CDS werden GM vernichten

Ich hatte gestern über den Umstrukturierungsplan von General Motors berichtet. Danach müssen die Anleiheeigner ihre Schulden in neue Aktien umtauschen und würden bei kompletter Annahme des Angebots nachher etwa 10% an der neuen Firma halten. Die Details gibt's hier: Zahl des Tages (27.04.09): 1%.

Das ist ein ziemlich klassischer Debt-To-Equity-Swap, der im Fall von Überschuldungen relativ häufig gemacht wird. In den letzten Jahren hat sich jedoch eines geändert und das macht solche Sanierungen möglicherweise komplett unmöglich: Es gibt jetzt CDS. Mit diesen Credit Default Swaps schließt man eine Kreditausfallversicherung ab. Das heißt im Fall einer Pleite zahlt mir die Versicherung den Ausfall. Das läuft technisch etwas komplexer ab, aber diese Details sind jetzt nicht so wichtig.

Wichtig ist nur: Jeder, der einen CDS auf die GM-Bonds abgeschlossen hat, ist es bei einem Kurs von 100% egal, ob die Anleihe ausfällt oder nicht. Liegt der Kurs allerdings unter 100% und ist das Umtauschangebot auch auf diesem niedrigen Niveau kalkuliert, hat er kein Interesse, die Firma zu retten. Im Gegenteil: Für den per CDS-abgesicherten GM-Anleiheeigner ist die Insolvenz sogar interessanter, weil er dann nahezu sofort 100% bekommt. Ohne langes Warten, ohne weiteres Risiko.

Man kann das vergleichen mit einer Vollkasko-Autoversicherung, die keinen Schadensfreiheitsrabatt kennt und immer den Neuwert eines Autos auszahlt. Gäbe es eine solche Versicherung, würden auch alle ihr Auto alle paar Jahre frontal vor die Wand fahren. Und sich dann mit dem Geld ein neues Auto kaufen.

Genau das ist ein CDS: Die Insolvenz abzuwarten, ist weder Betrug noch zieht sie irgendwelche Konsequenzen nach sich (also eine höhere Prämie für die nächste Versicherung).

Im Fall der Auto-Vollkasko-Rundum-Glücklich-Police von oben wird jedem schnell klar wird, dass eine Versicherung so nicht funktionieren kann,. Diese Erkenntnis ist den hochbezahlten Experten an der Wall Street, die die CDS konstruiert haben, aber scheinbar noch nicht gekommen ...

Wenn man jetzt wüsste, wie viel Prozent der GM-Bonds mit CDS abgesichert wurden, könnte man auch direkt die Wahrscheinlichkeit für das Scheitern des Angebots ableiten (es reichen ja 10% Ablehnung). Denn die CDS-Käufer werden das Umtauschangebot nicht annehmen. Sie wäre ja auch blöd. Erst für den CDS Geld bezahlen und dann am Ende die versprochene Leistung nicht in Anspruch nehmen ...

Gefunden habe ich den Hinweis auf die CDS im Barrons:

Barrons: Pontiac Goes From GTO To KOed In GM’s Latest Restructuring Plan


Update (15:45):

(habe ich auch schon unter den GM-Artikel von gestern ergänzt, passt aber hier besser hin)

Wie erwartet sind die "Freien" Gläubiger wenig begeistert, da sie nur 10%, der Staat jedoch 50% bekommt, obwohl beide Schulden in ungefähr der gleichen Höhe einbringen. GM Chef Henderson sagt, dafür könne er nichts, der Staat hätte die Bedingungen diktiert.

Riecht ein wenig nach Absicht der Regierung. Erst den freien Gläubigern ein inakzeptables Angebot unterbreiten, diese lehnen dann ab und dann bekommt die Regierung doch noch das scheinbar angestrebte Ziel: Die Insolvenz. Der Unterschied zur direkten Insolvenz: Man hat einen Schuldigen: Die freien Gläubiger ...

FAZ: GM-Gläubiger weisen Sanierungsplan zurück
FTD: GM-Gläubiger schimpfen auf Rettungsplan

Update (13.05.09)

Ein anonymer Kommentator hat eine interessante Zahl nachgereicht. Angeblich (man kann das mangels öffentlicher Datenquellen nicht nachprüfen, übrigens eines der grundsätzlichen Probleme bei CDS) stehen nur etwa 2 bis 2,5 Mrd. Dollar an CDS auf GM Anleihen aus. Da nicht alle Halter der CDS auch Anleihen besitzen, könnte der Teil noch geringer sein.

Aber auch wenn die CDS-Halter allein nicht die 10% erreichen, die zur Ablehnung führen würden, könnte die CDS-Besitzer immer noch die größte Gruppe der Widerständler stellen.

Kommentare :

  1. Läuft langsam alles aus dem Ruder.
    Gruß

    PS.: wäre wohl langsam Zeit für ein paar "Trümmerparties".

    ;)

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  2. OT: Kennst Du eine Anlaufstelle für aktuelle CDS-quotes?

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  3. @anonym

    das beste was ich kenne (für banken) ist
    http://www.structuredproductsonline.com/public/showPage.html?page=854342

    oder

    http://www.derivate.bnpparibas.com/DE/index.aspx?pageID=125

    dazu noch http://markit.com/en/about/news/commentary/cds/cds.page?

    (allerdings nur wenig daten). Wird Zeit dass man eine öffentliche Börse für cds einrichtet...

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  4. Interessanter Post. War mir bisher nicht klar gewesen, aber macht Sinn. Immer wenn man denkt, es könne einen nichts mehr überraschen...

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  5. Also diese Vollkasko-rundum-glücklich-Versicherung könnte man von mir aus gerne mal einführen. Natürlich würde das dann auch recht bald gegen die Wand gefahren, aber das wäre dann wenigstens mal ein "Unglück" von dem die normalen kleinen Verbraucher mal was gehabt hätten außer Verlusten. Ein ganz großer Knall wäre doch sowieso vielleicht bald mal ganz angebracht.

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  6. GM CDS waren vor ein paar Tagen 85% up-front + 5% pro Jahr, inzwischen wohl etwas hoeher.

    Und so viel CDS gibt es auch nicht. Insgesamt ca. 2-2.5 Mrd USD, d.h. etwas weniger als 10% der ausstehenden Bonds.. und nicht alle CDS-Besitzer muessen auch bonds haben.

    Der Hauptgrund warum die Bond Umtauschaktion scheitert sind nicht CDS, sondern die miesen Bedingungen im Vergleich zu dem, was die Gewerkschaft und Regierung bekommen soll.

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  7. "und nicht alle CDS-Besitzer muessen auch bonds haben. "

    Im Schnitt hat sogar nur jeder 6. tatsächlich einen Kredit vergeben,
    welcher dann per CDS versichert ist...
    ...d.h.: 5/6 der CDS sind reine Zockerei.

    Ausschnitt:
    "
    «Ich habe den CDS damit erklärt, dass Sie eine Obligation besitzen,
    deren Risiko Sie auf jemand anderen übertragen wollen», sagt Gregg Berman.
    «Aber was passiert, wenn Sie sich den Risikoschutz kaufen, ohne die Anleihe zu besitzen?»

    «Warum sollte ich einen solchen Schutz kaufen? Das wäre so,
    als schlösse ich eine Versicherung für ein Haus ab, das ich gar nicht besitze.»

    «Genau so ist es! Als würden Sie eine Versicherung für ein Haus abschliessen,
    das Sie gar nicht besitzen.
    Sie schliessen eine Brandversicherung für ein Haus ab, und dann schliesse ich
    ebenfalls eine Brandversicherung für das Haus ab, und tausend weitere Personen
    schliessen ebenfalls eine Brandversicherung für das Haus ab.
    Was hier eigentlich passiert, ist: Man wettet auf das Haus.»

    Haben Sie das kapiert? Sie benutzen gewissermassen eine Versicherungspolice,
    um eine Wette abzuschliessen.
    Nehmen wir an, es gibt einen Kerl namens Frank, der eine Lebensversicherung
    abgeschlossen hat.
    Wenn er stirbt, erhält der Begünstigte 1 Million Dollar.
    Jetzt stellen Sie sich eine Meute von anderen Leuten vor, die sagen:
    «Wenn Frank stirbt, will ich auch 1 Million Dollar haben.»
    Und alle diese Leute schliessen Versicherungen auf Frank ab. "
    und weiter im text:
    "

    Satyajit Das behauptet, während seiner Zeit in der Branche seien immer mehr CDS zu Spekulationszwecken benutzt worden und immer weniger zu Versicherungszwecken. Die Zahl der ersteren habe die Zahl letzterer um ein Vielfaches übertroffen. Die Zahlen sind in der Tat unglaublich. Andrew Ang, Professor an der Columbia Business School und Experte für den CDS-Markt, beschreibt die Situation so: «Das Volumen des Markts für Unternehmensobligationen beträgt ungefähr 5000 Milliarden Dollar, und der Nennwert aller ausstehenden CDS beläuft sich auf 60 000 Milliarden Dollar.»

    Mit anderen Worten: Der Wert aller Unternehmensobligationen auf der Welt beträgt 5000 Milliarden Dollar, aber die Leute haben 60 000 Milliarden auf diese Obligationen gewettet. Auf jede Anleihe kommen zehnmal so viele Leute, die versprochen haben, den vollen Nennwert dieser Obligation auszuzahlen, falls die entsprechende Firma pleitegeht."

    quelle:
    http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/32602519-8517-4672-990d-aeee205f290a.aspx

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