Porsche-VW-MAN-Scania: Wer blickt da noch durch?

Die FTD hat einen interessanten Artikel zum Themenkomplex Porsche-VW und MAN-Scania.

Darin werden ein paar interessante Fragen gestellt. Porsche hat ja vor kurzem die Mehrheit an VW übernommen. Damit muss Porsche jetzt die Tochter VW in der eigenen Bilanz konsolidieren. Wertansatz für VW ist der Aktienkurs von Montag von knapp 300 Euro. Dieser Kurs liegt deutlich über dem Buchwert von VW. Auf VW umgerechnet ist der Wertansatz in der Porsche-Bilanz 23 Milliarde Euro höher als der Buchwert. Nach Aussage der FTD *muss* Porsche diese Differenz abschreiben. Das würde bedeuten, dass Porsche auf Jahre hinaus keinen Gewinn mehr erzielen würde, weil die Abschreibungen den Gewinn auffressen. Keine Ahnung, warum Porsche das macht. Ist das ein neues Steuersparmodell?

Die zweite Frage zu dem Thema ist: Stimmt die Aussage, dass abgeschrieben werden muss? Ich meine mich zu erinnern, dass Beteiligungen mit dem Fair Value in die Bilanz eingehen. Es wird also jedes Jahr eine neue Wertberechnung für die Töchter gemacht und nur dann abgeschrieben, wenn der Wert gesunken ist. Aber nicht grundsätzlich (das war IIRC früher mal so, aber diese "Zwangsabschreibungen" hat man im Rahmen des Platzens der Internetblase abgeschafft).

Der zweite Teil der seltsamen Geschichte ist die Erhöhung der Beteiligung von MAN an Scania. An Scania hält VW die Mehrheit. VW hält aber auch einen Anteil an MAN. Wieso kauft jetzt nicht VW direkt die Aktien, sondern MAN? Soll MAN zur LKW Holding werden und auch Scania bekommen (sprich von VW abkaufen)?

Ganz nebenbei muss Porsche jetzt ein Pflichtangebot zur Übernahme von Scania vorlegen. Dadurch wären zwar "nur" 3 Milliarden Euro fällig, aber beim aktuellen Kapitalmarktumfeld ist das viel Geld.

Bei allen vier Aktien würde ich Vorsicht walten lassen. Hier können die Großaktionäre die Beteiligungen und Gewinne bzw. Verluste fast nach Belieben hin- und herschieben. Für das Gesamtkonstrukt ist das am Ende ziemlich egal, aber wer nur eine Aktie aus dem Konstrukt im Depot hat, schaut möglicherweise irgendwann mal ziemlich blöd aus der Wäsche ...
Der angeblich noch immer schwelende Machtkampf zwischen Ferdinand Piech auf der einen Seite und dem Rest des Piech/Porsche-Klans und Porsche-Chef Wiedeking auf der anderen Seite kann jederzeit für weitere Überraschungen sorgen.

Komische Verwerfungen gab es ja schon genug. Letztendlich einer der Auslöser für Adolf Merckles Selbstmord.

FTD: Die Porsche-Saga bleibt nebulös

1 Kommentar :

  1. Mein IFRS-Wissen ist nicht sonderlich hoch, aber unter voller Konsolidierung verstehe ich die Kapitalkonsolidierung, wonach eine Neubewertung der gesamten Vermögen und Verbindlichkeiten erfolgt, eine aktivische Differenz (um die geht es hier ja wohl) wird dann als Firmenwert ausgewiesen, welcher nachfolgend wiederum Werthaltigkeitstests zu unterziehen und plan- bzw. außerplanmäßig abzuschreiben ist.

    ts

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