TARP Details bekanntgegeben (Updates inside)

US-Finanzminister Timothy Geithner hat die Details des Troubled Assets Relief Programm bekannt gegeben. Beim Programm geht es darum, dass die Banken die illiquiden und mglw. wertlosen Papiere und Hypotheken aus den Büchern bekommen. Da für diese Papiere kein Markt mehr existiert, muss der Staat helfen, dafür einen Markt zu schaffen und unterstützt die Käufer mit Garantien. Das war im Prinzip schon klar, neu sind jetzt die Details. Es stehen übrigens 75 bis 100 Mrd. Dollar für den Ankauf von Hypotheken und angeblich bis zu 1 Billionen für Anleihen zur Verfügung.

Das Ganze läuft dann in etwa wie folgt ab:

Die Banken melden die Hypotheken bei der FDIC (der amerikanische Einlagensicherungsfonds, der die Versteigerung durchführt). Die FDIC gibt dann ihr OK (oder unter Umständen auch nicht, z.B. wenn das Paket *nur* wertlosen Schrott enthalten sollte). Sie FDIC erteilt dann für 6/7 der Summe eine Garantie. Das restliche Siebtel muss als Eigenkapital bereitgestellt werden. Aber auch hierbei hilft die Fed noch und übernimmt die Hälfte der Summe. Um Schrottanleihen im Wert (nicht NENNwert) von 100 Dollar zu kaufen, muss der Investor also nur gut 7 Dollar haben. Die Verwaltung und Abwicklung der Papiere obliegt dem privaten Partner.

Daraus folgt ein ziemlich schiefes Risikoprofil. Da der Investor nur gut 7% Eigenkapital bereitstellen muss, trägt er auch nur dieses Maximalrisiko. Der Staat übernimmt den Rest. Die ersten 7% über das Eigenkapital, die restlichen knapp 84% über die Garantie der FDIC. Da das Kapital je zur Hälfte beim dem privaten Partner und der Fed liegt, sind die Gewinnchancen gleich verteilt.

Diese Bedingungen sind natürlich absichtlich so gut gemacht, weil ansonsten kein privater Investor das Risiko übernehmen würde. Ganz wahnsinnig einfach auf Verluste einlassen, werden sich die Investoren aber trotzdem nicht, denn es droht immerhin noch ein kompletter Verlust des Eigenkapitals.

Das Programm für den Ankauf der Wertpapiere sieht etwas anders aus, insbesondere ist hier der Hebel niedriger. Der Käufer bekommt für jeden Dollar, den er investieren möchte, einen weiteren (cash!) der FDIC dazu. Dazu kommt noch ein Standardkredit von einem weiteren Dollar plus eines weiteren Dollars Kredit auf Antrag. Der Hebel beträgt also nur zwei bis 3.

Spannend wird jetzt vor allem die Frage, ob der Preisbildungsprozess auch wirklich in Gang kommt, sprich auch mehrere, finanzkräftige Investoren bieten. Denn nur so kann ein realistischer Preis erreicht werden. Angesichts des Sterben der Hedgefonds und quasi jeglicher Risikoneigung fällt es nicht wirklich leicht, hierfür optimistisch zu werden. Schließlich ist der Markt genau durch den Käuferstreik zusammengebrochen. Dass die Käufer jetzt eine Chance bekommen, ihr Geld bei 100% Verlustpotenzial in etwa zu versiebenfachen, mag helfen. Das Gewinnpotenzial hängt aber massiv vom Kurs ab. Je niedriger er ist, desto höher wird (logisch!) das Gewinnpotenzial. *Das* war aber auch vorher schon so. Ich finde es leider nicht wieder, obwohl ich darüber gebloggt habe, aber bereits vor Monaten hat eine Investmentbank Schrottanleihen deutlich unter 30% Nennwert verkauft. Da war für den Käufer auch schon eine Verdreifachungschance vorhanden, trotzdem fand sich kaum ein Käufer für weitere Geschäfte.

Die Originalpressemitteilung hier:
Treasury Department Releases Details on Public Private Partnership Investment Program.

Zwei brauchbare Zusammenfassungen hier:
Alea: The Plan: As Expected

FT Alphaville: The Geithner plan is out….

Update (15:20)

The Big Picture meldet, dass das Programm 500 Mrd. bis 1 Billionen schwer werden kann. Das habe ich anders verstanden, oder Barry Ritholtz meint die Summe *nach* dem Einfluss des Hebels.

The Big Picture: Public-Private Investment Program

Paul Krugman bloggt auch schnell mal was über die Asymmetrie der Gewinn- und Verlustverteilung:

Krugman: Geithner plan arithmetic

Update (15:32)

Die FAZ schreibt, dass das Geld aus dem Programm TALF kommt und nicht aus dem TARP. Außerdem solle der TALF um 800 Mrd. auf 1 Billionen aufgestockt werden. Das habe ich noch nicht gelesen. Kann aber gut sein, auch wenn der TALF nicht für Hypotheken, sondern eigentlich für andere Sachen gedacht war. Ich schaue nochmal oder weiss jemand von Euch mehr?

FAZ: Washington kauft im großen Stil Schrottpapiere

Update (15:40)

Die Originaldokumente gibt übrigesn hier: http://financialstability.gov/

Das Geld kommt teilweise aus dem TARP (für die Hypotheken) und teilweise aus dem TALF (für die Asset Backed Securities). Die Aufstockung auf 1 Billionen habe ich aber noch nicht gefunden.

Update (16:20)

Noch zwei Stimmen, die meine Skepsis teilen, dass auch dieses Programm den Markt nicht zum Leben erwecken kann. Allerdings aus einem etwas anderem Grund: Die Bedingungen sind für die Privatinvestoren noch nicht gut genug, weil sie immer noch das gesamte Eigenkapital verlieren können.

Alea: Geithner’s Plan: Good in Theory

Naked Capitalism: Investor on Private Public Partnership: "One would have to be a criminal to participate in this"

Update (23:31)

Noch ein paar Meinungen ...

a) In der Presseschau des Handelsblatts:

Handelsblatt: „Geithners Zombie-Ideen haben gesiegt“

b) Paul Krugman bleibt sehr negativ.

Krugman: More on the bank plan

c) Interessante Einschätzung von Sheila Bair, Chairman der FDIC. Sie meint, dass die Gebühren, die die Investoren für die Versicherung der Anleihen zahlen müssen, die Bialnz der FDIC sogar verbessern. Das klingt irgendwie nach Münchhausen: Am eigene Schopfe aus dem Sumpf ziehen. Sieht die denn überhaupt kein Risiko nach unten? Ich meine mal ganz ernsthaft: Weiss die jetzt schon, wie die Versteigerung ausgeht? Vorher kann man das doch gar nicht beurteilen ...

Reuters: UPDATE 2-US bad-asset plan won't limit pay at nonTARP banks

Creditwritedowns: FDIC Chairman Sheila C. Bair Statement on the Legacy Loans Program

d) Das Handelsblatt zum Thema:

Handelsblatt: Geithner-Plan: Wirklich eine Strategie?

e) Mark Zandi: 1 Billionen sind nicht genug:

Marketwatch: Toxic asset mountain looms over Treasury plan

f) Thomas Hartmann-Wendels im Tagesschau Interview verweist nochmal auf die Probleme, die schon bei der ersten Vorstellung von Ex-Finanzminister Hank Paulson diskutiert (und nicht gelöst) wurden:

Tagesschau.de: "Geithners Plan bringt keine Lösung"

g) Infectious Greed: Is Geithner a Fool With a Plan?

h) FT Alphaville geht nochmal auf das Problem der Abschreibungen ein. Was passiert, wenn nur niedrige Preise bei der Versteigerungen entstehen und alle anderen Banken ihre vergleichbaren Assets auf diese Werte abschreiben müssen?

FT Alphaville: The Geithner plan - it’s all about liquidity

i) Das Handelsblatt übersieht diese Gefahr:

Handelsblatt: Bankenrettungsplan: Den Müll verwerten

j) Marketwatch mit einem Kommentar:

There's risk, but is there reward in toxic assets?

Und wem das alles zu negativ war, der kann zum Abschluss mal eine richtig positive Einschätzung der Idee lesen. Von Geithner selber ;-)

WSJ: My Plan for Bad Bank Assets

So das reicht jetzt aber wirklich ;-) An Meinungen ;-)

Wer noch ein paar Details nachlesen will:

FTD: Wie Geithner die Märkte entgiften will

Kommentare :

  1. Bill Gross:
    http://www.youtube.com/watch?v=uknw3ZPikWk&feature=channel_page

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  2. Ron Paul 1:
    Weltregierung als Folge der "Krise"
    Insolvenzen besser als TARP
    Dollar wird kollabieren
    http://www.youtube.com/watch?v=RkIvviuaSQA

    Ron Paul 2:
    Inflation als Lösung zur Schuldentilgung
    http://www.youtube.com/watch?v=U7pri6PYKR0

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