Deutsche Bank hat kein Geld und kauft die Postbank

Jaja, wenn man nur gewieft genug ist, geht das ;-)

Der Deal zur Postbank-Übernahme ist jetzt neu verhandelt und durch. Die Deutsche Bank hat dabei den Bargeld-Anteil von 2,2 auf 1 Mrd. Euro reduziert.
Die ersten 22,9% an der Postbank bekommt die DeuBa jetzt im Tausch gegen eine gut 8% Beteiligung durch die Post.
Im zweiten Schritt gibt es weitere 27,4%, die über eine Zwangswandelanleihe abgewickelt werden. Fällig wird diese nach drei Jahren.
Im dritten Schritt gibt es Kaufoptionen in Höhe von 12,1% des Postbank Grundkapitals, die 3 bis 4 Jahre laufen. Insgesamt hält die Deutsche Bank dann 62,3% an der Postbank.

(Eigentlich müsste die Deutsche Bank damit auch die 30% Grenze gerissen haben und damit ein Pflichtangebot abgeben. Das muss die DeuBa aber nach Aussage in der Telefonkonferenz nicht, weil sie den Anteil aus dem ersten Schritt ja wieder verkaufen könnte ...)

Damit hat die Deutsche Bank die Bargeldbelastungen relativ weit in die Zukunft geschoben. Und der Grund ist einfach: Nach dem Rekordverlust von heute morgen (Zahl des Tages (14.1.09): 4.800.000.000) ist die Eigenkapitaldecke der Deutschen Bank EXTREM angegriffen.

Wobei etwas unklar ist, wie stark. Die DeuBa selber in der Presseinformation:

"At the same time, we continue to pursue our declared strategy of strengthening our capital base and keeping a BIS ratio (Tier 1) of about 10 percent."

10% also laut
Deutsche Bank: Deutsche Bank and Deutsche Post adjust structure of Postbank contract

In der Pressekonferenz wird aber eine Core Tier 1 Ratio von 7% genannt.

FT Alphaville dagegen zitiert einen Analysten von der RBS mit einem klaren "Verkaufen". Dieser berechnet die Tier 1 Ratio (Eigenkapital) auf nur 5,6% (nach 7,1%). Darin ist die Verbesserung des Postbank Deals, der 1,2 Mrd. Euro Tier 1 Kapital spart. Das gleicht aber nur ein Viertel des Verlustes aus. Das Tier 1 Ratio dürfte damit bei nur 6% liegen und das ist deutlich zu wenig. Im Gegenzug ergab sich Ende des dritten Quartals ein Hebel der Deutschen Bank von 34, was in etwa doppelt so hoch ist wie das der US-Konkurrenten. Die Deutsche Bank betont zwar, dass das Risiko in der Bilanz massiv reduziert wurde, eine neue Größenordnung habe ich aber noch gehört/gelesen. Die andere Frage wäre auch in wie weit die Übernahme der Postbank das Tier 1 Ratio verbessern würde (wurde in der Telefonkonferenz gefragt, aber IMHO nicht wirklich beantwortet). Allerdings wurden in der Telefonkonferenz die 7% nochmal betont. Das kann natürlich passen, wenn die Bilanz weit genug reduziert wurde.

Die Deutsche Bank betont natürlich, dass sie kein Geld des Rettungsfonds braucht, etc. Man wird sehen, ich kann mir aber nicht glauben, dass die 6% ausreichen. Irgendwas muss die Deutsche Bank machen. Das Geld wie die Commerzbank zu leihen, mag keinen Sinn machen, weil die Zinsen dafür höher sind als die, die Deutsche Bank aktuell am Kapitalmarkt zahlt, aber aber aber das kann sich SCHNELL ändern. Verdammt schnell. Mal schauen, was die CDS heute Abend oder morgen sagen.

FT Alphaville: Analysts: Sell DB

Spiegel: Ackermann stabilisiert Deutsche Bank mit riesigem Post-Aktiendeal

Boerse.ARD.de: Der blau-gelbe Deal ist perfekt

(Telefonkonferenz läuft noch, aber wahrscheinlich kommt nichts Spannendes mehr ...)

Update (15:30):

Eine Sache, die FT Alphaville auch schon hatte. Der Verlust der Deutschen Bank scheint zu sehr großen Teilen aus dem Eigenhandel zu stammen. Ein Analyst hat in der Telefonkonferenz ein "Guesstimate" von 6(!) Milliarden Euro abgegeben.

Kommentare :

  1. diese chuzpe muss man erst mal aufbringen.

    geil.

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  2. Die Commerzbank hat's auch versucht ...

    Too big too fail. Wenn man es nicht ist, muss man es schnell werden. ( wobei das bei der DeuBa nicht stimmt)

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  3. Keine Bank wird mehr ungeordnet fallen. Citi, Lloyds, Barclays, RBS, BoA, Deutsche, Dresdner mögen vielleicht technisch insolvent sein, die Staaten werden jedoch verstaatlichen, bis zum Staatsbankrott jedenfalls.
    Danach versinken die sozialen Systeme in Schutt und Asche und das Chaos wird herrschen und alles vernichten, woran die Menschen glaubten. Danach wird Nichts sein. Ich habe ein etwas mulmiges Gefühl...

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  4. Es gibt danach nix?!? Nöh, so viel Angst musst du nicht haben.

    Danach gibt es immer noch Häuser, Autos, Land, Gold, ...

    "Nur" das Geld ist weg.

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  5. Ja die deutsche Bank steht wohl doch nicht so gut da, wie uns der Herr Ackermann glauben lassen wollte.

    Die Frage ist, war das bereits abzusehen, wie es um die Deutsche Bank steht?

    Warum hat der Chef des Bereichs "Global Markets" Anshu Jain bereits im August ein riesen Aktienpaket der Deutschen Bank verkauft, nachdem sich die Kurse wieder einigermaßen erholt hatten.

    Da liegt doch der Verdacht nahe, dass hier wohlwissend Geld gerettet wurde, oder nicht?

    Hier habe ich einen interessanten Artikel dazu gefunden:

    http://www.sharewise.com/news_articles/860-AnshuJain-DeutscheBank-DirectorDealing

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