Welcome to China, Mr. Deflation

Die Verbraucherpreise in China sind im Jahresvergleich um 1,6% gefallen. Hauptgrund dafür sind natürlich die gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunkenen Energiepreise. Leider scheinen die Chinesen keine Kernrate (also ohne Energie- und Lebensmittelpreise) zu berechnen und man kann daher nicht erkennen, wie stark der Einfluss der Energiepreise ist. Das könnte bei der Beantwortung der Frage helfen, ob das jetzt nur ein temporärer Effekt ist, der sich im Herbst wieder legt, wenn die dann wieder niedrigen Energiepreise des Vorjahres als Basis dienen, oder ob dahinter möglicherweise etwas Tiefgreifenderes verbirgt.

FT Alphaville sieht nämlich genau das: Riesige Überkapazitäten, die für 10% Wachstum geplant wurden, aber jetzt auf eine möglicherweise längere Stagnation prallen. Und diese Überkapazitäten beziehen sich nicht nur auf Fabriken, sondern auch auf Büros, Wohnhäuser, Infrastruktur, ... Die Lage in China heute wird von FT Alphaville schon mit der in den USA 1929 verglichen. Denn die USA hatten damals einen deutlichen Exportüberschuss und eine hohe Sparquote, genau wie China heute.

Ich bleibe eher bei einer (vergleichsweise) positiven Interpretation der Lage in China. Der chinesische Finanzsektor ist stabil und die Konjunkturprogramme sind so groß, dass sie eigentlich greifen müssen. Außerdem sind die Devisenreserven Chinas so groß, dass sie die Konjunkturprogramme auch nochmal verdoppeln oder verdreifachen können.

FT Alphaville: A deflationary dragon with excess capacity

Xinhua: China CPI falls to minus 1.6% in Feb., 1st negative growth in 6 yrs

Update (11:58)

Noch ein Link und eine Zahl, die ein wenig darauf hindeutet, dass eine längere Deflation durchaus drin sein könnte: Die Produzentenpreise in China sind deutlich stärker als die Verbraucherpreise gesunken, nämlich im Februar um 4,6%.

Marketwatch: China February CPI falls 1.6%, stokes deflation fear

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore