Zahl des Tages (11.02.09): 16.200.000.000.000

Bitte erstmal setzen! Das meine ich ernst :-(

Angeblich wurde dem Telegraph ein vertrauliches EU-Papier zugespielt, das die Ergebnisse einer Befragung von 44 Banken aus der EU enthält. Diese sollten ihre kritischen Assets auflisten. Dabei kam eine Zahl heraus, die alles in den Schatten stellt, was bisher in der Diskussion stand.

Auf sage und schreibe

16.200.000.000.000 Pfund (16,2 Billionen Pfund oder etwa 18,5 Billionen Euro)

soll die Gesamtsumme der kritischen Assets in den Büchern der Banken betragen.

Das ist mehr als BIP der gesamten EU beträgt (etwa 16,8 Billionen Dollar) und auch wenn ich die Nicht-EU-Staaten in Europa dazupacke, dürfte ich die Summe nicht erreichen. Für alle diese Assets müssten also die gesamte Bevölkerung Europas mehr als 1 Jahr arbeiten. Woah.

Allerdings möchte ich eine andere Summe dagegen stellen: Das gesamte Weltgeldvermögen ist deutlich höher als das BIP. Ich finde als letzte Schätzung 169 Billionen Dollar. Also die Bonzen enteignen und schon passt's wieder ;-)

Aber man muss(soll/darf die Vergleiche nicht zu weit treiben. Man kann den Bericht nur schwierig beurteilen, solange man die Details nicht kennt (und die werden wir wahrscheinlich nie erfahren und wenn doch, dann nur scheibchenweise). "Impaired assets" schreibt der Telegraph. Das muss aber nicht heissen, dass die komplett wertlos sind. Aber was soll das Spekulieren? Die Nachricht ist eigentlich nicht beurteilbar und außerdem ist jetzt Fußball (ich muss auf andere Gedanken kommen ...).

Telegraph: European bank bail-out could push EU into crisis

gefunden über Rebellmarkt: Wäre ich Raucher, bräuchte ich jetzt eine Zigarette

Update (12.02.09):

Der Artikel ist beim Telegraph scheinbar verschwunden, zumindest funktioniert der Link nicht mehr: Telegraph: 'Toxic' EU bank assets total £16.3 trillion

Verschwörungstheoretiker bitte vortreten!

Noch ein Update:

Der Artikel ist doch noch da, aber überarbeitet und jetzt fehlt die Zahl:
Telegraph: European bank bail-out could push EU into crisis

Obwohl die in der URL noch drin ist ...

Kommentare :

  1. oha die zahlen werden immer größer

    2007 hieß es 400mrd haha
    2008 plötzlich 1000-1400 mrd
    2-2009 nun allein BRD 1100 , Eu also 18,5 billionen

    2010 die Welt bankrott weil 1800 Billionen hahaha

    Ach ja Politiker schaut her - wieder Auktion 10jähriger Bundesanleihen gefloppt:

    Noch etwas stärker als im Januar

    http://www.deutsche-finanzagentur.de/cln_110/nn_104002/DE/InstitutionelleInvestoren/Ver_C3_B6ffentlichungen/Auktionen/Auktionen__2009,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Auktionen_2009.pdf

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  2. Das mit den Anleihen vom Bund ist seltsam. Bei den CDS und auch den realen Risikoaufschlägen bei existierenden Anleihen notieren die Bunds SUUPER, beim Verkauf gibt es jetzt schon zum zweiten Mal Probleme. Und es geht ja noch nicht um die RIESENsummen ...

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  3. Na ja, so weit ich weiß schwirren weltweit so 750 Billionen Dollar in Derivaten rum. Wenn da das Vertrauen auf Null sinkt sind die auch genau Null Wert, weils ohnehin niemand zahlen kann.

    Eigentlich sind die 18,5 Billionen Euro also auch nur ein Teil des Problems.

    Daher sag ich ja, die Zinsschraube ist schon kurz vorm Anschlag, da juckt die ein oder andere Billion die der Staat evtl. durch "gute" Kredite ersetzt auch schon gar nicht mehr, alles nur Show.

    O.K. wenn es diesmal noch einmal klappt wird die "Weiter So"-Fraktion den Laden halt in der nächsten Krise an die Wand fahren, dann fangen wir dank der magischen Geldvermehrung auch gleich mit Billionen an und eiern nicht monatelang noch mit lächerlichen Milliarden rum.

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  4. Ach ja, mal noch so nebenbei. Man könnte wenn man lustig ist ja mal rechnen was allein die faulen Anlagen pro Jahr den gemeinen EU-Bürger bei üblichen Renditen so kosten. Denn der zahlts über Steuern und Preise. Jahr für Jahr mit steigender Tendenz und dann sollte es ja auch noch ein paar "gute" Anlagen geben.

    Ich weine dem System jedenfalls nicht hinterher. Hoffentlich machts bald die Grätsche, irgendwann ists ohnehin so weit.

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  5. "2-2009 nun allein BRD 1100 , Eu also 18,5 billionen"

    Tja, das passt ganz offensichtlich nicht ganz... Würde mich nicht wundern wenn wir rückwirkend nochmal eine Null anhängen, für die Zweite brauchts noch ein paar Jahre. Aber keine Angst, ist nicht lang hin.

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  6. huch sorry ja meinte

    2007 hieß es doch es müssen 400 mrd $ abgeschrieben werden .

    Nun hört man 2009 das allein BRD 1100 MRD abschreiben muss , obwohl allein die DEutsche Bank bei derivaten 77 Billionen drinne hat .( quelle FAZ)

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  7. "Nun hört man 2009 das allein BRD 1100 MRD abschreiben muss"

    Nein, so meinte ich das nicht, wenns EU weit 18,5 Billionen sind ist der Anteil der deutschen Abschreibungen viel zu klein, da würde ich eher 3-5 Billionen ansetzen. Aber so ist das halt mit offiziellen und inoffiziellen Zahlen.

    Ich glaube das auf jeden Fall, ist eher noch relativ optimistisch geschätzt.

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  8. "750 Billionen an Derivaten"

    Wie soll das gehen bei einem Weltsozialprodukt von was weiß ich vielleicht 50 Billionen?? Bei der Summe von 750 Billionen, so sie denn annähernd richtig sind, handelt es sich dann mit großer Gewissheit um einen Bruttosaldo. Auf netto eingedampft dann nur noch Bruchteile dieser Summe. Indes wohl immer noch beeindruckend hoch genug.

    Zum anderen: deutsche Banken hätten nach diesem EU-Papier 3 bis 4 Billionen an Giftmüll in ihren Büchern. Ich weiß nicht, wie hoch die Bilanzsumme aller deutschen Banken miteinander ist, aber die der Deutschen Bank beträgt 2 Billionen. Lassen wir die Bilanzsumme aller deutschen banken 8 Billionen sein, dann sollen die 40-50% faule Papiere in ihren Büchern haben? Das glaubt doch ernsthaft wohl niemand?

    Ausserdem, werdet doch mal bitte konkret (auch wenn deutsche Banken ein großes Auslandsengagement haben): was wäre denn in der Bundesrepublik so dringend abschreibungsbedürftig? Welche Assets mit Sitz Deutschland stehen mit viel zu hohen Wertansätzen in den Büchern der Banken? Ich kann nirgends welche entdecken. Weder deutsche Staatsanleihen, Kredite an die deutsche Wirtschaft, Immobilienkredite oder Konsumentenkredite sind massiv ausfallgefährdet. Wo soll der immense Abschreibungsbedarf herkommen, zumindest der aus deutschen Landen?

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  9. @Matsch:

    Es kann doch mehr Derivate als BIP geben. Es gibt auch mehr Vermögen als BIP. BIP ist ja eine Größe für ein Jahr, der Rest kann sich über Jahr(zehnt)e angesammelt haben.

    Dass der deutsche Immobilienmarkt relativ gesund ist, mag stimmen. Es ist aber nur relativ. Der Büromarkt steht vor Nachfrageeinbrüchen und auch bei Wohnimmobilien ist vor zwei, drei Jahren zu viel gezahlt worden. Schau dir mal die Kursentwicklung der Immobilienaktien an. Da werden sich einige zusammenfalten und die anschließenden (Not)Verkäufe werden die Preise drücken. Dann werden Kredite fällig, ...

    Auch in der deutschen Industrie gibt es eine ganze Menge Firmen, die auf extrem dünnen Eigenkapitaldecken stehen. Es ist kein Zufall, dass in der Zulieferbranche schon nach drei Monaten Krise die Firmen geradezu reihenweise umfallen. Auch hier drohen kräftige Forderungsausfälle bei den Banken.

    Ausserdem hatten die deutschen Banken alle nichts anderes zu tun, als sich ausländische Assets in die Bücher zu packen. Die HRE ist ja auch nicht über den deutschen Immobilienmarkt gestolpert, sondern über die irische Tochter.

    Du hast natürlich in manchen Dingen Recht. Viele der zur Verängstigung in die Diskussion geworfenen Zahlen sind Bruttosummen. Saldiert bleibt da wenig von übrig. Die CDS auf WaMu, Lehman und ähnliche Megapleiten wurden (auch für mich) überraschend geräuschlos abgewickelt.

    Kurz zusammengefasst: Wir laufen gerade in eine ganz normale (ween auch schwere) Wirtschaftskrise und da passiert das, was immer passiert (s.o.). ABER wir kommen in die Krise in einem anderen Zustand: Mit hohen Schulden und schlechten Bilanzen.
    Jaja, Deutschland sieht besser aus als viele andere Länder. Aber eben nur relativ und auch nur jetzt. Wir haben immerhin den größten Einbruch der Industrieproduktion, der Exporte, der Auftragseingänge seit dem 2. Weltkrieg.

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  10. Die Zahl ist erschreckend, aber wie auch schon ein paar Kommentatoren bei Don Alphonso anmerken:
    1. Es ist nicht klar, welcher Wert der Zahl zugrunde liegt. Da können auch Werte (z.B. Kaufpreis) zugrunde liegen, die bereits abgeschrieben wurden. Aber je höher der Wert, den die Banken angeben, desto größer der Druck der auf die EU, sich in Richtung Bad Banks zu bewegen. Gerade in Brüssel macht die Finanzindustrie ziemlich starke Lobbyarbeit.

    2. Müssen, wie egghat erwähnt hat, die Assets nicht komplett wertlos sein.

    3. Können die CDSs gehedged sein, d.h., die Zahl ist ein gigantischer Blähwert.

    Die in den ersten Kommentaren erwähnten Bundesanleihen-Auktionsflops finde ich beinahe genauso beunruhigend, denn die Bundesanleihen sind wirklich Fundament von Liquidität und Zukunftsindikator zugleich.

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  11. Klar, BIP und die Summe an Derivaten haben nicht viel miteinander zu tun. Diente nur zur Veranschaulichung, dass mit den 750 Billionen gewaltig was nicht stimmen kann.
    Etwas näher kommt man der Sache wenn man das 'Weltvermögen' betrachtet, das mit Sicherheit weit unter 750 Billionen Dollar liegt (sofern man das halbwegs in Zahlen fassen kann). Würde aber auch bedeuten, dass auf jeden Quadratmeter Erdoberfläche, auf jeden Esel, auf jeden Traktor, auf jede Hütte ob in USA, China, Nigeria, Peru, Marokko, Portugal, auf jeden erdenklichen Vermögensgegenstand ein Derivat begeben wurde. Oder in anderen Worten: 750 Billionen sind absurd. Das wären Ausmaße eines globalen Atomkriegs.

    Die Summen, die in dem EU-Papier herumgereicht werden, beziehen sich auf den Status quo. Das ,was an Giftmüll schon aufgelaufen ist. Bezieht aber nicht vorsorglich schon das ein, was im Falle einer Weltdepression noch auf uns zukommen könnte.

    Deutsche Unternehmen mit bedrohlich dünner EK-Ausstattung kenne ich nur wenige: die deutschen Banken. Geschenkt. Ist mittlerweile bekannt. Ad hoc fallen mir noch conti, psm, premiere und Boss ein. Nun gut, die Immobilienklitschen wie kbu und via kommen noch hinzu. Sind aber doch ziemlich unbedeutend.

    bzgl. HRE und Depfa sei mir folgender Hinweis erlaubt: die Depfa - nach Selbstbezeichnung ein Staatsfinanzierer, also mit Schuldnern nicht der schlechtesten Qualität - ist deswegen in existenzielle Schwierigkeiten geraten, weil sie langfristig verliehen und kurzfristig refinanziert hat. Von Kreditausfällen habe ich bislang noch nichts gehört. Allerdings gebe ich gerne zu mich dennoch darüber zu wundern, warum die Depfa sich nicht mehr refinanzieren konnte wenn sie doch so viele Schuldner guter bis sehr guter Qualität hat.

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  12. @Matsch:

    Ein Hinweis zur Depfa: Hebel soll etwa 100 gewesen sein, ich meine sogar, dass das Eigenkapital bei 0,x% lag, der Hebel also noch höher war. Dann liest es sich zwar schön, dass die durchschnittliche Qualität der Schuldner AA2 oder so ist, aber nur die Ausfälle bei den 3% Non-Investmentquality würden das Eigenkapital dreimal auffressen ...

    Keine Frage, die Depfa hat im Kern ein stabiles Geschäftsmodell. Aber es kommt halt darauf an, wie weit man das hebelt. Die haben's halt überhebelt und deshalb jetzt null Puffer. Und daher bekommen die auch kein Geld mehr.

    Da nützt die im Schnitt gute Schuldnerqualität nichts mehr.

    Übrigens sind die eigentlich soliden Geschäftsmodelle von HRE und Depfa auch der Grund, warum ich diese Läden verstaatlichen würden. Die Depfa hat lange als staatliche Bank funktioniert und würde es auch in Zukunft tun ...

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  13. Stimmt, mir klingen plötzlich auch wieder Bruckermanns schwärmerische Worte in den Ohren, was für ein vorzügliches Geschäftsmodell die Depfa habe. Diese Staatsfinanziererei sei wenig aufregend und naturgemäß wenig margenträchtig, aber auch sehr, sehr risikoarm und doch irgendwie ungemein sexy, weil die Depfa sich bei etwaigen auftretenden Turbulenzen da draussen weniger Sorgen machen müsse und unbekümmert in ihrem Raumschiff ihren Geschäften nachgehen könne.

    Nun gut, der Schaden bei der Depfa dürfte sich für den einspringenden Staat in Grenzen halten. Vielleicht machen sie sogar ein verdammt gutes Geschäft damit. Refinanzieren kann sich die Depfa ja neuerdings mit 3%, verliehen ist das Geld sicher zu weitaus höheren Sätzen ;)

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  14. Tja, das mag ja sein das die 750Billionen nur Bruttosaldo sind. Trotzdem wird dieses Geld wohl auch irgendwie Rendite erwarten und da reichen bei so gigantichen Summen schon ganz kleine Renditen.


    "Zum anderen: deutsche Banken hätten nach diesem EU-Papier 3 bis 4 Billionen an Giftmüll in ihren Büchern."

    Ja das stimmt, es wird geschätzt das 44% Müll sind bzw. werden können. Obwohl das ja noch untertrieben ist, der maximal mögliche Prozentsatz liegt ganz nah an 100 dran, noch ein paar fröhliche Monate und dann wird sich ja zeigen ob die Abhängigkeit von Schulden gut für unsere Wirtschaft ist oder nicht.

    Lustig ist nur wie jetzt EU und "Experten" rumjammern als wäre die aktuelle Situation irgendwie überraschend. Aufgeklärt wird aber auch nicht und wenn werden nur ganz dünne Salamischeiben verteilt.

    Das Einzige was wirklich sicher ist das wir noch am Anfang stehen, noch ist nix passiert.

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