TAZ: Globalisierung ist richtig und der Staat kann nicht alles retten

Das mag manche überraschen, dass der Artikel gerade in der TAZ erscheint ...

Daraus ein paar Ausschnitte:

Der Beweis, dass üppige Ausgabenprogramme gegen die Krise wirklich helfen, wurde damit nicht erbracht. Einig sind sich die Wirtschaftshistoriker nur in einem: Fatal war vor fast achtzig Jahren die Neigung fast aller führenden Politiker, die nationalen Märkte voneinander abzuschirmen. Schon damals galt die zunehmende Verflechtung der Finanz- und Warenmärkte als ein wesentlicher Auslöser der Krise. Doch brachte die Abschottung nicht den erhofften Aufschwung, vielmehr vertiefte sie die Depression.
IMHO eine sehr richtige Analyse. Konjunkturprogramme sind sehr umstritten, darauf habe ich schon einige Male hingewiesen (u.a. hier: US-BIP und meine Kritik an Konjunkturprogrammen). Mir ist völlig schleierhaft, wieso auf einmal ALLE (Vulgär-)Keynesianer sind. Auch die, die vor der Krise neoliberal bis zum Erbrechen waren. Denn die einzige sichere Wirkung von Konjunkturprogrammen sind steigende Staatsschulden. Die negative Folge ist sicher, die positiven sehr wacklig. Warum versucht man das immer wieder, vor allem nachdem sich Jahre lang alle einig waren, dass man keine Konjunkturpakete schnüren soll?

Das aktuelle Gerede über die Stärke des Staates wird sich rasch relativieren, sobald die Krise auf die öffentlichen Haushalte zurückschlägt. [...] Hinzu kommen dann noch die Etatlöcher, die durch verfrühte und teils sinnlose Konjunkturprogramme gerissen werden, erst recht durch etwaige Steuersenkungen auf Wunsch der CSU. Überdies entstehen zusätzliche Kosten für den Schuldendienst, wenn die Zinsen alsbald wieder steigen - was angesichts international wachsender Staatsverschuldung nicht unwahrscheinlich ist.
Und hier erwähnt Ralph Bollmann die Wirkung, vor der ich wirklich Angst habe: Steigende Schulden, die dann durch das höhere Angebot an Staatsanleihen zu steigenden Zinsen führen. Dann wird das Staatsdefizit, das zu 3% noch vertretbar erschien, bei 6% schnell unfinanzierbar. Sollte dann die Angst vor der Deflation schwinden und die Käufer von Staatsanleihen auch wieder eine Rendite verlangen, können die Zinsen (auch im Zusammenhang mit einer steigenden Inflation) schnell noch höher steigen. Und dann wird es eng für den Staat ...

Ich rede hier natürlich nicht vorrangig von relativ seriös wirtschaftenden Staaten wie Deutschland, sondern von den vielen anderen, die höhere Haushaltsdefizite in Kombination mit hohen Handelsbilanzdefiziten haben. Und Länder, in denen die Krise wahrscheinlich (noch) schlimmer wird, weil die Bürger vorher nicht gespart haben, gleichzeitig hohe Schulden haben und tagtäglich zusehen müssen, wie ihre Immobilie weniger wert wird.

TAZ: Simulierte Souveränität

Kommentare :

  1. ...wie zum Beispiel Spanien.

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  2. oder UK oder USA oder einige Osteuropastaaten

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  3. Hi,

    schön noch jemanden zu finden, der auch die Ausgabenprogramme für gefährlich hält. Wohin die Ausgabenprogramme führen kann man auch hier sehen:

    http://verlorenegeneration.wordpress.com/landerisiken-im-uberblick/

    Die Kreditwürdigkeit einiger Länder hat schon gelitten. Bei den USA sehe ich auch akute Gefahr von zweistelligen Inflationsraten und einem Dollar-Crash.

    Deutschland steht dank der Reformen und Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre recht gut dar.

    BG
    ketzerisch

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  4. Jackowski: Ein Etat, der zweimal nachgebessert wird. Die erste Erschütterung findet im Übergang vom Januar zum Februar statt, und dann erfahren wir, wie diese Krise ausschauen wird.

    Frage: Und wie wird sie aussehen?

    Jackowski: Die schwere Krise findet hauptsächlich zwischen Januar und März statt – in Form von vielen Entlassungen, Stillstand in zahlreichen Branchen, die Wirtschaft gerät ins Stocken. Zwischen Januar und März werden die Polen die Krise kennenlernen.

    ach ja die israel krise wird sich auch ausweiten zu größerem konflikt

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  5. tach auch,

    wieso zieht denn nie jemand in betracht, dass die schulden überhaupt nicht zurückgezahlt werden sollen? der euro ist passe und wird zu einer verrechnungseinheit verkommen, der gegen die neue währung abschmiert und dann kann man jeglichen schuldenbetrag bequem zurückzahlen. natürlich muss das volk erst leiden, bevor man den babyboomern erzählen kann, dass ihre ersparnisse weg sind und deshalb ist der weg der krise und die dauer vorgezeichnet.

    gruss - u.

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