Zahl des Tages (02.02.2009): +3,6%

Ein Vorzeichen bei einer positiven Zahl direkt in der Überschrift? Hat das was zu bedeuten? Es hat, denn das Vorzeichen ist das eigentlich Spannende an der Zahl.
Ich packe diese Zahl in der Rubrik "Zahl des Tages", auch wenn die Zahl (und die daran hängende Diskussion) eigentlich einen eigenen Artikel mit besserer Überschrift verdient hat. (Ich schaffe aber keinen zweiten Artikel mehr). Die ursprüngliche Überschrift war: Ich glaub ich spinne! Die Amis können sparen!

Dumm nur, dass sie gerade jetzt damit anfangen ... Jetzt, wo sie

VERDAMMT NOCHMAL

konsumieren sollen, um die US-Wirtschaft zu retten.

Aber zuerst zur Zahl: Die Sparrate der US-Haushalte ist von 2,8% im November 2008 auf 3,6% im Dezember gestiegen. Und das, nachdem die Sparrate sowohl 2005 (-1,4%) als auch 2006 (-2,0%) über das Jahr gemittelt im Minus lag.

Und als wäre es gestern, kann ich mich noch an die Kommentatoren erinnern, die damals darin kein Problem sahen (Schulterklopf: Ich schon!). Den Schulden würden schließlich Vermögen gegenüberstehen. Immobilien und anderes Zeuch, das sich inzwischen als wenig wertstabil herausgestellt hat.

Aber was mir eigentlich noch viel wichtiger ist: Die Sparrate zeigt sehr schön, wo das Problem in einem Abschwung steckt. Die Verbraucher und am Ende natürlich auch die Hersteller werden zurückhaltend und verschieben Ausgaben und Investitionen auf später. Allerdings sind die Verbraucher auch hoch verschuldet und die Sparrate von 3% ist im historischen Vergleich keineswegs hoch. Im Gegenteil: Der Wert dürfte (als angenommenes Jahresmittel) einer der niedrigsten aller Zeit sein.

Das Dumme ist nun, dass die Verbraucher ja eigentlich sparen muss. Für die Altersvorsorge, für den Eigenanteil an der demnächst zu erwerbenden Immobilie, für das nächste Auto, etc. Aber gerade jetzt kann die Wirtschaft das gar nicht gebrauchen.

Man sieht auch hier das grundsätzliche Problem der Krise: Wie ist diese gigantische Blase entstanden? Durch zu viel Kredite, sprich Schulden. Und wie soll die Krise jetzt gelöst werden? Mit mehr Krediten, sprich Schulden.

Wenn man die Krise und die Reaktion darauf in diese letzten zwei Fragen und Antworten packt und die gesammelten Akteure aus Politik und Volkswirtschaft damit konfrontiert, ist mir bisher keine gute Antwort untergekommen.

Es gibt dummerweise auch keine. Und um jetzt mal richtig Angst zu machen: In den 30er Jahren waren die Haushalte weniger stark verschuldet und die Krise wurde richtig übel. Wir haben eine extrem hoch verschuldete Volkswirtschaft. Und eigentlich müssten diese Schulden runter, nicht rauf.

Nur wie?

Schulden erst auf den Staat packen, die Anleihen ins Ausland vertickern und dann den Dollar abwerten. Tja, die einzige Lösung, die mir einfällt. Übrigens hat Roosevelt in den 30er-Jahren den Dollar auch massiv abgewertet (damals gegen Gold ...). Sagt nicht, es hätte niemand vorher gewarnt.

Kommentare :

  1. Eine andere Möglichkeit wäre, einfach alle Schulden "reseten" oder alle Gläubiger der Welt enteignen :)

    Und wie sieht es eigentlich mit Schulden weg(hyper)inflationieren aus?

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  2. Ein Reset könnte man übrigens auch im Zusammenhang mit einer wiederaufgenommenen Goldbindung machen ... Gold zählen, Geld zählen, im passenden Verhältnis umtauschen. Ergibt irgendwie Goldkurse von 5000 Dollar oder mehr pro Unze ... Das Ganze verkauft man als langfristige, tragfähige Lösung und beruhigt damit die Bevölkerung. Dass man die Golddeckung wieder aufweichen kann (wie Roosevelt in den 30ern, muss man ja nicht sofort sagen).

    Ein Dollarcrash ist am Ende nichts anderes als eine (Hyper)Inflation, nur von außen gesehen. Das "Hyper" kann man übrigens auch streichen. Es reichen ja 10 Jahre 5% Inflation und die Schulden sind nur noch weniger als die 40% wert oder andersherum 60% sind weg. Dann stimmen die Relationen wieder ...

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  3. Hi,
    ich bin pessimistisch, was eine wie auch immer geartete "Lösung" angeht, es zeichnet sich langsam ab, dass jeder Staat irgendwie "rumwurschtelt", und versucht eine Lösung auf die lange Bank zu schieben.
    So interessant die Theorien auch sein mögen, so unrealistisch scheint ein geordnetes Szenario a la Euroanleihe, etc.
    Was ist nicht alles diskutiert worden?
    Was ist passiert? Nix. Welche Lehren hat man gezogen? Keine.
    Als man die Chancen hatte, als man noch nach Gemeinsamkeiten suchte, sind sie nicht genutzt worden, nun hat man das Gefühl, einer Rückabwicklung eines ganzen Systems beizuwohnen und die Politik wird zunehmend panischer. Die Antwort auf die heraufziehende Depression lautet nämlich Protektion und nichts anderes wird praktiziert werden müssen, ehe die amerikanischen Pleitebanken auf weltweite Shoppingtour gehen und Technologie für den heimischen Markt günstigst einkaufen. Ich meine, wir sprechen von einer weitgehend deindustrialisierten amerikanischen Nation, und die brauchen jetzt industrielles Know-How. Und das ist die Krux.
    Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass sich dadurch auch die deutsche Industrielandschaft deutlich verändert. Vorerst sind wir Zuschauer, aber das wird sich sehr schnell ändern. Die Gefahr, dass die politischen Verhältnisse sich radikalisieren sind hoch, dazu braucht man kein Prophet zu sein. Die Akzeptanz der politischen Ordnung in der BRD hängt meiner bescheidenen Meinung nur von einem einzigen Faktor ab: wie satt bin ich?
    Ich denke, dass Verhältnisse sich innerhalb eines sehr knappen Zeitraumes verändern können, und das ist allen Regierungen dieser Welt klar.
    Sofern es Merkel noch nicht kapiert hat: Jeder ist ab jetzt sich selbst der Nächste. Diese Unbekannte in ihrer ach so selbstgefälligen Gleichung einer globalisierten Sonnenscheinordnung haben die Politiker in D noch nicht auf dem Schirm.
    Da sind uns andere Länder voraus. Das Misstrauen untereinander ist doch gar nicht mehr zu übersehen.
    Unsere Regierung hat es gut gemeint, mit Partnerschaften etc., ich unterstelle Frau Merkel einen gewissen Idealismus, aber es war auch naiv. Nun werden wir vorgeführt werden und die Regierung wird grandios scheitern.
    Das ist nur eine persönliche, schnell herunter geschriebene Meinung.

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  4. Man with a tape recorder up his brother's nose03 Februar, 2009 12:29

    Und hier die Verschwörungstheorie: Dass jeder Staat nur "rumwurschtelt" ist gewollt. Man verstrickt die Staaten nicht in Kriege, sondern in Eigenbrödelei bei einem Problem, dass nur gemeinsam gelöst werden kann. Dann, wenn die Karre ganz tief im Dreck steckt (also noch nicht), wird als letzter möglicher Ausweg die neue Weltordnung etabliert. Zack, Ziel erreicht!

    Ist sicher totaler Blödsinn, aber vorsichtshalber schreibe ich schon einmal: "And I, for one, welcome our new insect overlords"

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