Zahl des Tages (18.3.09): 5.000.000.000.000

Ich glaube, ich bin auch schon in den Kommentaren darauf angesprochen worden. Meredith Whitney, die ehemalige Analystin von Oppenheimer - jetzt selbstständig-, die schon mit der negativen Hauspreisprognose - sie erwartet ein Minus von 45% - aufgefallen ist, richtet jetzt ihre Blicke auf die Kreditkartenlinien der Amerikaner.

Diese sind zwar nur etwa halb so hoch wie die Hypotheken und mögen daher schnell übersehen werden, aber allein die Summe von

5.000.000.000.000 (5 Billionen) Dollar

macht schnell klar, dass man sich um dieses Problem durchaus kümmern sollte. Von den 5 Billionen sind zwar "nur" 800 Milliarden wirklich in Anspruch genommen, aber trotzdem handelt es sich noch um ein hübsches Sümmchen.

Die US-Regierung hat das auch irgendwie schon gesehen und ein Sicherungspaket für Kreditkartenschulden geschnürt, damit dieser Markt nicht genauso zusammenbricht wie der Markt der mit Hypotheken besicherten Anleihen (MBS). Denn die Kreditkartenschulden bleiben (genau wie die Hypotheken) in den USA selbstverständlich nicht in den Büchern der Vermittler, sondern landen verbrieft in Anleihen an der Börse.

Da der Markt der mitirgendwas-besicherten Anleihen 2008 in den USA komplett zusammengebrochen ist (dazu vielleicht morgen mehr), können die Vermittler auch keine neuen Kredite mehr vergeben. Whitney schätzt, dass allein im vierten Quartal 2008 die Kreditkartenlinien um 500 Milliarden Dollar gesunken sind. Whitney erwartet, dass die Kürzungen noch weiter gehen und gut 2 Billionen oder mehr erreichen könnten. Und das Geld fehlt dann für den Aufschwung.

Am Ende drehen sich viele Sachen um das gleiche Problem: Es gibt zu viele Schulden. Diese müssen runter. Aber ohne neue Schulden gibt es keinen Aufschwung. Im Moment sehen wir den Schuldenabbau bei den Verbrauchern und den Banken, dafür jagt der Staat die Schulden nach oben. Der Staat pump zwar viel Geld in die Wirtschaft, aber ob das auch ankommt und das nicht durch das Sparen der Verbraucher wieder "aufgefressen" wird, weiss ich immer noch nicht. In meiner Entscheidung, ob wir Deflation oder Inflation als das beherrschende Thema für die nächsten drei Jahre bekommen werden, bin ich noch keinen Zentimeter weiter. Leider.

Was meint ihr?

WSJ: Credit Cards Are the Next Credit Crunch

Kommentare :

  1. Und die zweite Zahl des Tages ist ja wohl eindeutig 1 Billion.

    Heute eigentlich mal den Goldpreis verfolgt? Da entwickelt sich inzwischen eine Volatilität wie am Aktienmarkt.

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  2. In Europa wird die Kreditsumme der Privaten und Unternehmen stärker zurückgehen (credit crunch) als der Staat seine Kredite ausweiten kann (die gesamte Kreditsumme der Volkswirtschaft sinkt). Preiserhöhungsspielräume für Unternehmen sehe ich überhaupt nicht (Nachfrage ist zusammengebrochen und wird weiterhin schwach bleiben). Außerdem ist die EZB nur der Preisstabilität verpflichtet und wird daher nicht so aggressiv wie die FED vorgehen. In der Euro-Zone erwarte ich daher deflationäre Tendenzen in den nächsten drei Jahren.

    Wohin die Experimente von Zauberlehrling Bernanke führen werden, ist nicht analysierbar. Er weiß da mit Sicherheit auch nicht, was da am Ende dabei herauskommen wird. Wenn die FED in diesem Tempo weitermacht, dann könnte es eine Stagflation werden.

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  3. Hi

    Danke für deine guten Artikel! Lese häufig mit.

    Wollte dich nur auf einen (Schreib-) Fehler bei den beiden Zahlen aufmerksam machen. Bei der zweiten fehlen nämlich 3 Nullen! :)

    Gruss MB

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  4. Puh, meine Meinung. Sehe das ganze aus der Froschperspektive, aber der Ausblick ist deshalb auch nicht besser. Eigentlich sehe ich nur Notlösungen, damit die Krise die Ärmsten nicht mit voller Härte trifft. Also Mieten, die man irgendwann zahlen muss, Kühlschränke die praktisch verschenkt werden, die Sozialmärkte usw.

    Geht es aufwärts, dann kommen zuerst mal die Notlösungen weg (die wir sowieso nicht mehr lange durchhalten), dann müssen die Schulden abgebaut werden oder die Leute in Privatkonkurs gehen und erst dann steigt der Konsum wieder.

    Ist jetzt der Stand von Wien, aber zumindest in Berlin kommt ja noch die Fremdenfeindlichkeit dazu. Ist also keinesfalls besser.

    Ich habe den Eindruck, als wollte man im Moment die Grenzen der Wohlfahrt ausloten. Soll aber niemand überrascht sein, wenn einem dann alles um die Ohren fliegt.

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  5. Des einen Schulden sind des anderen Vermögenswerte.

    Es geht darum, wer die Verluste letztendlich tragen muss:

    Steuerzahler/Staat
    Banker
    Auslandsinvestor
    Inlandsinvestor

    Jeder muss seine Anlagen danach überprüfen, wie stark die Anlagen gehebelt sind.

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  6. Hä? Die Fed hat doch gestern ganz klar gezeigt, dass sie reflationieren wird, was die Pressen hergeben.

    Die Kohle wird in Gold reinfließen, aber auch wieder in die Emerging Markets, die BRICs (evtl. ohne R), sowie meiner Meinung nach auch in alles, was es nur begrenzt gibt: Wasser, Öl, Edelmetalle, Diamanten, hochwertige Kunst und Weine. Die Deflation ist gestern nach nur kurzer Zeit beerdigt worden; sie war nie ein Option.

    Also Haus kaufen, teure Bilder an die Wand, teure Weine in den Keller. Ach ja, und noch mal voll tanken. An einen Ölpreis von $70 bis $80 werden wir uns bald wieder gewöhnen müssen, allerdings für uns abgemildert durch einen fallenden Dollar.

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  7. @Olaf

    Verstehe ich nicht. Zum einen meinst Du wir sollen Wein kaufen, zum anderen verscheuerst Du gerade Deinen halben Weinkeller bei ebay.

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  8. Naja, so 2 oder 3 Pullen bleiben schon noch übrig.

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  9. Außerdem ist Wein im Gegensatz zu Gold ein verderbliches Gut. Soll ich jede Woche meine Nachbarn einladen, um die jetzt trinkreifen Weine wegzuballern? Frei nach dem Motto "Hey, ich habe da noch 2 Kisten Vega Sicila 1970 gefunden. Habt Ihr Samstag Zeit?"

    Da verkaufe ich sie lieber und bestelle die neuen Jahrgänge.
    Ein guter Wein ist wie ein Bus, in fünf Minuten kommt der nächste.

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  10. @Olaf:

    Dass die Fed inflationieren will, ist spätestens seit gestern sonnenklar. Die Frage ist nur ob das klappt.

    Bernanke ist zwar der Helikoptermann, aber bisher hat er den nicht angeworfen. Wir reden über Bilanzsummen bei den Banken, die in Höhe des BIPs liegen. Gehen wir mal davon aus, dass die Banken im Schnitt einen Hebel von 20 hatten und nehmen wir weiter an, dass der Hebel auf 15 runter muss, dann sinken die Bilanzsummen um 25%. Also ein Viertel des BIPs, sprich 4 Billionen Dollar. Da reicht auch die 1 Billion von gestern nicht aus.

    Meine Annahmen sind noch optimistisch, denn ich habe den Verlust von Eigenkapital der Banken ja noch gar nicht dagegen gerechnet. Dadurch sinkt ja auch nochmal die Menge Geld, die die Banken verleihen können. Das kommt noch auf das oben beschriebene Deleveraging drauf.

    Rechnet man beides zusammen, kommt man schnell auf 4,5 oder 6 Billionen Kredite, die es demnächst nicht mehr geben wird. Die Japaner haben Anfang der 90er auch immer reagiert, aber eben zu spät und zu wenig. Auch denn die Reaktion in den USA um einiges schneller und massiver ist, bin ich mir nicht so sicher, ob das schon ausreicht.

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  11. Durch den Kauf der ganzen wertlosen Papiere mit den tollen Abkürzungen werden hier aber die Schulden zu Geld gemacht.

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