Pssssst!

Als einer der Hauptgründe für die Finanzkrise wird die mangelnde Transparenz der verkauften Papiere angesehen. Keiner wusste genau, was er da eigentlich kaufte, was aber egal war, denn es wurde 1% mehr Rendite versprochen und die Ratingagentur hatte ein AAA-Rating auf die Blackbox geklebt.

Genauso wie die Intransparenz ein Grund für die Krise war, ist Transparenz eine der Voraussetzungen für die Lösung der Krise. Ist? Besser ist scheinbar "wäre" ...

Dass die Bilanzen der Banken voller Giftmüll stecken, ist bekannt. Die Optimisten sagen, dass das bereits bekannt ist und durch die Abschreibungen von inzwischen etwa 1 Billionen Dollar berücksichtigt ist. Die Pessimisten (z.B. der IWF) meint dagegen, dass erst etwa ein Drittel der Abschreibungen vorgenommen wurden.

Nach der pessimistischen Beurteilung würden in den Bilanzen der US-Banken noch Papiere liegen, die etwa 2 Billionen zu hoch bewertet sind. Und niemand gibt zu, dass man selber welche davon hat.

Kritisch wird es, wenn Aktionäre dabei bluten müssen. Nicht weil es für die Aktionäre so unglaublich schlimm ist, sondern weil die Aktionäre in den USA relativ fundierte Klagerechte haben, die relativ häufig zu Schadensersatzansprüchen führen.

Genau das könnte jetzt bei der Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America drohen. In der Bilanz von Merrill Lynch steckten nämlich genau diese Schrottpapiere und zwar viel zu optimistisch bewertet. Nur ging es Merrill Lynch schlecht und zwar so schlecht, dass die Firma ohne Übernahme wohl nicht überlebt hätte. Also hob man den Teppich hoch, kehrte die Schrottpapiere darunter und schwor sich, keinem was zu sagen. Dem Chef der Bank of America wurde wohl auch ziemlich offen mit dem Verlust des Jobs gedroht, sollte er was verraten und die Übernahme von Merrill Lynch platzen.

Im Teppichkehr-Orden mit Schweigegelübde befanden sich illustre Personen: BofA Chef Lewis, der damalige Finanzminister Henry Paulson und ... Ben Bernanke.

Das Problem an der Aktion: Die Probleme waren schon bekannt, die Aktionäre der Bank of America mussten aber der Übernahme noch zustimmen. Da die Bilanz von Merrill scheinbar OK aussah, der Kaufpreis günstig erschien und der Staat die Übernahme mit Hilfen förderte, stimmten sie dann auch zu.

Wenn die Aktionäre der Bank of America gewusst hätten, dass bereits wenige Wochen später knapp 16 Milliarden Dollar Sonderabschreibungen unter dem Teppich gefunden werden, wäre diese Abstimmung wohl anders gelaufen.

Wieso hat der Staat nicht einfach selber Merrill Lynch gerettet? Wieso hat der Staat die Aktionäre der Bank of America mit ins Boot gelockt? Haben die Verantwortlichen in den USA wirklich geglaubt, dass man mit der Nummer durchkommt?

Vertrauen und Transparenz schafft diese lügende, äh leitende Klasse so auf jeden Fall nicht ...

WSJ: Lewis Testifies U.S. Urged Silence on Deal

Upate (21:40)


Eine Einschätzung:

Marketwatch: Bernanke and Paulson look foolish if Lewis is right

Update (21:42)

FJ meint, dass das alles ein wenig nach CoBa-DreBa rieche. Könnte durchaus sein ...

1 Kommentar :

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