Zahl des Tages (15.03.09): 190.000

Ich gebe die Zahl mit gebotener Vorsicht weiter, denn sie ist IMHO zu hoch.

Trotzdem ...

DK Matei, Chairman der ACTA, will ausgerechnet haben, dass das Nominalvolumen aller Derivate auf der Welt umgerechnet auf die Weltbevölkerung

190.000 Dollar

pro Kopf beträgt. Also auch bei jedem Reisbauern in Vietman oder Schafhirten in Tunesien.

Die Summe muss man natürlich sofort relativieren, denn der große Teil der Geschäfte sind ja Nullsummenspiele. Eine Position auf der einen Seite hebt sich mit der Position der Gegenseite auf. Das Problem daran ist, dass diese Gleichung nur gilt, wenn die Gegenseite auch bezahlt, bzw. bezahlen kann ... Und das ist der Grund, warum keine Bank mehr Pleite machen darf.

Aber auch im Detail kann ich die Zahlen nicht ganz nachvollziehen. Ich habe eine Summe von etwa 600 Billionen für alle Derivate im Kopf, nach Nachschauen bei der BIS (Bank für interantionalen Zahlungsausgleich) beträgt der letzte gemeldete Wert 683 Billionen. Matei kommt jetzt aber auf über 1,1 Billiarden. Mir scheint, als habe er Teilsummen (also 600 Billionen, davon 60 Billionen auf Devisen, 60 Billionen auf Zinsen, etc einfach zusammenaddiert). Allerdings kommt man auch so etwa 100.000 Dollar Derivate pro Kopf.

Weiss jemand zufällig mehr, wie man die Zahlen intrepretieren muss?

Siliconalleywatcher: The Size of Derivatives Bubble = $190K Per Person on Planet

BIS.org: Table 19: Amounts outstanding of over-the-counter (OTC) derivatives

Kommentare :

  1. Hallo egghat
    Wenn Matei von über 1,1 Billiarden ausgeht,passt die Rechnung doch. Wir haben
    vor ein paar Jahren die 6 Milliarden
    überschritten.
    Gruß Nordmann

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  2. Da gibt es doch alle paar Monate einen Bericht, der die nominalen Derivate auflistet.

    Laut diesem belief sich das nominale Volumen irgendwann letztes Jahr schon auf 1 Billiarde (1000 Billionen) USD.

    Nominal bleibt dann in etwa 1 % (kann das nicht nachvollziehen, hab es aber an mehreren Stellen so gelesen), also 10 Billionen USD.

    Hab mich daher auch etwas über deinen Post zur Derivateposition der AIG gewundert. In diesem Zusammenhang ist das doch kein großer Betrag u. nominal bleiben von 1,6 Billionen 16 Milliarden.

    Ist doch nicht die Welt. ;-)

    Gruß

    SupaHöd

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  3. laut der BÜSO sollen es schon 1,4-1,8 Billiarden sein .

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  4. Ist die Diskussion über den Nominalwert der Derivate nicht genause zweckfrei wie eine Diskussion über die Gesamtdckungssume aller Haftpflichtversicherungen in Deutschland? Geht man im Beispiel der Haftpflichtversicherungen von 40Mio (Zahl der Autos in Deutschland ca. 45Mio) KFZ-Haftpflichtversicherungen mit einer Deckungssumme von 1Mio aus, dann kommt man auch locker auf 40 Billionen Euro. Ganz schön hohe Zahl (und die ganzen Privathaftpflichtversicherungen sind da noch gar nicht drin), die sich losgelöst von den Hintergründen gut eignet um Panik zu schüren. Ist das bei den Derivaten nicht ähnlich?

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  5. Es wird gleich spannend im Parlamentsfernsehen. Anhörung zu Hypo Real Estate live online ab 11 Uhr-14 Uhr
    http://www.bundestag.de/aktuell/tv/live300.html

    Das Flower Statement kann man bereits hier lesen:
    http://www.bundestag.de/Ausschuesse/a07/anhoerungen/120/Stellungnahmen/15-Flowers.pdf

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  6. @Nordmann:

    Der Teil der Rechnung ist klar, die Frage ist, ob die 1,1 Billiarden stimmen ...

    @SupaHöd:

    Den Bericht der BIS habe ich rausgesucht. Darin stehen 683 Billionen. Wo hast du die Billiarde gesehen?

    @Anonym:

    Was ist die BÜSO?

    @Anonym2:

    Darauf hingewiesen, dass das Nominalvolumen viel geringer ist, habe ich bereits. Man kann aber trotzdem nicht sagen, dass das dann gar kein Problem mehr ist. Im Fall AIG sieht man ja, welche Risiken in der einen Seite stecken können. Denn wenn der Staat nicht die 150(?) Mrd in die AIG gesteckt hätte, wären diese Verluste woanders aufgetreten. Und hätten dann mglw. ein paar weitere Pleiten nach sich gezogen.

    Dein Vergleich mit den Haftpflichtversicherungen ist irgendwie gut, aber irgendwie passt der auch nicht. Denn die Werte, die per Haftpflicht versichert sind, kippen nicht wie Dominosteine um. Die Werte im Finanzsystem hingegen schon ...

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  7. @egghat:

    Wahrscheinlich ist mit BüSo eine Marginalpartei (36K Stimmen in 2005) gemeint.
    Die Jungs und Mädels haben gelegentlich Wahlwerbung mittels Chorgesang im ÖPNV gemacht. Ich kenne sie aus der Kölner Straßenbahn. Lästig, aber nur akustisch aufdringlich.

    Keiner der vorstehenden Anonymi

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  8. AIG-Milliarden an die Deutsche Bank: Nur eine Anzahlung?

    Rückkäufe sind erst am Anfang

    Knapp 30 Milliarden Dollar für Rückkäufe – das klingt eigentlich viel. Doch in Wirklichkeit ist das erst der Anfang. In der Bilanz für 2008 gibt AIG zu, dass Ende 2008 noch immer ein CDS-Portfolio in Höhe von 234 Milliarden Dollar in den Büchern stand. Im Jahr zuvor waren es noch 379 Milliarden Dollar gewesen, AIG hat also schon ein wenig bei den toxischen Wertpapieren abgespeckt.

    Für Europas Banken steht da noch einiges auf dem Spiel. Denn das CDS-Portfolio stammt laut Bilanz von Finanzinstitutionen “vor allem aus Europa“. Die nun offengelegten Zahlungen zeigen, dass ein ziemlich großer Teil davon an amerikanische Banken floss. Wie Michael Mandel im Blog Economics Unbound vorrechnet, gingen insgesamt 44 Milliarden der Gelder an US-Banken. Rund 58 Milliarden Dollar flossen an Banken außerhalb der USA, davon ein Großteil an französische und deutsche Banken.
    Deutsche Bank hängt offenbar tief im AIG-Schlamassel

    Die Deutsche Bank erhielt hierzulande bei weitem die meisten Gelder. Das zeigt deutlich, dass sie im AIG-Schlamassel tiefer drinsteckt als bislang zugegeben. Ganz deutlich sieht man das an der Rangliste der CDS-Rückkäufe. Sie ist ein guter Gradmesser, wie tief die europäischen Banken im AIG-Morast versinken. Denn vermutlich werden die AIG-Mannen zuerst bei jenen angeklopft haben, die am meisten CDS-Verträge eingegangen sind.

    Bei den Rückkäufen liegt die Deutsche Bank an vierter Stelle. Doch die Liste täuscht ein wenig, denn US-Banken scheinen bei den Rückkäufen überrepräsentiert. Denn AIGs CDS-Portfolio besteht großteils aus Kontrakten mit europäischen Banken. Damit dürfte die Deutsche Bank nach der Société Generale eigentlich an zweiter Stelle liegen.

    USA spielen möglicherweise böses Spiel

    Josef Ackermann kann sich nun natürlich drüber freuen, dass er statt deutscher Staatshilfen nun indirekt amerikanische Gelder erhält. Doch dieses Spiel ist brandgefährlich.

    Das Rückkauf-Verhalten von AIG gibt einem Gerücht Nahrung, die sich seit Wochen in Finanzkreisen hält. Demnach sollen die Amerikaner angeblich versuchen, ihre eigenen Banken so rasch als möglich aus dem CDS-Schlamassel zu befreien. Sobald sie das erreicht haben, wollen sie AIG angeblich endgültig in die Pleite schicken.

    Für Europas Banken wäre das ein Schlag, den sie nur schwer verkraften könnten. Denn wenn AIG Pleite geht, müssten sie ihre gesamten CDS-Kontrakte abschreiben. Das würde die Deutsche Bank in eine lebensbedrohliche Schieflage bringen.

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  9. @alex

    Warum haben die Amis eigentlich diese Liste veröffentlicht? Vielleicht damit der amerikanische Steuerzahler AIG in die Pleite schicken will, damit er die Krauts und Frogs nicht mehr durchfüttern muss? Das Ende von AIG würde wohl ganz Europa in die Knie zwingen.

    Das sieht für mich nach einem ziemlich diabolischen Plan aus, die Bevölkerungen von Europa und den USA gegeneinander auszuspielen. Wollen wir hoffen, dass ich hier nur phantasiere...

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  10. Hallo Egghat
    Nur weil ich es in meiner letzten mail
    erwähnt habe: ich bin eben nochmal über
    die angeblichen 1 600 Billionen Derivate
    gestolpert.
    Quelle: Investor-Verlag, Kapitalschutz-
    Akte, 3.Juni, wo nimmt die amerikanische
    Regierung ihr Geld her?

    Gruß Nordmann

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