Ein Rentenhändler packt aus

Ich hatte vor einer Woche etwas interessantes im Heibel-Ticker von Stefan Heibel gefunden, leider keine Zeit gehabt was dazu zu schreiben: Dort zitiert er einen Schriftwechsel mit einem seiner Leser, der seit 25 Jahren Wertpapierhändler und seit 12 Jahren selbständiger Wertpapiermakler mit Schwerpunkt Rentenhandel ist.

Ich habe mich schon was länger gefragt, wann die ersten (Lebens-)Versicherungen (ausgenommen AIG), in Anbetracht der aktuellen Lage am Finanzmarkt, in die Schlagzeilen geraten wird, da ich die Befürchtung habe, dass diese genauso wie Banken, toxische Papiere in ihren Büchern haben.

Meine Befürchtungen haben sich durch die Aussagen des Händlers bestätigt. Die Lebensversicherungen sind "bis zur Halskrause voll" mit diesen strukturierten Papieren, die im Moment unverkäuflich sind. Er nennt für das Problem ein konkretes Beispiel:

Noch 2006 herausgegeben an eine Versicherung - heute völlig unverkäuflich:
2 Jahre Verzinsung zu 4% bis zum 25.05.2008 danach Faktor 5,4mal (30-Jahre Swap minus 2-Jahre Swap) mindestens 0% max.7%. Laufzeit bis 25.5.2020.

Bei einer inversen Zinsstruktur - so wie wir es jetzt einige Zeit hatten, fliegt Ihnen das Ding um die Ohren. Also 0% Verzinsung. Gut werden Sie jetzt sagen, dann bleibt immer noch das eingesetzte Kapital. Nur da war sehr oft Lehmann der Emittent. Also wertlos. Selbst wenn es Goldmann oder Merrill Lynch war, für Namenspapiere die ungedeckt sind, werden mittlerweile von keiner Bank der Welt mehr Rücknahmekurse gestellt. Sprich: Die Versicherung hat bis zum 25.5.2020 einen 0%er im Bestand zu wahrscheinlich 30-50 Mio Euro (das waren bei Versicherungen die Durchschnittsgrößen pro Position(!!!)) und die Papiere sind bis dahin völlig unverkäuflich.

Und mit sehr viel Glück existiert dann noch eine Goldmann und mit noch viel mehr Glück zahlt das Goldmann dann zumindest zum Nennwert zurück. Wobei eine übernehmende Bank für solche Forderungen im Normalfall einen Ausschluss bei der Übernahme beantragt. Nur die gesicherten und gedeckten Papiere werden in so einem Falle bedient.


Anhand der zitierten Passage wird das Dilemma der Lebensversicherer ziemlich deutlich. Die Versicherer können natürlich nicht öffentlich zugeben, dass sie solche Papiere in den Büchern haben, da dadurch wahrscheinlich ein "Versicherungs-Run" ausgelöst wird, der in der Gesichte seines gleichens sucht, was zwangsläufig zum Kollaps der Versicherungen führen würde, wenn wir als Steuerzahler nicht wieder Erste-Hilfe leisten. Auch würde dann kein vernünftiger Mensch mehr einen neuen Vertrag bei einer Lebensversicherung abschließen. Die sind aber auf neue Kunden angewiesen, da diese die fälligen Lebensversicherungen finanzieren, was wiederum zum Kollaps der Versicherungen führen würde. Es sollte also niemanden, der das gelesen hat, wundern wenn in nächster Zeit auch Lebensversicherungen, negative Schlagzeilen verursachen. Die Bombe tickt schon etwas länger, nur weiß niemand wann sie explodiert, zum entschärfen ist es jedenfalls zu spät.

Es lohnt sich jedenfalls den gesamten Schriftwechsel sich zu Gemüte zu führen, zu finden im Archiv des Heibel Tickers. Ab Kapitel 5 geht es los.

Euer m106

Kommentare :

  1. 05.02.2009 | Pressemeldungen
    Lebensversicherung trotzt Finanzmarktkrise mit Beitragswachstum
    http://www.gdv.de/Presse/Pressemeldungen_2009_Uebersichtsseite/inhaltsseite23263.html

    Ich denke, dass dieser Rentenhändler mit seinem Swap-Scheinwerfer die deutschen Versicherer auch nicht annähernd durchschaut. Wer sich mit den deutschen Versicherern ein wenig beschäftigen würde, wird einige Erkenntnisse gewinnen, wo die eigentlichen Probleme liegen. Man würde eine Erklärung dafür bekommen,warum das Überleben der Hypo Real Estate so wichtig ist...

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  2. Off Topic:
    Wann ist der BaFin erstmalig aufgefallen, dass die von den Landesbanken
    aufgenommenen Mittel in keinem Verhältnis zu der Kreditvergabe stehen?
    Im gesamten Zeitraum ab dem Jahr 2001, das heißt auch schon vor dem Wegfall
    der Gewährträgerhaftung und Anstaltslast, haben die aufgenommenen Mittel die
    Kredite an Nicht-Banken deutlich überschritten. So überstieg 2001 der Bestand
    der aufgenommenen Mittel (verbriefte Verbindlichkeiten, Verbindlichkeiten
    gegenüber Nicht-Banken) die Kredite an Nichtbanken um 43 Prozent und im
    September 2008 um 58 Prozent. Zur bankaufsichtlichen Reaktion siehe Beantwortung
    der Frage 2. Zu berücksichtigen ist, dass die Höhe der aufgenommenen Gelder und deren Anlage auch durch die Liquiditätsausgleichsfunktion der Landesbanken
    für die angeschlossenen Sparkassen bestimmt werden.
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/116/1611621.pdf

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  3. Man with a tape recorder up his brother's nose08 Februar, 2009 13:03

    Also wenn ich von der Hannover Rück lese, sie "übernehme von dem auf den Bermuda-Inseln ansässigen Mitbeweber Scottish Re das Rückversicherungsportfolio des niederländischen Finanzkonzerns ING Groep" dann wird mir aber ganz anders. Aus der gesamten Branche werde ich mich mal schön raushalten.

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  4. "Auch würde dann kein vernünftiger Mensch mehr einen neuen Vertrag bei einer Lebensversicherung abschließen. Die sind aber auf neue Kunden angewiesen, da diese die fälligen Lebensversicherungen finanzieren, was wiederum zum Kollaps der Versicherungen führen würde."

    Keine Panik. Genau das ist doch die Funktionsweise der gesetzlichen Rente. Wird alles einfach verstaatlicht und eingegliedert.

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  5. @olaf
    entweder verstehe ich deinen Sarkasmus oder die staatliche Rente nicht: Wie war das nochmal mit Riester?

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