Zahl des Tages (20.03.09): 6,5%

Es gibt ja Sachen, die ändern sich in der aktuellen Krise schneller als man denken kann, es gibt aber auch Sachen, die bleiben wie gehabt. Und manche Sachen ändern sich und bleiben doch wie gehabt ...

Die Weltbank hat die Schätzung für das Wirtschaftswachstum in China für 2009 auf

6,5%

korrigiert. Wohlgemerkt auf plus 6,5%.

Den Chinesen mag das wie in unglaublicher Einbruch vorkommen, der Rest der Welt schaut aber weiterhin neidisch auf die chinesischen Wachstumsraten. Die chinesische Regierung erwartet übrigens (noch?) 8% Plus, während die deutsche Regierung sich verzweifelt wehrt, die Prognose von -2,2% noch weiter zu senken (obwohl es dazu kommen wird).

Die Frage für mich bleibt, ob die Zahl nicht noch (viel) zu positiv ist. Denn in China geht der Stromverbrauch zum ersten Mal seit langem zurück. Und der Stromverbrauch war bisher ein ziemlich guter Indikator für das Wirtschaftswachstum. Es erscheint kaum vorstellbar, dass China mit mehr als 6% wächst und gleichzeitig der Stromverbrauch sinkt. So stark bzw schnell kann eine Volkswirtschaft die Energieeffizienz gar nicht erhöhen. Außerdem sind die chinesischen Exporte um fast 25% eingebrochen und auch aus dieser Richtung gibt es keinerlei Wachstumsphantasie.

Marketwatch: World Bank cuts China GDP estimate again, to 6.5%
Spiegel: Weltbank senkt Wachstumsprognose für China

Spannend ist auch noch eine andere Zahl. Die geradezu täglichen Senkungen der Prognosen haben inzwischen dazu geführt, dass die Wachstumserwartung für die Weltwirtschaft ins Minus gerutscht ist - zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg. Übrigens erwarten IWF, Weltbank und OECD inzwischen allesamt ein Minus.

Spiegel: OECD schreibt 2009 ab
FAZ: Weltwirtschaft schrumpft erstmals seit 60 Jahren

Tja, die Idee mit dem Decoupling der Weltwirtschaft, also der These, dass China und Indien die Weltwirtschaft vor der Krise bewahren, ist damit wohl auch geplatzt ...

FTD: Volkswirte zweifeln am Weltmotor China

Mir war eh immer etwas unklar, wieso gerade das exportabhängige China unbeeinträchtigt von einer Krise des größten Abnehmers USA bleiben sollte ...

Kommentare :

  1. - Zitat -
    Die Frage für mich bleibt, ob die Zahl nicht noch (viel) zu positiv ist. Denn in China geht der Stromverbrauch zum ersten Mal seit langem zurück.
    - Zitat Ende -

    kluges Kerlchen, der Egghat.

    Für China ist das Wirtschaftswachstum das, was für die Bunderegierung mit ihrer komischen Arbeitnehmerdrangsalierungsagentur die Arbeitslosenstatistik ist. Deutschland und China könnten einen Platz im Guiness Buch für Rekorde bekommen - für jeweils am perfektesten gefälschte Statistiken.

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  2. Vielleicht haben die Chinesen die Idee der EU geklaut die normalen Glühbirnen zu verbieten und damit ratzfatz den Stromverbrauch gesenkt (und als Nebeneffekt ganz geschmeidig das Klima gerettet).

    Wer jetzt wirklich anfängt nachzudenken, ob ich vielleicht tatsächlich Recht haben könnte, der tut mir leid.

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  3. Ich kann mir überhaupt gar nicht vorstellen, dass China dieses Jahr trotz allem noch 6,5% wachsen soll bzw. überhaupt wachsen soll.

    Womit wird dieses Wachstum den begründet?

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  4. @m106:

    der grund? wachstumsarithmetik. kann man sich schön in einer tabellenkalkulation veranschaulichen. nach dem starken wachstum im letzten jahr kommt china selbst wenn das bip auf niveau des vierten quartals stagniert auf gut 4% jahres-"wachstum".

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