Nix mehr Felix Austria?

Ist Österreich am Ende der Glückssträhne angekommen?

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman weist auf eine (eigentlich schon länger bekannte) Zahl hin, nämlich die Kredite an Osteuropa gemessen in Prozent des BIPs. Da liegt Österreich weit an der Spitze.
Genau das Faktum, das vor zwei Jahren noch das große Plus Österreichs war, nämlich das Engagement in Osteuropa, ist inzwischen zu einem Bumerang geworden. Wer fast 70% (manche kommen gar auf 98, siehe den Spiegel-Artikel unten) seiner Kredite in eine inzwischen kriselnde Region vergeben hat, muss sich nicht beschweren, wenn er in Sippenhaft genommen wird. Die CDS auf Österreich, die im Top bei mehr als 250 Basispunkten lagen, sprechen eine deutliche Sprache und waren auch schon Thema hier.

Dabei ist das, was Krugman sagt, eigentlich gar nicht sooo negativ ("Is Austria doomed? Of course not!"). Er weist nur darauf hin, dass die Sache Österreich viel Geld kosten wird und die Finanzen dieses eigentlich gesunden Landes nachhaltig belasten wird. Damit sieht er Österreich auf Platz drei hinter Island und Irland. Und wenn man sich nur den Bankensektor anschaut, hat Krugman wohl auch Recht. Die Probleme anderer Staaten (Baltikum, Ungarn, etc.) stammen nicht vorwiegend aus dem Bankensektor, sondern durch hohe Staatsdefizite und Handelsbilanzdefizite. *Ich* würde zum Beispiel das Baltikum deutlich vor Österreich einsortieren.

Krugman: Austria (Blogeintrag)
The Return of Depression Economics? (eine Rede, nach Austria suchen, um den Kommentar zu finden)

Telepolis: Pleitekandidat Österreich?
FTD: Krugman erzürnt Österreich mit Pleitethese
Handelsblatt: Österreich schießt scharf gegen Krugman
Spiegel: Österreich wehrt sich gegen Bankrott-Warnung

Die Österreicher sind aber trotzdem stinksauer und reden von Wirtschaftskrieg, etc.

Die Presse.at: Krugman kontert Kritikern: "Sage nur, was jeder weiß"
Kurier.at: Strauss-Kahn: "Keine Sorgen um Österreich"

Besonders lustig wird es dann, wenn Politiker dem Wirtschaftsnobelpreisträger vorwerfen, er habe keine Ahnung. Aber so sind Politiker halt: Können nix, wissen alles ...

Pröll: Staatspleite "absurdes Szenario"

Mich erinnert die Lage irgendwie an Irland. Niedrige Steuern, das Bankensystem hat einen großen Anteil am BIP, etc. pp. All das machte das Land zu einem Vorzeigebeispiel der Neoliberalen. Aber jetzt wird klar, dass man nur mit Banken und niedrigen Steuersätzen auch nicht über die Runden kommt ...

Während DonAlphonso immer so schön über Irland abrantet, hält er sich bei Österreich auffallend zurück. Und ich kann nicht so gut schreiben ... Aber wahrscheinlich hat DonAlphonso einfach nur Angst um Lotharingien und hält sich deshalb zurück ...

Kommentare :

  1. Man darf bei den ganzen Bankenproblemen nicht vergessen, dass Österreich auch einen enorm starken und innovativen produzierenden Sektor hat (im Gegensatz zu Island und Irland). Wir bauen z.B. gerade ein Haus, und wenn ich immer die besten Materialien einbauen könnte, dann kämen wohl 50% aus Österreich.

    AntwortenLöschen
  2. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum die Banken nach Irland gegangen sind, aber ich denke der Hauptgrund war die Steuerersparnis. Und das ganze Geld haben sie dann in amerikanische und britische Immopapiere geseckt.
    In Österreich haben die Banken in Osteuropa Kredite vergeben, an Kleinunternehmen, an Fabriken, an Immobilienentwickler und auch sehr viele an private Haushalte.
    Aber der Unterschied ist doch, das diese Kredite nach "unseren" Richtlienen vergeben wurden, also Immobilien max. 60% des "Schätzwertes" der Immobilie - Haftung auch dann, wenn die Bank schon längst die Immobile versteigert hat (im Gegensatz zu amerikanischen Immobilen).
    Ich finde, da stehen doch westlich mehr Sicherheiten dahinter, als bei diesen Zockerpapieren, um die es sonst geht.

    AntwortenLöschen
  3. Ich will Österreich nicht schlecht machen und mir ist die Stärke Österreichs auch sehr wohl bewusst. Deshalb wird Österreich auch die Krise meistern, trotzdem wird es das Land ein paar Jahre (wohlstandmäßig) zurückwerfen.

    Die Kredite in Osteuropa sind schon allein aus einem Grund kritisch: Sie sind zu großen Teilen NICHT in Euro vergeben. Im Baltikum sollen 80% der Immobilienkredite NICHT in lokaler Währung sein. Ein ganzer Teil davon nicht einmal in Euro, sondern in Sfr oder Yen. Billigzinsen nutzen! Das ist jetzt EXTREM kritisch, weil die Währungen in Osteuropa allesamt massiv gesunken sind. Die Kreditsummen haben sich dadurch um 20, 30 oder noch mehr Prozent erhöht. Und dann ist eine ehemals konservative Finanzierung auf einmal verdammt spekulativ und kritisch.

    AntwortenLöschen
  4. Meine Lieblingsbank "Commerbank" schreibt auf Seite 142 ihres Geschäftsberichts 2008:"Beim Retail Mortgage Business der BRE in Schweizer Franken (analog dem Markt ca. 80% des gesamten Mortgage Portfolios)..."
    Dieser Auszug verdeutlicht, wie umfangreich die Kreditvergabe in Fremdwährungen in Osteuropa gewesen sein muss.

    AntwortenLöschen
  5. Pröll, der sympathische Bauer von nebenan, ist ja studierter Landwirt. Da kann er dann auch den Wirtschaftsnobelpreisträgern und Ökonomen, den Deppen, noch etwas beibringen.

    Unfassbar peinlich, diese Realitätsverweigerung der Politik. Mir kommt das Grausen und sehe eigentlich die Politik auch als Hauptverantwortlichen für das, wo die Welt heute steht. Und es wird noch schlimmer - eben, durch solche Aussagen...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore