Ab Mittwoch wird verstaatlicht!

Nicht Opel, nicht in Deutschland, sondern der Bankensektor in den USA. Wobei die beiden ersten Sachen auch noch kommen ...

Damit scheinen sich die Prognosen der Beobachter zu bewahrheiten, die schon seit Monaten am Ende die vollständige Verstaatlichung des Bankensektors sehen. Vor 6 Monaten waren Roubini, Taleb, Whitney, etc. noch exotische Außenseiter, heute sind sie fast schon Mainstream. Obwohl der Mainstream wahrscheinlich die vollständige Verstaatlichung am Ende des Prozesses immer noch nicht wahrhaben will. Es wird aber so enden. Zumindest wenn man für das Geld des Staates eine Gegenleistung (also Kapitalbeteiligung) verlangt. Und das hat US-Finanzminister Geithner jetzt vor.

Über das Wochenende gab es einige Gerüchte um die Citigroup und eine weitere Stützungsaktion des Staats gegen eine höhere Beteiligung. Scheinbar ist das aber keine Speziallösung für die Citibank gewesen, sondern Teil des Bankenrettungsplans, dessen Details bei der Vorstellung vor etwa 2 Wochen komplett unklar blieben. Das Programm steht auch allen anderen Banken offen.

Der Kapitalbedarf wird dabei nicht von den Banken festgelegt, sondern durch die Stresstests, denen sich die Banken aktuell unterwerfen müssen. Haben die Banken danach einen Kapitalbedarf, können sie erst versuchen, selber Geld einzusammeln. Schaffen sie das nicht, springt der Staat in die Bresche. Dabei kauft er zuerst stimmrechtlose Aktien, die aber nach einer gewissen Zeit automatisch in Aktien mit Stimmrecht umgewandelt werden, wenn die Bank die Aktien nicht vorher zurückkaufen kann.

Das Positive an dem Programm ist ganz klar, dass der Staat nicht weiterhin Geld ausgibt, ohne dafür Gegenleistung zu bekommen. Von daher ist das Programm auf jeden Fall besser als zum Beispiel die unsägliche Rettungsaktion für die Hyporelestate.

Die Börsianer reagieren positiv auf die Nachricht, weil das Thema kurzfristige Enteignung vom Tisch ist. Meiner Meinung nach werden am Ende des Prozesses die meisten Banken aber sowieso verstaatlicht sein. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben ...

FTD: USA bereiten Masseneinstieg vor

Update (16:59)

Link zur Originalpressemitteilung:

Federal Reserve: Joint Statement by the Treasury, FDIC, OCC, OTS, and the Federal Reserve

Update (22:45)

Marketwatch: Stress test could lead to some bank nationalization

Kommentare :

  1. Zustimmung Egghat!

    Bankensektoren der verschiedenen Staaten werden verstaatlicht.
    PLURAL!

    Wenn man - wie Du schon richtig schriebst - "Rendite" und Stimmrechte fürs Steuergeld haben möchte, wird es nicht anders gehen.

    Und Ruhe im Bankensektor gibt es auch nur so.

    Wie siehst Du da speziell Deutschland?

    Kann eine Deutsche Bank da wirklich eigentständig am Rand stehen, wenn Citi und alle anderen großen verstaatlicht werden?

    Coba sehe ich als Kandidat an, HRE kommt demnächst.

    Großbritannien sind wir ja schon sehr weit, interessant wird noch Osteuropa, weil die allein nicht die Mittel haben - EuroBond fast schon sicher.

    Und der EuroBond könnte eine positive erneute Abstimmung über den Lissabon Vertrag in Irland zumindest begünstigen, denn lange machen die es ja auch nicht mehr.

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  2. HRE und CoDreBa sind eigentlich keine Diskussion mehr wert. Die CoBa hat sich im Rückblick schon mit der Eurohyp überhoben, die DreBa kann die gar nicht stemmen. Und die HRE müsste schon lange verstaatlicht sein.

    Was den Dominoeffekt angeht, muss man eines bedenken: Jede verstaatlichte Bank macht die anderen einen Tick sicherer. In dem Moment, in dem die HRE verstaatlicht ist, ist jeder Pfandbrief der HRE wieder AAA. Das senkt das Risiko in den Büchern von allen anderen Banken.

    Zumindest so lange, wie sich dabei kein Staat übernimmt. Und genau das droht. Irland, Lettland, Litauen, Ukraine, Ungarn, ...

    Ich befürchte, wir müssen uns nicht mehr um Bankenpleiten Gedanken machen, sondern über Staatspleiten ...

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  3. Wo du es schon ansprichst: ist Litauen nicht sogar noch der stabilste Staat im Baltikum bzw. sogar in der Region?
    Hat ihnen wohl geholfen, dass sie nicht ähnlich stark auf die Finanzwirtschaft gesetzt haben wie Estland und Lettland. Obzwar sie in letzter Zeit "sanfter" gewachsen sind, sind sie jetzt wohl auch weniger betroffen (noch besser wäre allerdings gewesen, wenn sie die EU-Inflations-Kriterien erreicht hätten und vom € profitieren könnten).
    Wie immer hat aber auch hier das gesunde Mittelmaß seinen Dienst getan :-)

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  4. Du hast Recht. In meiner Faulheit alle drei baltischen Staaten aufzuzählen, habe ich genau den stabilsten genannt. ABER das ist im Moment sehr relativ, auch Litauen steht auf Herabstufung bei den Ratingsagenturen

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