Der Euro schlackert (und warum das vielleicht gar nicht schlimm ist)

Besser gesagt schlackert die Euro-Zone am Rand. Wie so Imperien halt sind ... Sichtbar wird der Verfall immer zuerst an den Außenposten.

Das Thema habe ich schon ein paar Mal angeschnitten und mit den letzten Warnungen von S&P nochmal aufgegriffen (piGs News: A- , S&P Warnung auch nach Portugal , Spanien vor Herabstufung durch S&P). Das Thema ist so spannend, dass ich sicherlich darüber weiter berichten werde.

In diesem Zusammenhang heute ein Hinweis auf das Blog von Willem Buiter, der gegen die übliche Meinung diskutiert und meint, dass die Ausweitung der Spreads innerhalb der Eurozone sogar gut sei. Ich würde es nicht verlinken, wenn nicht ein wirklich interessanter Denkansatz enthalten wäre.

Meine Idee formuliert Buiter zwar nicht aus, aber dafür bin ich ja da ;-) (An dieser Stelle dürftees sinnvoll sein, den Originalartikel erstmal zu lesen: Willem Buiter: Sovereign default in the eurozone and the breakup of the eurozone: Sloppy Thinking 101).

Ich habe in der Konstruktion des Euros immer ein großes Problem gesehen: Der Euro hat zwar Richtlinien (3% Obergrenze bei der Staatsverschuldung), aber bei Verletzung dieser Richtlinie gibt es keine (sinnvollen) Strafen, sei es eine Geldstrafe, sei es ein Rauswurf aus dem System. Damit sind die Richtlinien eigentlich nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen.

Wenn jetzt aber die Märkte von Schuldnern wie Griechenland höhere Zinsen verlangen (und das nicht nur eine temporäre Marktverwerfung ist), hätten wir diesen Sanktionsmechanismus! Wer viele Schulden macht und unsolide wirtschaftet, muss höhere Zinsen zahlen. So wie früher auch, ob nun innerhalb der Eurozone oder außerhalb.

OK, direkt betrifft das "nur" den Staat selber, denn zumindest die großen griechischen Unternehmen (und Banken) können sich das Geld zum "normalen" europäischen Zins im Ausland besorgen, ohne auf Wechselkursrisiken Rücksicht nehmen zu müssen. Es könnte damit womöglich sogar der seltsame Fall entstehen, dass ein griechisches Unternehmen bester Qualität niedrigere Zinsen bezahlen muss als der griechische Staat (gibt es in den USA auch:Mr. Mac Donald schlägt Onkel Sam.).
Das Länderrisiko dürfte so nur teilweise auf das allgemeine griechische Zinsniveau durchschlagen. Bei einer eigenen Währung käme immer noch das Währungsrisiko oben drauf.
Kurz zusammengefasst: Die Strafe für einen unseriösen Staatshaushalt sind innerhalb der Eurozone nicht so hoch wie sie außerhalb mit einer eigenen Währung wäre. Aber die Strafe tut dort weh, wo es den Politikern am meistens schmerzt: im eigenen (Staats-)Haushalt. Und - nicht ganz unwichtig - es gibt immerhin eine Strafe, entgegen meiner ursprünglichen Auffassung.

Diese Strafe des Markts erhöht am Ende die Stabilität des Euro sogar, weil die Politiker zum Spare gezwungen werden.

Übrigens: Für eine Verlinkung hätte auch der coole Schlusssatz von Buiter schon ausgereicht: Es ist wahrscheinlicher, dass Schottland das Pfund verlässt als dass ein Land aus der Eurozone geht. (Das würde mich wirklich mal interessieren, ob das geht. Immerhin heisst die Bank of England ja England und nicht UK. Irgendwie habe ich dieses Konstrukt UK noch nicht durchschaut. Weiss da jemand mehr?)

Willem Buiter: Sovereign default in the eurozone and the breakup of the eurozone: Sloppy Thinking 101

P.S. Noch eine interessante Zahl aus dem Artikel: Die österreichischen Staatsanleihen werfen 88 Basispunkte (sprich 0,88%) pro Jahr mehr ab als die Bundesanleihen. Finde ich ziemlich viel.
Man kann es IMHO ruhig mal wiederholen: Die deutschen Staatsanleihen werden im Moment mit den niedrigsten Renditen und den niedrigsten Preisen für die CDS bedacht. Deutschland gilt aktuell also als bester Schuldner der Welt.

P.P.S. Auch Buiter findet es überraschend, dass sich beim Rating von Italien noch nichts getan hat. Aber hier liegt die Betonung wohl auf dem "noch".

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