Russland herabgestuft

Jetzt laut Fitch nur noch BBB nach BBB+. BBB- (nur noch eine Stufe niedriger) ist die letzte Stufe mit Investmentqualität. Und der Ausblick von Fitch blieb auch nach der Herabstufung auf negativ.

FT Alphaville: Russia: From rags to riches to rags

Bei den CDS ist hingegen kaum was passiert. Diese haben die Senkung wohl vorweggenommen.

FT Alphaville: CDS update: Traders shrug off Russia downgrade

Die Hauptursache für die Probleme von Russland sind natürlich die sinkenden Preise für Öl und Gas. Es werden für 2009 nur noch maximal 0% Wachstum erwartet (S&P erwartet sogar 2% Minus), die Steuereinnahmen sollen um 40% einbrechen.

Marketwatch: Russia's economic growth slows; ruble weakens

Aber damit hören die Probleme nicht auf. Russland setzt relativ viel Geld ein, um den Rubel zu stabilisieren, bekommt aber trotzdem die Kapitalabflüsse nicht in den Griff. Noch im letzten Sommer waren die Devisenreserven mit fast 600 Milliarden Dollar extrem komfortabel. Jetzt sind es "nur" noch knapp 400 Milliarden. Von dieser Summe träumen die meisten Länder zwar, aber die Geschwindigkeit des Rückgangs ist schon extrem. Es ist immerhin fast ein Drittel der Devisenreserven in nur einem halben Jahr "verdampft".

Vielleicht sollte Moskau auch seine Politik überdenken. Denn die Geldabflüsse sind auch ein Ausdruck von Angst. Enteignungen wie bei Yukos (oder Erschießungen oder soll man sagen Hinrichtungen auf offener Straße) sind für das Vertrauen in Russland nicht hilfreich. Es wäre niemand wirklich überrascht, wenn Russland Zwangsanleihen auflegen würde oder neue Enteignungen vornehmen würde oder andere komische Maßnahmen beschließen würde. Da bringt man als Oligarch doch mal besser ein paar Milliarden außer Landes. Wer weiss, wofür es noch gut ist ...

Aber nicht nur Russlands Superreiche sind sauer, auch die Bevölkerung geht auf die Straße:

FT Alphaville: Rumblings in Russia

Und was macht Putin? Er lädt bezahlte Jubler zur Gegendemo ein ...

FTD: Dossier Putin bekämpft Proteste mit Jubeldemos

Der Rubel leidet auch schon kräftig. Er ist inzwischen an der unteren Grenze des erlaubten Wechselkursbandes angekommen. Und dieses Band ist erst vor zwei Wochen nochmal deutlich ausgedehnt worden.
Die russische Notenbank soll allein im Januar 30 Milliarden Dollar für die Stützung des Rubels verkauft haben (was natürlich auch wieder die Devisenreserven senkt). Gegenüber dem Dollar hat der Rubel trotzdem schon etwa ein Drittel an Wert verloren.

Handelsblatt: Russland droht eine neue Rubelkrise
FTD: Russland bangt um den Rubel

Weitere 40 Milliarden hat der Kreml für die Stabilisierung des Bankensystems zur Verfügung gestellt. Die Frage ist hier natürlich, ob das Geld für die Rubelstabilisierung hier nicht besser aufgehoben ist. Mit einem fallenden Rubel kann Russland leben, mit einem zusammenbrechenden Bankensystem (wie jedes andere Land auch) aber nicht.

Handelsblatt: Russland: 40 Mrd. Dollar für Banken

Das scheint ein erster Schritt hin zu einer Politikänderung zu sein. Nicht mehr einzelne Firmen sollen gerettet werden (es gab vorher eine Liste von 295 wichtigen Firmen, die besonderem Schutz unterliegen), sondern das Bankensystem soll stabilisiert werden und dieses für die Verteilung der Kredite sorgen. Man wird sehen, ob das funktioniert. Im Westen klappt das eher nicht.

Auch auf fiskalischer Ebene wählt Moskau einen anderen Weg. Es soll in Russland tatsächlich gespart werden. Moskau handelt also komplett gegen die aktuelle Meinung, dass man in der Krise mit Konjunkturprogrammen dagegen halten muss.

FT.com: Moscow abandons bail-outs for bank aid

In Russland leiden auch die Aktien. Der RTS Index ist einer der wenigen Indizes, die (deutlich) unter die Novembertiefs gerutscht sind.

FAZ: In Russland stellt sich die Glaubensfrage

Die Russland Story ist deshalb so interessant, weil sie exemplarisch zeigt, wie unglaublich schnell ein Land aus einer äußerst komfortablen Lage wieder zurück zu einem Junk-Schuldner aus Zeiten der Rubelkrise werden kann. Und es wird interessant zu sehen, ob die politische Antwort auf die Krise, die sich deutlich von der westlichen unterscheidet, die bessere ist.

Kommentare :

  1. "Weitere 40 Milliarden hat der Kreml für die Stabilisierung des Bankensystems zur Verfügung gestellt. Die Frage ist hier natürlich, ob das Geld für die Rubelstabilisierung hier nicht besser aufgehoben ist. Mit einem fallenden Rubel kann Russland leben, mit einem zusammenbrechenden Bankensystem (wie jedes andere Land auch) aber nicht."

    Viele Verträge (z. B. Mietverträge in neu erbauten Einkaufszentren) wurden in Russland auf Dollarbasis abgeschlossen. Wenn sich nun der Rubel deutlich abschwächt, dann werden die Ausfallquoten dieser Dollar-Verträge stark ansteigen. Dies könnte u.a. Banken in Bedrängnis bringen. Außerdem würden die ausländischen Investitionen stark zurückgehen.

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  3. Ich verstehe schon, warum die Russen ihre Währung stabilisieren wollen. Aber angesichts der rapide sinkenden Devisenreserven würde ich mich mal auf eine Sache konzentrieren ...

    Der Rubel hat schon viel Geld gekostet und ist trotzdem 30% gefallen. Wie überbewertet soll der Rubel denn sein, dass man jetzt noch mit weiteren starken Einbrüchen rechnet?

    Und Auslandsinvestitionen? Außerhalb der Öl- und Gasbranche tut sich dort doch eh nix. Und in der Energiebranche ist es egal, weil das Produkt sowieso in Dollar abgerechnet wird. Da ist der niedrige Rubel eher ein Grund einzusteigen (Der Kauf wird ja billiger).

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  4. U.a. österreichische Banken haben Immobilienprojekte in Russland finanziert. Beispielsweise hat es in Moskau einen starken Immobilienboom gegeben.

    Die Mietverträge von Gewerbeimmobilien ausländischer Eigentümer basieren oft auf Dollar. Die Mieter verkaufen aber ihre Waren in Rubel, d.h. die Mieter haben jetzt trotz Wirtschaftskrise stark ansteigende Mieten.

    Die Eigentümer der Immobilien werden daher hohe Mietausfälle auf Dollarbasis haben, die zu stark sinkenden Objektpreisen auf Dollarbasis führen. Das wird letztlich zu den ein oder anderen Kreditausfall führen.

    Das Interesse von ausländischen Banken weitere Immobilienprojekte in Russland zu finanzieren dürfte bei einem stark volatilen Rubel nahe null sein.

    Ich bin natürlich auch der Meinung, dass der Versuch den Rubel zu stabilisieren ein aussichtsloses Unterfangen ist.

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  5. Trotz Finanzkrise fährt die spanische Bank Santander Milliardengewinne ein. Der Betriebsertrag sei 2008 um 19,5 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Institut am Donnerstag mit.

    Das größte Geldhaus der Euro-Zone bestätigte zudem seinen Nettogewinn von 8,9 Milliarden Euro für das Jahr 2008.

    Deutsche Bank meldete was von -6,8 Mrd

    Wie passt das zusammen ? BRD,UK ,Spanien,USA am absaufen , alle Banken machen milliarden an Verlusten nur diese Santander macht Milliarden an Gewinn , lächerlich was das abgeht .

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,605691,00.html

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  6. Die spanische Notenbank hat die Kreditregeln NICHT gelockert. Dafür musste die jahrelang üble Kritik auch von den Banken einstecken, jetzt profitieren die Banken aber davon.

    Wobei ich auch in Spanien den Tag nicht vor dem Abend loben würde, denn der Immobilienmarkt kippte dort später als z.B. in UK. Sollten in Spanien die Immo-Preise 30% oder mehr fallen, bekommt auch Santander das zu spüren. Wenn auch wohl nicht so heftig wie die Banken in UK.

    Wenn du mal sehen willst, wie clever die Spanier waren, schau dir mal die Übernahme und Zerschlagen der ABN Amro an. Drei (inkl. ABN vier) waren beteiligt. Profitiert hat nur einer: Santander. Die beiden anderen (Fortis und RBS) hat's dabei erwischt. Beide sind verstaatlicht.

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