Zahl des Tages (04.03.09): 5.178.835.253

Wer heute einen neuen Grund für die aktuelle Krise kennen lernen möchte ... Hier ist einer:

Der Finanzsektor in den USA hat zwischen 1998 und 2008

5.178.835.253(5,128 Mrd) Dollar

für Wahlkampfhilfen und Lobbying ausgegeben.

Kein Zufall, dass in dieser Zeit

  • die Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken einerseits und Banken und Versicherungen andererseits aufgehoben wurden,
  • Off-Balance-Geschäfte erlaubt wurden,
  • die SEC in ihrer Personalausstattung und ihren Kompetenzen beschnitten wurden,
  • Regulierungen für Derivate gestrichen wurden,
  • Fannie und Freddie immer größer wurden und immer spekulativere Kredite vergaben,
  • die Eigenkapitalanforderungen auf Risikogewichtung umgestellt wurden und damit in die Hände von Finanzmathematikern fielen,
  • Ratingagenturen strukturierte Anleihen im Auftrag des Kunden schnüren UND bewerten konnten
  • die Eigenkapitalanforderungen für Investmentbanken komplett abgeschafft wurden
  • und vielleicht am Wichtigsten: Die Monopolbehörde die Zusammenschlüsse nicht untersagte, die am Ende dazu führten, dass mehr und mehr Firmen "too big to fail" wurden.
Alles kein Zufall ...

Pressemitteilung:
Wallstreetwatch.org: $5 BILLION IN POLITICAL CONTRIBUTIONS BOUGHT WALL STREET FREEDOM FROM REGULATION, RESTRAINT, REPORT FINDS

oder die vollständige Version:

Sold Out: How Wall Street and Washington Betrayed America (PDF!)

Das sind etwa 100 Seiten Text und 150 Seiten Auflistung der finanziellen Details.

Ich als unseriöser Blogger habe natürlich nur die Zusammenfassung gelesen. Die Profijournalisten werden Euch morgen nach der Lektüre der 250 Seiten mit einer detaillierten Analyse beglücken. Vielleicht aber kommt die Story auch nirgendwo ;-)

Update (22:53)

Übrigens ist die Liste auch noch mal eine schöne Sammlung für die These, dass der Staat es wahrscheinlich auch nicht besser machen würde als die freie Wirtschaft. Die Politiker waren an den grundlegenden Fehlentscheidungen, die die Basis für die Krise legten, mitbeteiligt.

Update (5.3.09)

Kurzzahl (5,12 Mrd. korrigiert auf 5,18 Mrd)

Update (06.03.09)

Kleiner Nachtrag, damit an einem Beispiel klar wird, wer zu den Spendern gehörte:

Fox News: Madoff Made Hefty Political Contributions to Top Officials

Kommentare :

  1. naja hab eher auf eine andere zahl gewartet .-)

    Maschienen und Anlagebau -42%
    Die Aufträge brechen weg.

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  2. # die Eigenkapitalanforderungen auf Risikogewichtung umgestellt wurden und damit in die Hände von Finanzmathematikern fielen

    Moment, das ist doch Basel II? Die USA haben das aber nie umgesetzt?
    Ich dachte bisher immer, Basel II hat einen guten Sinn und Zweck und den bisher auch erfüllt?

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  3. @AScooby:

    Basel II ist *eine* mögliche Umsetzung einer risikogewichteten Eigenkapitalrichtlinie. Eine Analogie: Dass die Amis nicht nach IFRS ihre Buchhaltung gemacht haben, heißt ja nicht, dass die gar keine Buchführung hatten ...

    Basel II hatte einen Sinn. Eigentlich ein schönes Thema für ein Blogposting! Aber kurz: IMHO ist das komplett gescheitert. Erstens ist das unter dem Einfluss der Lobbyisten (die, die 25% Eigenkapitalrendite haben wollten) weichgekocht worden, zweitens legt man die Risikogewichtung in die Hände von Finanzmathematikern und drittens führen die Richtlinien an sich schon zu niedrigerem Eigenkapital. Früher musste man einfach harte 8% Eigenkapital haben (z.B. die US-Investmentbanken bis 2004(?)). Die Bankbilanz bestand zum Teil aus guten Risiken, zum Teil aus schlechten und wenn dann die Wirtschaft den Bach runterging, hatte die Bank aber *für alles* 8% Puffer. Wenn 50% schlechte Risiken waren, konnte die Bank als 16% Ausfälle bei den schlechten Risiken verkraften, wenn die guten Risiken auch gut blieben.

    Heute sind die richtig guten Risiken (z.B. AAA-Staatsanleihen) überhaupt nicht mehr mit Eigenkapital hinterlegt. ABS mit AAA nur zu 20%. Allerdings gibt es auch Papiere, die mit 150% des normalen Eigenkapitals (normalerweise 8%) hinterlegt werden müssen.

    In einer normalen Bankbilanz stehen (bzw. standen früher) aber viel mehr solide Sachen und wenige risikoreiche. Die Risikogewichtung führte dazu, dass die risikogewichteten Assets MASSIV gesunken sind und damit auch die Eigenkapitalanforderungen. Und was machen die Banken dann, wenn Eigenkapital über ist? Klar, mehr ausleihen, mehr Risiko fahren, etc.

    Und wenn dann die Wirtschaft den Bach runter geht, ist Essig.

    (Ganz nebenbei führt die Risikogewichtung zu einem desaströsen prozyklischen Trend. Wenn die Wirtschaft ins Trudeln kommt, kommen die Ratings ins Trudeln. Dann muss die Bank das Eigenkapital erhöhen (oder die Ausleihungen kürzen). Die Banken waren schon immer prozyklisch und das war schon immer problematisch. Früher waren aber nur die Zahlungsausfälle wirklich kritisch bzw. drohende Zahlungsausfälle und die dafür notwendigen Rückstellungen. Heute muss man das Eigenkapital schon erhöhen, wenn jemand von AA auf BBB herabgestuft wird. Das Risiko des Zahlungsausfalls steigt dann von 5% auf 10% in den nächsten 5 Jahren (Zahlen nur als Beispiel verstehen), aber ich muss als Bank mein Eigenkapital für diese Position jetzt und heute verdoppeln.)

    Basel II könnte u.U. Sinn machen. Aber nur dann, wenn die Zahlen anders aussehen. Positionen ganz ohne Eigenkapital sind Murks und auch die 20% hinterlegten Papiere sind viel zu wenig gesichert. Den prozyklischen Effekt bekommt man so aber auch nicht heraus.

    Daher frage ich mich, ob nicht einfach 8% Eigenkapital vorgehalten werden müssen und aus.
    Keep it simple and stupid!

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  4. hallo Egghat, ich habe neulich angekündigt, dass ich ein wenig auf deine Werbung klicken will - das habe ich seitdem auch gerne gemacht. Wollte nur mal fragen, ob sich das bemerkbar macht, oder ob es zu auffällig ist oder so. Lösch diesen Kommentar wenn Du willst, du kannst mir ja verschwörerisch antworten

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  5. ja aber irgendwann kickt mich google deswegen vielleicht. das bringt es auch nicht.

    kauf lieber über meinen einstiegslink bei amazon ein. ist nachhaltig und es gibt keinen grund zu bescheissen. amazon will ja nur ein buch oder eine cd oder ein macbook verkaufen und dass jemand einen umweg über ein blog nimmt, juckt die nicht.

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  6. löschen nützt übrigens nichts. das blogger.com gehört zum imperium.

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  7. Total OT: Sollte das gerundet nicht 5,18 Mrd. Dollar heißen?

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  8. Korrigiert. Danke für den Hinweis.

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  9. "Die Politiker waren an den grundlegenden Fehlentscheidungen, die die Basis für die Krise legten, mitbeteiligt."

    Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Industrie. [Frank Zappa]

    Mit anderen Worten: Wozu also der Unterscheidungsversuch? - Politiker agieren nicht im luftleeren Raum Und solange sich der Souverän nicht ernsthaft für seine Politiker tatkräftig interessiert, hat der Lobbyismus Narrenfreiheit.

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  10. """kauf lieber über meinen einstiegslink bei amazon ein. ist nachhaltig und es gibt keinen grund zu bescheissen"""

    ist gebongt:-) Bei meinem nächsten Einkauf bei Amazon werd' ich das machen! Und ich halt mich mit den Klicks zurück:)

    Mein Respekt übrigens nochmal für das Blog, wollte auch nochmal ein Detail positiv anmerken: neben den 'normalen' Beiträgen von Dir, die ich ja sowieso awesome finde, finde ich es auch cool, dass Du ab und zu 'themenfremde' Sachen postest, wie zB neulich der Hinweis auf die neue Röyksopp-Platte. Bei manchen anderen Blogs geht es mir auf den Säck, wenn die Videos posten, weil die manchmal keine anderen Ideen zu haben scheinen. Bei dir allerdings stimmt die Mischung irgendwie!

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  11. [ZITAT]

    "Update (22:53)
    Übrigens ist die Liste auch noch mal eine schöne Sammlung für die These, dass der Staat es wahrscheinlich auch nicht besser machen würde als die freie Wirtschaft. Die Politiker waren an den grundlegenden Fehlentscheidungen, die die Basis für die Krise legten, mitbeteiligt.



    DER STAAT, DER STAAT, der hat früher schon Kohle ver- und rausgefeuert:
    Die CDU/CSU machte es der Wirtschaft vor, wie Geld verschleudert wird - kaum nachvollziebar für den Normalbürger und -verbraucher.
    Ein Beispiel ist Claudia Nolte - “Mädchen # 1” des CDU-Chefs Kohl. Sie war mit 28 Jahren jüngste und knappe vier Jahre Familienministerin in seinem Kabinett. Mit vollendetem 55. Lebensjahr stehen der heute 41-jährigen schon jetzt 3.700 Euro Ministerpension zu, mit 61 zusätzlich 2.470 Euro Abgeordnetenpension, die von Jahr zu Jahr dynamisch steigen.
    Der Normalbürger müssten dafür 239 Jahre arbeiten.

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