufer für Morgan Stanley galt, waren wohl mehr als angebracht ... ("Wachovia, die ich auch nicht unbedingt als stabilstes Institut im Kopf habe")

Morgan Stanley kurz vor Übernahme durch Wachovia

Update: (5.10.08):

Und noch ein Update:

Überraschung: Wachovia geht doch nicht an die Citigroup...

35 Milliarden Unterstützung für HRE? Und 3/4 davon vom Staat!

Jetzt verstehe ich langsam, warum Merkel und Steinbrück nicht beim US-Rettungspakt mitmachen wollen: Die brauchen das Geld für ihren eigenen Rettungspakt.

Der wird zwar nicht auf einmal geschnürt, sondern nur bei Bedarf (erst 10 Mrd in kleinen Häppchen, nicht nummeriert und in kleinen Scheinen ;-) ) für die IKB, dann ein paar Mal ein paar Milliärdchen für diverse Landesbanken und jetzt lt. Financial Times Deutschland bis zu 35 Milliarden für die Hypo Real Estate.

Die erste Stufe des Rettungspakets umfasst 14 Mrd, von denen 8,4 Mrd. von den Banken und 5,6 Mrd. vom Staat kommen. Die zweite Stufe umfasst (vorerst) keine direkten Geldflüsse, sondern ist "nur" eine Bürgschaft, und zwar eine 21 Milliarden Euro schwere.

Juhuuh!

Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht, worüber ich mich mehr aufregen soll: Darüber, dass hier mglw. 26 Milliarden Steuergelder OHNE Gegenleistung zum Fenster herausgeworfen werden oder darüber, dass unsere Politiker sich erst letzte Woche so weit aus dem Fenster hängen und die USA angreifen, um dann am Wochenende panisch vor der eigenen Türe kehren zu müssen.

Aussagen wie "man sei sich nicht sicher, dass der amerikanische Rettungsplan klug sei" sind nach dieser Rettungsaktion völlig peinlich. Denn was am jetzigen Paket clever sein soll, ist mir unklar. Die Bevölkerung wird wie in den USA völlig im Unklaren gelassen, die Pressemitteilungen zum Thema waren ein Witz (keine Summe, Beteiligung des Staates nicht erwähnt, etc. pp. (siehe Hypo Real Estate gerettet). Und wo ist die Beteiligung des Staats an den geretteten Firma? Wie profitiert der Steuerzahler davon, wenn die Probleme der HRE mglw. nur ein temporäres Liquiditätsproblem ist? Mit der Bürgschaft geht man voll ins Risiko, aber der beste Ausgang ist neutral; es kostet dann nichts.

Der Staat ist der "lender of last resort", der Kreditgeber der letzten Instanz. Er gibt Geld, wenn niemand sonst noch Geld geben möchte. Dafür kann man aber eine vernünftige Rendite erwarten. Aber unsere cleveren Politiker holen aus solchen Deals immer eine negative Rendite heraus. Sie übernehmen das Risiko, vergessen aber vom positiven Fall irgendwie zu profitieren.

Geld nur gegen Eigenkapital.

Und warum fliegt der Vorstand nicht sofort raus? Unfassbar!

Zur aktuellen Entwicklung:
FTD: Bundesetat muss für HRE bluten

Zu Merkels und Steinbrücks flotten Sprüchen letzte Woche:
Spiegel: Merkel gibt US-Regierung Mitschuld an Finanzkrise

(ich habe mir echt Mühe gegeben, die Nachrichten heute positiv darzustellen. Aber jetzt geht's echt nicht mehr ...)

Update (14:11)

Und weil Schadenfreude zwar nicht immer die schönste Freude ist, aber in Momenten wie diesen oft die einzige, noch Zeit für eine wichtige Durchsage der Commerzbank:

Handelsblatt: Commerzbank senkt Hypo Real Estate (HRE) von „Buy“ auf „Reduce“

Timing ist an der Börse bekanntlich nicht ganz unwichtig ...

Übrigens melden vereinzelte Quellen, dass die HRE abgewickelt werden soll.

Update (14:28)

Die FTD hat ein paar Zitate zusammengestellt, die die Depfa (die die HRE jetzt in den Abgrund gezogen hat) vor 4 Wochen von sich gegeben hat. Sehr lesenswerter Artikel.

Darunter echte Höhepunkte wie
"Wir machen nur Geschäft, das auch entsprechend refinanziert werden kann".
oder
"Wir profitieren weiterhin von der ausgeprägten Präferenz für Qualität und Sicherheit".
Autsch.

Aber die Ratingagenturen haben auch wieder ein erstklassiges Komplettversagen hingelegt: Die Depfa plc hatte mit AA+ ein sehr gutes Rating. (Ich finde das in der offiziellen Rating-Liste von der HRE zwar nicht, aber dort steht ein AA- und das steht ebenfalls noch für exzellente Kreditqualität).

FTD: Das Schweigen der Depfa

Update (16:55):

Es verdichten sich die Nachrichten, dass die HRE abgewickelt werden soll. Für die Aktionäre kann das aus meiner Sicht nur "Kursziel Null" bedeuten. Allerdings verdichtet sich auch die Eindruck, dass eigentlich noch keiner weiss, was man letzte Nacht (angeblich) beschlossen hat ...

FTD: Chaos um HRE-Rettung

Update (17:38)

Weissgarnix weiss wie so oft doch was ;-) und hat einige Stellen im letzten Geschäftsbericht (Q2/2008) gefunden, die eine sehr gute Basis für eine Klage gegen die HRE und den Wirtschaftsprüfer KPMG bilden dürften. Die eindeutigste IMHO:
Selbst unter einem worst case Szenario ist dadurch sichergestellt, dass die Hypo Real Estate Gruppe sowie ihre Tochtergesellschaften jederzeit uneingeschränkt zahlungsfähig sind.
Das ist eine eindeutige Aussage, die mit den Ereignissen von heute (bzw. vom Wochenende) eindeutig falsch ist.
Mehr hier: Weissgarnix.de: Lesestoff für klagefreudige HRE-Aktionäre

Update (22:44)

"Deshalb wird die Rettung mit Staatshilfe von allen Seiten gutgeheißen."
Aus der Einleitung eines FAZ-Artikels zum Thema ...

Nein, ein kleines Dorf in der äußerst westlichen Blogosphäre wehrt sich noch ;-)

Die HRE Rettung ist natürlich nicht zu vermeiden, aber für 8,5 Milliarden Unterstützung von außen (sprich den Banken) 26 Milliarden Staatsbeteiligung einzubringen OHNE weitere Gegenleistung, ist einfach nur doof. Dafür hätte der Staat mindestens 50% an der Bank bekommen müssen, wenn nicht sogar 100%.

FAZ; „Es sind längst keine normalen Zeiten mehr“

Update (23:15)

Nochmal eine Timeline, die erklärt, warum sich Steinbrück noch am Donnerstag vor den Bundestag gestellt hat und über die doofen Amis gelästert hat. Der Notruf aus München kam nämlich erst am Freitag morgen. Schlechtes Timing Peer.
FTD: Stütze vom Staat

Und noch ein kleiner Spaß: Zeitenwende.ch: Käptn Peer auf Kurs

Und noch ein ernstgemeinter Kommentar von "Heli-Heusi":
FR: Verstaatlicht alle Banken!

Fortis gerettet!

Nummer drei in der Reihe "wer wurde gestern und heute gerettet" ... Als Nummer 4 bieten sich noch Morgan Stanley und vor allem Wachovia an ... Schau'n mer mal.

Fortis wird über drei Kapitalerhöhungen durch den belgischen, niederländischen und luxemburgischen Staat gerettet bei den jeweiligen Niederlassungen gestützt. Danach gehören dem Staat jeweils 49% an der Landesgesellschaft von Fortis. Fortis fließen in diesem Rahmen insgesamt gut 11 Milliarden Euro zu.

N-TV: Fortis verstaatlicht
FTD: Belgien springt Fortis zur Seite

Bradford & Bingley gerettet

Letzter möglicher Käufer ist der Staat. Da sonst keiner wollte.

Das Geschäft mit den Spareinlagen geht an die die Banco Santander.

Das restliche Geschäft (der Großteil) mit den Hypotheken geht an den neuen stolzen Besitzer: Großbritannien. Damit ist der britische Steuerzahler nun schon im Besitz der zweiten Hypothekenbank nach Northern Rock.

Das ist doch toll. Dem durchschnittlichen Steuerzahler gehört jetzt die Bank, an die er seine Hypothekenzinsen zahlt. Er zahlt jetzt also quasi Zinsen an sich selbst ;-)

FTD: Hypothekenbank B&B wird verstaatlicht

(Merkt ihr, dass ich meine Überschriften heute bewusst positiv formuliere? Wer weiss, wofür es gut ist).

Hypo Real Estate gerettet

Das ist die gesamte Erklärung der Bundesbank.

"Gemeinsame Presseerklärung der Deutschen Bundesbank und der BaFin

Die durch die Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten ausgelösten Probleme der Hypo Real Estate Gruppe wurden durch eine Konsortial-Finanzierung des deutschen Finanzsektors gelöst. Danach wird der Hypo Real Estate Gruppe eine Liquidität in ausreichender Höhe für kurz- wie auch mittelfristige Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Bundesbank und die BaFin gehen davon aus, daß die Marktfähigkeit der Hypo Real Estate Gruppe dadurch gesichert ist."

Keine Summe (1 Mrd., 5 Mrd., 10 Mrd?), keine Konditionen, kein Grund für die Probleme. Kommt das Geld nur von den Banken oder auch vom Staat? Oder garantiert der Staat für irgendwas?

Sooo schafft man definitiv kein Vertrauen ...

Presseerklärung der Bundesbank


Die Aktie verliert aktuell knapp 60% auf knapp 6 Euro, lag aber schon deutlich tiefer im Minus. Das Tagestief lag bei nur 3,30 Euro.

700 Mrd? Wie wär's mit 5000 Mrd.

So, dieser Morgen beginnt mit DOOOOM! Mr. Doom himself: Marc Faber.

Angesichts der Nachrichten, die gestern abend eintrudelten, glaube ich, dass ich den Artikel mit ruhigem Gewissen schonmal vorschreiben und um 7:05 schedulen kann.

Marc Faber kann sich leicht 5 Billionen Dollar Kosten für den Rettungsfonds vorstellen. Er verweist u.a. darauf, dass

1.) der Rückgang der Hauspreise mit bisher 20% noch relativ moderat sei und trotzdem schon riesige Probleme verursacht habe und
2.) die USA in einem viel schlechteren Zustand sind als Japan Anfang der 90er.

Er hat mit beiden Aussagen recht, vor allem mit der letzten (Japan hat eine weiterhin exzellente Exportwirtschaft (Elektronik, Autos, Maschinen) und eine hohe Sparquote. Die USA haben, tja was, Software.

Aber beim ersten Punkt bin ich mir nicht so sicher, denn ich schätze, dass die Finanzmärkte bereits mehr einpreisen als die 20%. Und das ist anders als in Japan. In Japan wurden die Probleme unter den Teppich gekehrt, in den USA kann man sie ablesen. Auch wenn das noch nicht in vollem Umfang in den Bilanzen auftaucht, dann doch in den Preisen für Hypothekenpakete.
Außerdem steuert die Notenbank gegen. Wäre das nicht so, müssten die USA in eine Krise rutschen, die noch viel tiefer wäre als die in Japan. Aber angesichts der raschen Reaktion (man schaue sich an, wann die Japaner angefangen haben, Bank (zwangs)zufusionieren (nach Jahren) und wenn das in den USA begann (nach Monaten).) gibt es noch Hoffnung, dass die USA mit einer kürzeren Krise davonkommen. Aber ohne? Ausgeschlossen! Ich halte es auch für ausgeschlossen, dass die Krise mild wird. Um das zu erreichen bräuchten die USA noch ein 700 Mrd. Rettungspaket und zwar für den Immobilienmarkt (und nicht nur für die Banken). Als Minimum.


Credit Writedowns: $700 Billion? Try $5 Trilion - So says Marc Faber

Für Nachteulen: Der Rettungspakt Text ist draussen

... meldet Marketwatch. Leider ohne Link zum Text selber, aber wer ihn findet, kann gerne einen Kommentar hinterlassen ...

Marketwatch: House releases text of economic rescue bill draft

Update (10:24)

Danke an den anonymen Tippgeber:

Der Entwurf findet sich hier:

LA Times:

Es gibt eine Pflanze, die heisst "Horny goat weed"

Und das ist doch tatsächlich das gleiche (PDE 5) drin, was auch in Viagra steckt. Den Namen, man muss das als "Geile Ziegen Kraut" übersetzen obwohl es auf deutsch nur "Ziegenkraut" heißt, haben Hirten dem Zeuch gegeben, weil die Ziegen nach dem Essen so öhm aktiv wurden.

Ich musste schmunzeln, als ich den Namen gelesen habe und was zum Schmunzeln kann angesichts der aktuellen Nachrichten nicht schaden ...

Wobei ich mich jetzt etwas frage: In der Natur ist doch scheinbar gegen alles ein Kraut gewachsen. Gibt es dort auch was gegen Bankenkrisen? Gegen Liquiditätslücken? So eine Art Greedy Horde Weed?

New Scientist: Horny goat weed could be better than Viagra

FTD: Hypo Real Estate droht Kollaps

Wow!

Der erste DAX-Wert, der wackelt. Und gerade die, die in der ersten Welle schon unter Durck gerieten, weil allein der Namensbestandteil "Real Estate" dafür schon ausreichte ... Dann konnte aber ein neuer Großaktionär zu 25 Euro pro Aktie gefunden werden. Der dürfte sich jetzt aber ganz schön ärgern.

Auslöser soll die irische Tochter Depfa gewesen sein.

FTD: Exklusiv Hypo Real Estate droht Kollaps

Und in Belgien/Holland dorht mit Fortis direkt das nächste Erdbeben. Und Fortis ist eine Nummer größer als HRE ... Über 80.000 Mitarbeiter. Fortis wird wohl die viel zu teure Übernahme von Teilen der ABN Amro zum Verhängnis (die anderen gingen an die Banco Santander und die RBS, darunter das Zertifikate-Geschäft, bei ABN-Amro-Zertifikate sind von den Fortis Probleme als nicht (direkt) betroffen). Erst verkündete man monatelang, dass man keine Kapitalerhöhung benötige und führte am Ende doch eine durch. Das kostete den Vorstand den Job, aber auch dem Nachfolger vertraut man wohl immer noch nicht ...

FAZ: Finanzkonzern Fortis in schwerer Existenzkrise

Montag wird spannend! In einem solchen Wechselbad zwischen jetzt beschlossenem Rettungspaket in den USA und zwei möglichen dicken Brocken direkt in Deutschland bzw. nebenan war die Börse schon lange nicht mehr ...

FAZ: Durchbruch für das Rettungspaket

Und jetzt werden wir mal sehen, wieviel Merkels und Steinbrücks große Worte (kein Rettungspaket niemals, die Amis sind selbst Schuld) noch wert sind. Ich schätze soviel, wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind. Also etwa dem Heizwert. Übrigens ist das der Wert, dem sich der Wert von Geld (= bedrucktes Papier) langfristig auch immer annähert. Im Endeffekt ist Geld auch nichts anderes als ein Versprechen der Politiker, dass man dafür auch in Zukunft was kaufen kann. Und bei Versprechen von Politikern wissen alle, was die wert sind ...

Und noch eine Anmerkung: Wenn über die Hypo Real Estate wirklich schon seit längerem hinter den Kulissen in Berlin verhandelt wird und das jetzt erst "zufällig" genau ein paar Stunden nach der Wahl in Bayern heraussickert, riecht das doch arg nach "Zurückhalten bis nach der Wahl". Die HRE sitzt in München und nach den Skandalen um die Bayern LB hätte die CSU wohl keine weiteren Probleme am Bankenstandort München gebrauchen können. Allerdings spricht eines gegen die These: Wenn schon verhandelt wurde UND Steinbrück und Merkel davon wussten und beide sich dann so weit aus dem Fenster hängen, dann wäre das schon ziemlich dämlich. Und so doof kann man doch nicht sein. Oder etwa doch?

Smells like greed spirit



gefunden über

boingboing: MAD on the bailout: Smells Like Greed Spirit


700 Milliarden Dollar ... Nevermind ...

(weiss nicht, ob ich noch dazu komme, was sinnvolles zu posten ...)

Mr. Mac Donald schlägt Onkel Sam.

Die Credit Default Swaps sind heute weiter gestiegen und erreichen neue Rekordstände.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass ein halbverstaatlichtes Bankenwesen in den USA für etwas Sicherheit sorgt. Aber der noch nicht verabschiedete Rettungsplan und die Pleite von Washington Mutual (die wenig überraschend kam) sorgen für Nervösität in einem nicht gekanntem Ausmaß.
Die CDS sind durchweg teurer geworden und es gibt bemerkenswerte Verwerfungen. Ich hatte in meinen Artikel USAAA schon darauf hingewiesen, dass zum ersten Mal die CDS für US-Staatsanleihen spürbar teurer sind als für deutsche. Das hat sich weiter fortgesetzt und inzwischen hat der Bulettenbrater McDonalds nach Ansicht der CDS Händler eine bessere Bonität als good old Uncle Sam! Ein CDS auf McDonalds kostet 28 Basispunkte, der CDS auf die USA 30.
FT Alphaville: CDS report: Big Mac and fried in the US

Unter Druck heute besonders die belgische Fortis. Die CDS sind deutlich teurer geworden und Fortis ist scheinbar gezwungen, Assets zu verkaufen.
FT Alphaville: Is Fortis trying to create a run on itself
FTD: Fortis sendet Hilfeschrei aus

Die Notenbanken geben weiter massiv Liquidität in den Markt, die Banken leihen sich trotzdem nichts untereinander und wollen nur Sicherheit. Die permanenten Liquiditätsspritzen verpuffen völlig. Schlimmer: Mglw. sind sie sogar kontraproduktiv, weil die Banken die Liquidität als Kredit nicht weiterverleihen, sondern einfach Staatsanleihen kaufen ...
FT Alphaville: Tilting at windmills, central bank edition

Die Risikoaufschläge der Kredite im Interbanken Handel (3-Monats-LIBOR) im Vergleich zu 3-Monats-US-Treasuries sind höher als bei der Lehman-Pleite. Der Unterschied beträgt satte 333 Basispunkte. Nur zum Vergleich: Im Frühling 2007 war dieser Spread bei einem Zehntel der heutigen Werte.
FT Alphaville: Strains intensify in money markets

Aufregende Zeiten. Aus jedem der Links oben könnte man einen eigenen Artikel machen.

Washington Mutual Pleite: Neue Nummer 1 in der Top-Ten der größten Pleiten

Die größte Sparkasse der USA, Washington Mutual ist Pleite. Die Nachricht dürfte aber niemandem entgangen sein. Die Kunden haben über 16 Milliarden in den letzten 10 Tagen abgezogen und damit war WaMu illiquide.

Der Ablauf war ganz interessant. WaMu wurde von der OTS, der Kontrollbehörde für die Sparkassen, übernommen und der große Teil des Geschäfts direkt weiter an JP Morgan verkauft. JP Morgan zahlt dafür die ziemlich lächerliche Summe von 1,9 Milliarden Dollar.

Ich schätze, dass der Ablauf zur Folge hat, dass die kompletten Risiken bei der OTS bzw. der FDIC hängen bleiben, während die Kundenbeziehungen jetzt bei JP Morgan liegen. JP Morgan hat damit quasi kein neues Risiko in den Bilanzen (die haben mit Bear Stearns wohl auch schon genug davon ...). Dieser Abschnitt aber unter Vorbehalt, ich muss dazu noch weiter lesen. Update: JPM hat auch das Hypothekenportfolio von WaMu übernommen und damit auch das Risiko, das darin steckt. U.U. haben die einen Spezialdeal und können den Schrott darin im Rahmen des BaBs verkaufen, auch wenn der streng genommen erst nach dem Stichtag übernommen wurde. Das ist aber das einzige Risiko, das JPM jetzt zusätzlich hat. Der Rest hängt wohl wirklich in der OTS bzw. bei der FDIC.
Update 2: Aus der Erklärung der FDIC geht hervor, dass das als Merger zwischen zwei Banken abgewickelt wird, also der Versicherungsfall für die Konten NICHT eintritt. Die FDIC zahlt also keinen Cent. Und von den Konten fehlt auch kein Cent, weil das Geld jetzt von JPM bereitgestellt wird.

Für die Kunden von Washington Mutual ändert sich nichts. Die Aktionäre und die Anleihehalter gehen allerdings leer aus. Das schreibt zumindest die FAZ, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Anleihebesitzer wirklich komplett leer ausgehen, so überschuldet kann auch WaMu nicht gewesen sein. Oder ist die Insolvenz eine Sparkasse anders geregelt?

Außerdem ändert sich IMHO doch was für die Kunden, weil durch die kurzzeitige Verstaatlichung und Insolvenz der Versicherungsfall eingetreten ist. Daher müsste die FDIC die Kontenversicherung übernommen haben und damit wären auch nur 100.000 Dollar pro Kunde versichert. Für Kunden, die mehr als 100.000 Dollar bei WaMu auf dem Konto hatten, hätte sich damit sehr wohl was geändert: Alles über 100.000 wäre weg! (falsch, siehe Update 2 oben) (Weiss übrigens zufällig jemand, ob das Geld einfach weg ist oder ob das wie das Geld der anderen Gläubiger behandelt wird? Also bei einem Gläubigerquote von 60% auch 60% des Geldes über 100.000 Dollar zurück an den Kunden geht?)

Washington Mutual hatte eine Bilanzsumme von etwa 330 Milliarden Dollar, ist nach dieser Messgröße also "nur" halb so groß wie Lehman. Die Einlagen der Kunden sind aber höher als bei Lehman und aus dieser Sicht stimmt die Bezeichnung "größte Pleite". In meiner Liste nach Bilanzsumme würde aber "nur" Platz 2 erreicht.

Interessante Details:

1.) Es dürfte sich jetzt zeigen, was die FDIC wirklich taugt. Von den etwa 45 Milliarden, die die noch hatten, dürfte jetzt ein spürbarer Teil weg sein. Es ist auf jeden Fall der größte Fall, den die FDIC jemals zu verkraften hatte. (siehe Update 2 oben)
2.) Auch wenn das Kundengeschäft der WaMa übernommen wurde, ist die WaMu doch pleite. Sprich der Fall, der in den Kreditausfallversicherungen definiert ist, ist eingetreten. Mal schau'n, wie der CDS Markt damit klar kommt. Spätestens, wenn die WaMu selber so Geschäfte abgeschlossen hat, dürfte das spürbare Verwerfungen produzieren.

FTD: Washington Mutual bricht zusammen
FAZ: Größte Bankenpleite in der Geschichte Amerikas
Marketwatch: WaMu goes under, sold to J.P. Morgan Chase
Creditwritedowns: JP Morgan Chase buys WaMu out

Update (12:51):

Laut Telepolis hätte die Pleite die FDIC 145 Milliarden Dollar gekostet (also gut 100 Mrd. mehr als vorhanden sind), wenn die FDIC denn hätte zahlen müssen.

Telepolis: US-Aufsichtsbehörde OTS schließt Pleitebank Washington Mutual


Update (14:35)

Wer eine Übersicht über die geschädigten Firmen sucht, kann sie hier finden. Es ist einer dabei, der 1,5 Milliarden Anleihen von WaMu im Depot hat. Allerdings ist wohl immer noch unklar, was jetzt ausfällt und was u.U. durch JP Morgan weiter läuft ...

FT Alphaville: The WaMu wipeout: who gets hit?

Auf jeden Fall getroffen wird die "Heuschrecke" Texas Pacific Group (Schadenfreude!), die erst im Frühling 7 Mrd. Dollar in Washington Mutual gesteckt hat. Wobei nicht ganz klar ist, wie viel Geld von TPG selber und wie viel von Kunden kam. Trotzdem ist ein solch großes Investment, das ein halbes Jahr später Null wert ist, kein Ruhmesblatt ...

WaMu: The Worst Deal in Private Equity History?

Update (29.9.08):

Es kamen übrigens nur 1,35 Mrd. Dollar von TPG selber, der Rest wurde bei Investoren eingesammelt.

WSJ: WaMu Offers Private Equity a Harsh Lesson

Regulierung: Ja? nein? Wenn ja, wie?

Die Debatte über die zukünftige Regulierung der Finanzmärkte ist in vollem Gange und wird demnächst wohl noch an Tempo aufnehmen.

Ich bin kein wirklicher Freund von mehr Staat und mehr Regulierung, aber ich bin auch kein ideologisch verbrämter Gegner jeder Art von Regulierung. Ich habe z.B. (wie Buffet) früh auf die Gefahren des unregulierten Derivategeschäfts hingewiesen. Allerdings weise ich auch immer wieder die Rolle der Politik hin, die die US-Immobilienblase erst zur endgültigen Größe aufgeblasen hat, um das politische Ziel "Wohneigentum für alle" zu ermöglichen. Ich möchte mit diesen Extremen nur verdeutlichen, dass die Antwort nicht einfach ist. Zu viel Regulierung ist genauso schlecht wie zu wenig. Soviel sollte inzwischen jedem klar sein. Die Frage ist nur noch was genau "zu wenig" und "zu viel" ist ...

Ich möchte am Anfang einen gaaaaanz simplen Vorschlag in die Diskussion werfen und freue mich über Eure Meinung dazu.

Ich brauche nur eine einzelne Regel:

Optionen und Derivate müssen börsennotiert werden. Nur solche Papiere dürfen gehandelt werden. Alle anderen Optionen, Derivate und Absicherungsgeschäfte werden verboten. Ende.

Ist das jetzt radikal oder nicht? (Radikal einfach ist es auf jeden Fall, was einen gewissen Charme hat). Die Antwort ist gar nicht so klar, weil so zwar ein großer Teil des gesamten Derivate-Marktes austrocknet, genauer gesagt der gesamte OTC-Markt. Allerdings wird ein beachtlicher Teil davon aus dem OTC-Handel an eine Börse wandern. Ein Teil wird allerdings nicht überleben.

Aber der Reihe nach:

Ein börsennotierter Handel ist irgendwie natürlich eine gute Voraussetzung für eine Regulierung und Kontrolle. Man muss ja irgendwo ansetzen können. Von daher ist das Ziel ausschließlich börsennotierten Handel zu haben, leicht nachvollziehbar.

Bestimmte Geschäfte wird man in der Zukunft nicht mehr machen können. Weil es keine genügend hohe Standardisierung gibt und daher kein Umsatz in den Absicherungskontrakten entstehen würde. Das schließt aber Absicherungsgeschäfte in Standardprodukten nicht aus. Man wird sich auch in Zukunft gegen Kursverluste bei Aktien, Rohstoffen, Staatsanleihen und selbst hypothekenbesicherten Anleihen (Pfandbriefe) absichern können. Das Produkt muss nur gängig und standardisiert genug sein. (Es geht ja nicht um den Komplettverbot von Verbriefung, weil man IMHO leicht sehen kann, dass der Pfandbrief in Europa funktioniert und die Spezial-MBS in den USA nicht)

Was passiert nun mit den Spezialkontrakten, die nur Partner A mit Partner B genau einmal abschließt? Tja, auf die verzichte ich einfach, weil die Teile nicht an der Börse notiert werden können, weil es nur ein einziges Mal einen Kurs gibt und daher ein Börsenhandel keinen Sinn macht.

Jetzt wird das Argument pro Absicherung lauten, dass man damit ja Risiken absichern kann und das schließlich sinnvoll sei. Stimmt im Prinzip, allerdings würde ich entgegnen, dass bei allen Kontrakten, in denen kein Umsatz (und damit keine Börsennotiz) entsteht, das Volumen dahinter nicht so wahnsinnig groß sein, dass es die Volkswirtschaft gefährdet oder dass es in großem Stil zu Preiserhöhungen führen wird, weil der Unternehmer das Risiko (das er jetzt nicht mehr weiterschieben kann) auf die Preis aufschlägt.

Und: Muss man sich wirklich gegen jedes Teilrisiko individuell und speziell versichern? Diese Versicherei hat doch nur eine Pseudosicherheit vorgetäuscht. Weil man glaubte, Rundumsicherheit eingekauft zu haben. Dabei aber vergessen hat, dass a) die Gegenseite ausfallen kann und b) das Geschäft nicht mehr aufgelöst werden kann, weil es komplett illiquide ist. Ich möchte ein Beispiel wiederholen, das ich letzte Tage schonmal gebracht habe: Es gibt eine Kreditausfallversicherung gegen den Ausfall der USA. Ich frage mich immer noch, wer einen solchen Kontrakt kauft. Wer soll denn die Gegenseite sein, die im Fall der Pleite der USA das Geschäft noch glattstellen kann? Das ist wie eine Versicherung gegen den Weltuntergang ... Kompletter Schwachsinn!

Ganz nebenbei konnte man in den letzten Monaten lernen, dass Risiko einfach weiterzuschieben nicht die Lösung für alles, sondern sogar kontraproduktiv sein kann. Das führt nur dazu, dass man bei der Kreditvergabe das Risiko nicht mehr richtig analysiert. Das ist aber eine der entscheidenden (auch volkswirtschaftlichen) Aufgaben, die eine Bank leisten muss: Kredite vergeben, aber nur, wenn auch die Zurückzahlung erwartet werden kann.

Zusammenfassung:

Derivate nur noch börsennotiert. Liquide Kontrakte werden wie bisher weitergehandelt, illiquide und ausserbörsliche fallen zum großen Teil weg.

Die richtig großen Risiken (Aktien, Rohstoffpreise, Anleihen, vor mir aus auch Wetter, Immobilienpreise, etc.) können weiterhin über Derivate an den Börsen abgesichert werden.

Der ganze Rest kann nicht mehr abgesichert werden und das zieht ein paar negative Effekte (z.B. Preisaufschläge) nach sich. Diese halte ich für begrenzt, weil das Volumen hinter diesen Geschäften und das versicherte Risiko und damit auch die negativen Auswirkungen nicht so groß sein dürften. Außerdem sorgt Risiko, das man nicht mehr weiterschieben kann, auch für einen positiven Effekt: Die Kreditgeber untersucht das Risiko genauer als bisher.

Was meint ihr zu der Idee? Also sicher ist, dass ich den einfachsten Vorschlag gemacht habe ...

Ein Nachtrag: Das Volumen des CDS-Markts ist im letzten Jahr drastisch gesunken (etwa 20%), es ist aber immer noch mehr wert als alle BIPs aller Länder der Welt zusammen, etwa 54.000 Mrd.: FTD: Derivatemarkt schrumpft drastisch

Meinungen zur Regulierung:

FAZ: Dünne Tünche

FAZ: Ökonomen kritisieren Steinbrück: „Regulierung mit dem Holzhammer wenig sinnvoll“
FR: Die Welt nach der Krise (von Robert von Heusinger)

Der Bailout ist durch ... 250 Mrd. sofort.

... was offizielles gibt es zwar noch nicht und erst recht keine Details.

Aber alle signalisieren, dass der Plan durchkommt. Gerüchtehalber sollen 250 Mrd. sofort zur Verfügung gestellt werden und der Rest erst später.

Man sieht also mal wieder, wie Politik gemacht wird. Man macht erst einen völlig unverschämten Vorschlag, über den dann total hart verhandelt wird. Der Vorschlag wird öffentlich verrissen und am Ende stimmt man auf einmal unter minimalsten Veränderungen zu. Wenn die Politiker sich Mühe geben, wird durch die Veränderungen der Plan sogar noch schlechter ...

Man macht einfach Druck, Druck, Druck und redet vom Untergang des Abendlandes. Dann hat jeder Angst, am Ende der Doofe zu sein, auf den alle mit dem Finger zeigen: Wer war Schuld. Schlimmster Vorwurf in den USA: unpatriotisch zu sein. Das Totschlag"argument" in jeder Diskussion.

Der Druck ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen.

Fannie und Freddie sind verstaatlicht und haben Zugriff auf Kreditlinien direkt beim Staat. Wenn man unbedingt Schrott ankaufen will, kann man das über Fannie und Freddie machen.
Die AIG konnte gerettet werden, ohne dass da irgendjemand zustimmen musste. Man hat einfach einen 85 Milliarden Kredit aufgelegt. Das war zwar ohne irgendeine rechtliche Grundlage, aber das hätte man auch nochmal machen können.
Die Fed hat inzwischen für Jeden (außer für mich) eine spezielle Kreditlinie eingeführt. Da kann eigentlich jeder zu einem extrem niedrigen Zins Geld bekommen.

Aber ich diskutiere hier wahrscheinlich viel zu sachlich. Möglicherweise sind die Bilanzen nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Und die sind alle so Pleite wie Lehman, die ja auch das Wunder vollbracht haben, den Wert in wenigen Stunden um 100 Milliarden oder mehr zu senken. Die Vermögensgegenstände von Lehman waren noch am Freitag 640 Mrd. Dollar wert und nach dem Insolvenzantrag am Montag ergaben die Schätzungen auf einmal nur eine Gläubigerquote von 60 bis 80%. Aus einer Firma, die am Freitag noch 27 Mrd wert war, wurde über's Wochenende eine, die minus 100 bis 220 Mrd. wert war (Reuters: Lehman debt may get 60 cts/dlr in bankruptcy-report). Wenn dieser zweite Wertansatz jetzt richtiger ist als der offizielle und man annehmen kann, dass das bei den anderen Banken ähnlich aussieht, kann ich die Panik von Paulson nachvollziehen.

Trotzdem komme ich nicht darüber weg, dass man so gnadenlos die Anleihehalter, die Aktionäre und das Management rettet und allein der Steuerzahler blechen muss. Der Steuerzahler kann absolut nichts für das ganze Desaster und muss einen Blankoscheck an unbekannt absegnen. Die Verantwortlichen, die Anteilseigner und Schuldner hingegen steuern keinen Cent zur Rettung bei. Unfairer geht's nicht.

Und dabei wurde mit dem AIG Bailout ein echt gutes Beispiel gegeben, wie man eine Rettungsaktion clever hinbekommt (Komplett Bailout für AIG). Kredit gegen Beteiligung. Damit hält man die Firma am Leben und der Steuerzahler hat eine Möglichkeit, vom profitablen Kerngeschäft zu profitieren und seinen Einsatz u.U. komplett zurückzubekommen. Aber ich wiederhole mich ...

Tagesschau.de: US-Parteispitzen einigen sich auf Rettungspaket

Aber was reg ich mich auf. Vor 25 Jahren wäre die Welt fast durch einen Atomkrieg vernichtet worden, was nur Dank eines russischen Offiziers namens Petrow verhindert wurde ... Seine Kontrollschirme meldeten zwar den Abschuss amerikanischer Atomraketen, aber nur einiger weniger. Das machte nach dem Gedanken von Petrow keinen Sinn, denn wenn schon, dann müsse die USA viele Raketen auf einmal abschießen. Also vermutete er einen Computerfehler und unterließ den Gegenschlag ... Das war knapp ...
Den Mut, selber zu denken, hätte ich auch dem amerikanischen Kongress und Senat gewünscht. Naja, nicht immer liegt die Macht in den Händen von Leuten, die selber denken können ...

Der Westen: Als der Kalte Krieg ganz heiß wurde

Update (23:15)

Hervorragende Zusammenfassung der beiden Nachrichten von gestern und heute:

Wie kann es eigentlich sein, dass Warren Buffet einen hervorragenden Deal beim Einstieg bei der am besten geführten US-Bank bekommt und der Staat einen ganz ganz schlechten Einstieg bei den schlechtesten US-Banken?

Frei übersetzt von:
The “Oracle” Speaks: Listen Up, Hank gefunden über Bronte Capital: Jeff Matthews on Buffett and Paulson

Zur Verschuldung der USA

Interessanter Artikel in der FT, der mich auf das PDF in meinem anderen Artikel von heute morgen (Warum Paulsons Plan schlecht ist ...) gebracht hat.

Ich möchte aber auf Teil zum Bailout nicht unbedingt eingehen, auch wenn der Artikel lesenswert und richtig ist, sondern nur auf ein Detail des Artikels:
Die Verschuldungslage der USA.

Hier steckt für mich auch was Neues im Artikel. Ich nenne die USA gerne an allen Ecken bis zur Halskrause verschuldet: Der Staat, die Unternehmen, die Haushalte. Das stimmt bei kurzfristiger Betrachtung auch, bei langfristiger aber nur etwas eingeschränkter.

Die Staatsverschuldung der USA ist z.B. gegenüber den 70er Jahren gar nicht dramatisch angestiegen.

Die Verschuldung der Privathaushalte stieg etwa auf das Zweieinhalbfache: von 40% des BIPs auf 100%. Da stimmt meine Aussage uneingeschränkt.

Auch der Anstieg der Schulden im Unternehmenssektor ist anders als ich gedacht habe. Die Verschuldung der Unternehmen ist zwar gestiegen (so weit ist das richtig), der Anstieg geht aber fast ausschließlich auf den Anstieg der Verschuldung bei den Finanzunternehmen zurück. Die Verschuldung der Industrieunternehmen stieg von etwa 60 auf etwa 80% des BIPs, das ist also wenig dramatisch. Die Verschuldung der Finanzbranche hingegen explodierte von 20 auf 120% des BIPs.

Das ist natürlich eine irre hohe Zahl. Die Höhe zeigt aber auch, und damit sind wir wieder bei der aktuellen Krise, wie dramatisch die Lage ist. Und sie zeigt, wie bitter und langwierig die Bereinigung werden wird.

Und zeigt auch, warum so viele Angst vor einem Credit Crunch haben. Würden die Banken ihre Schuldenvergabe auf das Niveau von 1974 zurückführen, sänke die Kreditvergabe um mehr als 80%, was dem BIP eines ganzen Jahres entsprechen würde. Wenn die Banken ihren Hebel (ihr Leverage) "nur" auf die Hälfte reduzieren würden, sänke die Kreditvergabe ebenfalls um die Hälfte. Dann kann die Wirtschaft aber einpacken ...

Es gibt nur eine Lösung für das Problem: Der Hebel und damit das Risiko für die Finanzbranche muss gesenkt werden. Da die USA ihre Schulden nicht runterfahren können, ohne in eine richtig üble Deflation zu geraten, brauchen die Banken neues Geld auf der anderen Seite der Bilanz: Beim Eigenkapital. Deshalb wird der RTC 2.0 jetzt wohl auch genau dazu dienen: Nicht nur den Schrott aus der einen Seite der Bilanz tilgen (offizielle Darstellung), sondern auch für Geld auf der anderen Seite der Bilanz sorgen. Dann sinkt der Hebel und erstmal ist die Lage bereinigt. (Übrigens ist auch das einer der Faktoren, die mir im Rettungsplan fehlen: Wo bleibt eine Maßnahme, die für neues Eigenkapital sorgt und zwr welches, das nicht vom Steuerzahler kommt).

Mittelfristig aber müssen die USA und die US-Finanzbranche von ihren Schulden runter. *Das* ist das Problem, das unter allem liegt. Und nicht zu wenig Regulierung, nicht zu seltsame Verbriefung, nicht zu hohe Hebel, nicht zu hohe Immobilienpreise, oder oder oder. Das sind alles nur sekundäre Probleme, die ohne die zu hohe Verschuldung erst gar nicht hätten entstehen können.

FT:Paulson’s plan was not a true solution to the crisis gefunden über Infectious Greed: Graphic du Jour: Financials are Hazardous

Warum Paulsons Plan schlecht ist ...

Ein sehr spannendes Papier von Luigi Zingales, Professor an der Universiät Chicago: Why Paulson is Wrong

Darin zwei Gedanken, die ich bisher in der Diskussion noch nicht gesehen habe.

Das jetzige Rettungspaket wird (auch von mir) gerne als Resolution Trust Company RTC 2.0 bezeichnet. Damit ist eine Wiederauflage des RTC zur Rettung der Saving & Loans Banken gemeint.

a) Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Die Spareinlagen der damals pleitegehenden Sparkassen waren sowieso durch den Staat (bzw. einen staatlichen Sicherungsfonds) versichert. Der Staat war also in der Haftung und hätte sowieso zahlen müssen. Der Staat hat "nur" einen Ausfallfonds für die Spareinlagen durch eine Abwicklungseinheit für die Sparkassen ersetzt.

Heute hingegen werden die Aktionäre und vor allem die Schuldner der Finanzbranche gerettet. Man rettet also nicht nur die Spareinlagen der Kleinsparer, sondern auch die Anleihebesitzer und (wenn man einen zu hohen Preis für den Giftmüll bezahlt) auch die Aktionäre. Der Staat haftet aber nicht für Anleihen- oder Aktienbesitzer!

Das ist eine andere Nummer!

Und man erzeugt hier einen Moral Hazard. Dieses moralische Dilemma wird viel zu oft ausschließlich auf das Management beschränkt. Genauso mitverantwortlich sind aber auch die Aktionäre und auch die Käufer der Anleihen der Banken. Beide haben den Firmen immerhin Geld geliehen und somit das Geschäft am Laufen gehalten.

b) Wenn man sich jetzt die Lastenverteilung zwischen diesen Gruppen anschaut, sieht man schnell, dass die Aktionäre bereits richtig viel Geld gezahlt haben ((Fast-)Totalverlust bei Lehman, Fannie, Freddie, AIG, ...). Die Halter der Anleihen bei den entsprechenden Firmen sind aber (bis auf Lehman) komplett ungeschoren durch die Krise gekommen. So gut wäre es für die Anleihenkäufer aber nicht gelaufen, wenn der Staat nicht eingeschritten wäre. Das zeigt sich auch an den Verlusten, die die Besitzer von Lehman Anleihen verkraften müssen.

Zusammenfassung:

a) RTC 2.0 rettet Leute, die beim RTC 1.0 NICHT gerettet wurden. Zu diesen Leuten gehören die Schuldner und die Aktionäre der geretteten Firmen.
b) Die bisherige Verteilung bei den geretteten Firmen geht klar zu Lasten der Aktionäre. Diese sind zum oft (fast) komplett enteignet worden, während die Anleiheeigner oft (fast) völlig ungeschoren davon gekommen sind. Der RTC 2.0 setzt die Tendenz in fataler Weise fort.

Die Lösung:

Daher ist die Forderung (den Gedanken hatte ich früher schonmal gebracht) ein Debt-To-Equity-Swap. Damit müssen auch die Anleihebesitzer zur Sanierung beitragen, indem sie einen Teil der Schulden in Eigenkapital umtauschen.
Das ist übrigens bei der Sanierung von Firmen ein sehr übliches Modell! Denn wenn eine Firma überschuldet ist, aber über ein gesundes, sprich profitables Kerngeschäft verfügt, kann es für den Schuldner sinnvoller sein, einen Teil (oder alles) seiner Schulden gegen Anteile an der Firma zu tauschen. Dann hat er einen Anteil an einer profitablen Firma, die Dividende zahlen kann. Diese Zahlungen können gut höher sein als das, was bei einer Pleite der Firma noch zu holen gewesen wäre.

Am Ende ist die Frage ganz einfach: Wieso soll der Steuerzahler einschreiten, bevor der Anleiheeigner einen Beitrag geleistet hat?

Aber vielleicht ist der Grund dahinter ein einfacher: Die Schulden der USA und der US-Finanzbranche liegen im Ausland. Die USA sind abhängig von diesem Geld. Und deshalb wollen die USA keinen Ärger und man stopft die Löcher lieber mit Steuerzahlergeldern. Nicht weil man das für eine tolle, gerechte und faire Lösung hält, sondern weil man keine andere mehr sieht ... Mit dem Rücken zur Wand ...

Zum Buffet Einstieg bei Goldman Sachs: Junk-Zinsen!

Cheerleading gibt es überall, daher hier lieber ein Hinweis auf das Kleingedruckte:

Buffet kauft keine Aktien, sondern Preferred Shares, also Vorzugsaktien. Diese sind anders konstruiert als deutsche Vorzugsaktien. Es gibt eine *feste* Dividende, das Kapital ist nachrangig (im Fall der Pleite bekommt man nur Geld, wenn alle anderen Gläubiger ausgezahlt werden konnten) und zu den Aktien gibt es noch Optionsscheine dazu. Das ist also eher eine nachrangige Optionsanleihe als eine Vorzugsaktie wie bei Porsche.

Wie sehen jetzt die Konditionen aus?

Kaufsumme: 5 Milliarden Dollar
Zins für den Vorzugsaktie: 10%(!) ---> 500 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr.
Laufzeit: 5 Jahre (bin mir nicht ganz sicher, ob für Anleihe und Optionen gleich) .
Bezugspreis für die Optionen: 115.
Beim aktuellen Preis von GS von 135 Dollar sind diese Optionsscheine also werthaltig. Der Wert der Optionsscheine dürfte irgendwo zwischen 1,5 und 2 Mrd. liegen. Die FTD kommt auf 1,2 Milliarden.

Damit hat Buffet effektiv nur 3 bis 3,5 Milliarden investiert und erhält dafür 500 Millionen Zinsen pro Jahr. Das ist ein Zins von 14 bis 17%(!).

Ich sage mal vorsichtig, dass eine solche Zinshöhe alles ist, aber eines auf jeden Fall nicht: Ein Zeichen für Vertrauen ...

The Big Picture: Berkshire to GS: "I Got $5 Billion, but Its Gonna Cost Ya"

Die FTD rechnet etwas anders und kommt zu einem etwas niedrigeren Wert der Optionen. Ein Zins von deutlich über 10% bleibt aber allemal.

FTD: Buffett und das Goldman-Schnäppchen

ifo Index weiter runter: 92,9 nach 94,8: Euro Rezession ante portas

Wieder schlechter als erwartet ... Erwartet wurde ein leichter Rückgang auf 94,1.

FTD: Wirtschaft bläst weiter Trübsal

Der Stimmungsindex der europäischen Einkaufsmanager von gestern war auch schon schlecht: 47,0 im September nach 48,2 im August. Damit notiert der Gesamtindex inzwischen deutlich unter der 50er-Marke, die die Grenze zwischen Rezession und Wachstum kennzeichnen soll. Einige Teilindizes sind sogar schon wieder auf Stände zurückgefallen, wie sie kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September erreicht wurden.

FTD: Euro-Zone rutscht in die Rezession
Aber unsere Politiker werden die Lage weiter schön reden (genau wie die Ökonomen die Lage zu lange schön gemalt haben und erst seit Kurzem die Wolken am Konjunkturhimmel richtig wahrnehmen). Oft wird auf den stabilen Arbeitsmarkt verweisen. Der Arbeitsmarkt ist aber ein nachlaufender Indikator, er reagiert erst sehr spät im Wirtschaftszyklus. Und wenn die Arbeitslosenzahl dann steigt, wird auch erst ignoriert, bis es nicht mehr geht und erst dann wird was gemacht. In seltenen Fällen sogar was Sinnvolles, wenn auch 2 Jahre zu spät ...

Hank Paulson == Gott? Rettungsplan == 10 Gebote?

Ein schönes Zitat aus einem Focus Artikel über die Verhandlungen zum Bankenrettungsplan BaB.

Kein Wunder, findet die demokratische Kongresspräsidentin Nancy Pelosi: „Die Wall Street hatte ihre Party. Die Party ist vorbei, und jetzt sollen die Bürger die Rechnung bezahlen.“

Finanzminister Paulson zuckt da nur mit den Schultern: „Sie machen sich Sorgen, dass die Steuerzahler am Haken hängen könnten?“, meint er zur Katerstimmung im Land und schiebt trocken nach: „Ach wissen Sie, die hängen doch schon längst am Haken.“
(Quelle: Focus: US-Finanzkrise„Der Steuerzahler hängt längst am Haken“)

Ist das jetzt Fatalismus? Oder einfach nur unglaubliche Arroganz?

Man wird das Gefühl nicht los, dass US- Finanzminister Henry Paulson genervt ist, wenn man ihm kritische Fragen stellt. Dass Paulson es als Frechheit empfindet, wenn demokratisch gewählte Volksvertreter nachfragen, wieso er auf der Basis von 3 Seiten Papier die Vollmacht über 700 Mrd. Dollar bekommen möchte und bei Transparenz und Kontrolle exakt NIX als Gegenleistung anbietet.

Ich habe meine Meinung zum Rettungsplan ja schonmal aufgeschrieben, allerdings in einem Artikel, der durch mehrfache Erweiterungen und intensive Verlinkung ziemlich chaotisch wurde. Daher vielleicht nochmal etwas übersichtlicher.

a) Die USA brauchen irgendwie sowas. Nur notleidende Banken auffangen, kann irgendwie nicht das Mittel sein. Allerdings frage ich mich auch, ob diese schlechte Möglichkeit u.U. nicht sogar besser ist als dieser Rettungsplan.
b) Das Volumen ist tendenziell zu niedrig. Vor allem wenn in der Verhandlungen mit dem Senat und dem Kongress die Anwendbarkeit von Hypotheken (und verbrieften Produkten darauf) auch auf Autokredite, Kreditkartenschulden, etc. ausgedehnt wird. Dann sind die 700 Mrd. wahrscheinlich zu wenig, auch wenn man berücksichtigen muss, dass es ja nicht darum gehen kann, alle faulen Schulden aus den Bilanzen herauszukaufen. Zahlungsausfälle sind ein natürlicher Teil des Bankengeschäfts.
Vor allem fehlen mir Stützungsmaßnahmen des Immobiliensektors. Denn da hat die Krise begonnen und auch nur da wird sie enden!
c) Die Transparenz des Rettungspakets ist absolut mangelhaft. Außer eines (nicht weiter definierten) Reports alle 6 Monate gibt es gar nichts. Das Programm ist so eine Frechheit.
d) Die Kontrolle des Rettungspakets über Gerichte wird ausgeschlossen. Auch das ist natürlich eine Frechheit. Das ist schlimmer als Guantanamo, da gibt es immerhin noch ein Gericht ....
e) Das Paket ist Moral Hazard im Quadrat. Bei einer Pleite einer Bank fliegt der Verantwortliche im Normalfall immerhin raus. Können die Verantwortlichen die Schrottanleihen und -hypotheken einfach verkaufen und der Bank geht's nachher wieder gut, passiert ihnen voraussichtlich nichts.
f) Es gibt keinen Besserungsschein für den Steuerzahler. Wenn die Banken die Papiere heute zu teuer an den Rettungsfonds verkaufen (sprich der Steuerzahler dafür zu viel zahlt), muss die Bank dafür nicht haften, Geld nachschießen oder Ähnliches. Das kann nicht sein. Der Verkäufer müssen für (einen Teil) der Verluste geradestehen.
Der Vorschlag, einen Debt-to-Equity Deal für diese Nachbesserung zumachen, ist ein sehr guter. Danach werden die Verluste, die die Papiere am Ende der Laufzeit haben, gegen Eigenkapital der Bank getauscht. Der Staat bekommt also Aktien als Ausgleich für den Verlust. Die neuen Aktien belasten die Bilanz der Banken nicht, sie verwässern nur das Eigenkapital der Altaktionäre. Die Altaktionäre werden aber genügend Druck auf den Vorstand ausüben, damit die Verwässerung so gering wie möglich bleibt. Was man durch möglichst realistische Preise beim Verkauf erreichen kann.

Wenn ich mir das zusammenfassend anschaue, ist das einzige positive an dem Plan, dass es einen gibt und dass das Volumen nicht von vornherein lächerlich klein ist. Alles andere ist aber ein Skandal und eine absolute Frechheit.

SO NICHT!

Wer sich übrigens richtig intensiv für das Thema interessiert, dem sei folgender Artikel bei Bronte Capital wärmstens ans Herz gelegt (und auch der Artikel über die japanische Bankenkrise und das PDF über die norwegische Bankenkrise):

Bronte Capital: The Norwegian bank collapse – a fixed currency model with a current account deficit

Da stecken intelligente Ideen drin. Das PDF ist aber weit über 200 Seiten dick und ich bezweifle, dass Paulson und Konsorten den Inhalt kennen ...

Warum die Welt Börsenblogs braucht ...

... damit man irgendwo noch die Worte "Meltdown", "Kernschmelze","Armagedon","freier Fall", etc lesen kann, wenn die Märkte gerade einen freien Fall hinlegen.

(ganz nebenbei kann man dann auch bereits im Juni 2007, als die Mainstreammedien noch in eitel Sonnenschein machten, schon die Warnungen lesen. z.B. Und mal wieder ein Update zur US-Immobilienkrise oder Anatomie einer Immobilienkrise oder Ist der erste Hedge-Fonds, der fällt, eine Bank? und auch lustige Fehleinschätzungen der Investmentbanker Goldman Sachs erwartet KEINE Zinssenkung mehr in den USA. Ganz nebenbei geht egghat short in China, hat demächst keine Probleme mehr mit dem Handy und freut sich über die Freilassung von Paris Hilton und lacht über den französischen Präsidenten Sarprosit. Schon lustig, in seinem eigenen Blog zurückzublättern. Aber ich schweife ab.).

Offensichtlich zensieren sich die US-Medien und selbst die angesehene "Times" selber. Bei Industrieunternehmen spricht man von Problemen mit Schulden, bei Banken aber nicht mehr.

Das Wall Street Journal will sich von Wörtern wie "Apokalypse", "Panik", usw. fernhalten. CNN will mit "Meltdown" und "Free Fall" sehr vorsichtig umgehen, etc.

Totschweigen ist also auch eine Lösung. Ich glaube, ich schreibe die Wörter ab sofort immer fett ...

NYT: Amid Market Turmoil, Some Journalists Try to Tone Down Emotion gefunden über
Gawker:Press Coddles Banks With Pulled Punches

Und wer nicht über meine Website kommt, sondern "nur" den RSS-Feed liest (und damit z.B. die häufigen Updates meiner Artikel und meine empfohlenen Artikel und meine Lieblingsblogs verpasst), bekommt hiermit mal die Liste meiner Lieblingsblogs im Bereich Wirtschaft:


Update (13:14):

The Big Picture hat die Story auch: The Big Picture: Have the Media Been Too Easy on the Finacials?

Update (30.9.08)
Marketwatch: Media shouldn't shy away from explosive language

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