Spanien vor Herabstufung durch S&P

Die Ratingagentur droht Spanien mit einer Herabstufung der spanischen Staatsanleihen. Der Hauptgrund ist die tiefe Wirtschaftskrise, durch die Spanien gerade geht. Auslöser war der unglaubliche Immobilienblase, die sich seit dem Euro-Beitritt aufgebaut hat. Standard & Poors erwartet, dass die Krise ein schwächeres Wachstum auch in der Zukunft nach sich ziehen wird. Und das ist wahrlich kein gutes Zeichen für ein Land, das bereits 2008 ein Haushaltsdefizit von fast 10% des BIPs eingefahren hat.

Der Markt antizipiert auch etwas davon. Die 10-jährigen spanischen Staatsanleihen rentieren mit 0,9 Prozentpunkten mehr als das deutsche Äquivalent.

Im Telepolis Artikel stehen noch viele andere interessante Zahlen. Zum Beispiel die Tatsache, dass in Spanien die Arbeitslosigkeit schon seit 16 Monaten steigt und inzwischen bei 14% angekommen sein dürfte.

Und in einem weiteren Artikel zitiert die FTD aus einem internen Papier der EU-Kommission, in dem die internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Staaten untersucht wird. In der Spitzengruppe Deutschland, Finnland, Österreich, die Niederland und Luxemburg. Frankreich und Italien folgen erst in der unteren Hälfte. Besonders schlecht ist die Lage in Spanien, Portugal und Griechenland.

Grund für den Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit seien mangelnde Investitionen in Bildung und Forschung. Hier sieht die EU-Kommission Italien als stark gefährdet an. Aber wenn Silvio Berlusconi wirklich meint, dass er den Staatshaushalt durch Einsparungen im Bildungssystem sanieren zu müssen, ist Italien auch nicht zu helfen (siehe auch: Rauchen für die Gesundheit auf Italienisch).

Ich bleibe bei meiner Meinung und äußere das Unvorstellbare: Der Euro steht in der aktuellen Krise vor seiner ersten halbwegs ernsten Bewährungsprobe. Sollte es wirklich zu einer Weltwirtschaftskrise II kommen, wird der Euro in der aktuellen Form nicht überleben. Und die Kandidaten für den Rauswurf heißen PIGS: Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. Diese haben sich in der Vergangenheit immer über Währungsabwertungen "gerettet" und werden auch dieses Mal nur diese Möglichkeit haben. Nur geht das nicht, solange die im Euro sind.

Marketwatch: Spain's bond rating may be downgraded, S&P warns

Telepolis: Spaniens wirtschaftlicher Absturz beschleunigt sich

FTD: Exklusiv Eurozone driftet auseinander

Update (13.1.09)

Auch die Ratings von Griechenland und Irland haben bereits am Freitag einen negativen Ausblick von S&P bekommen. Noch keine Herabstufung, aber wenn eine Ratingänderung kommt, dann zeigt sie nach unten.

Update 2 (12.1.09)

Als Nachtrag nochmal ein kleiner Spaß mit einem Fake-Interview mit dem italienischen Wirtschaftsminister Tremonti:

FTD: Carla Bruni musse unbedingte in BIP!

Übrigens ist das Interview nicht aus dem luftleeren Raum entstanden, denn der italienische Wirtschaftsminister hat sich tatsächlich hingestellt und behauptet, dass die italienische Wirtschaft gar nicht geschrumpft sei. Erstens sei die Schwarzarbeit (!) nicht eingerechnet und zweitens die Wirtschaftsleistung der italienischen Firmen im Ausland nicht. Der erste Punkt mag ja noch unter Obskurität abzuheften sein, der zweite Punkt offenbart aber eine erschreckende Unkenntnis der Berechnung des BIPs. Es steckt ja schon im Namen BruttoINLANDSprodukt, dass da keine Auslandsniederlassungen mitgezählt werden können oder sollen. Angesichts solcher Aussagen und der italienischen Sparpolitik im Bildungswesen kann man fast aufhören, sich Sorgen um Italien zu machen. Es scheint eh aussichtslos zu sein ...

Update 2 (13.1.09)

Noch ein Hinweis auf einen Artikel bei FT Alphaville:

FT Alphaville: So begin the (serious) sovereign downgrades…?

Kommentare :

  1. Alles soweit richtig, allerdings glaube ich nicht an einen "Rauswurf" der PIGS, sondern ein "freiwilliges" Ausscheren aus dem Euro, damit sie wie in der Vergangenheit, und wie von Dir richtig angemerkt, ihre Probleme weg inflationieren können. Diese Grenze von max. 2% Schulden stört da nur.

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  2. OK, Rauswurf war zugegeben sehr schlampig formuliert. Italien hat ja schonmal mit einem Austritt gedroht. Ich frage mich zwar, wo genau die Drohung ist, aber das sieht der Silvio wohl anders ...

    Die Schuldengrenze ist defakto (im Moment oder für länger) total irrelevant. In Deutschland wurde vor ein paar Jahren noch über 3,7% gejammert als wäre es der Weltuntergang und die Spanien produzieren dieses Jahr einfach 10% Minus.

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