Zahl des Tages (03.04.09): 40.000.000.000

Ich wollte eigentlich schon lange wieder einen Blick nach Spanien werfen, weil das eines der Länder war, das am klarsten alle Symptome einer Immobilienblase aufwies. Ziemlich verblüffend war es, dass sich die spanischen Banken wie Santander bisher eher als Profiteur der Krise hervortaten und billig Konkurrenzbanken schlucken konnten, weil es sonst keine liquiden Käufer gab. (Ob diese Käufe in ein paar Jahren noch so positiv bewertet werden, wird man sehen. Aber immerhin ist Santander die einzige Bank, die bei der Zerschlagung der ABN-Amro einen soliden Teil gekauft hat und das noch relativ günstig).

Aber bei den spanischen Banken muss man wohl differenzieren, denn die Lage bei internationalen Banken wie Santander unterscheidet sich wohl deutlich von den regionalen Banken, die nur innerhalb Spaniens tätig sind. Auch wenn die Richtlinien für die Hypothekenvergabe und vor allem die Bilanzierungsrichtlinien in Spanien als vergleichsweise streng gelten, hinterlassen die Preisrückgänge jetzt doch spürbare Löcher in den Bilanzen.

In der letzten Woche musste die spanische Notenbank die Caja Castilla-La Mancha retten (wenn da Casa gestanden hätte, hätte ich direkt wieder Durst bekommen ;-) ). Für die Caja wurde ein Zwangsverwalter eingesetzt und es wurden Garantien in Höhe von 9 Milliarden Euro ausgesprochen. Teile der Probleme gehen zwar auch auf eine Übernahme zurück, aber der Immobilienmarkt spielt sicherlich auch eine Rolle.

Der FAZ-Artikel lohnt sich auch, weil dort zwei interessante Grafiken enthalten sind. Die erste zur Immobilienpreisentwicklung (und sowas bekommt man aus Spanien gar nicht so einfach). Danach ist das Minus inzwischen auf 3,2% gestiegen und es geht weiter nach unten. Die beiden Metropolen Madrid (5,1%) und Barcelona (8,5%) fallen schon deutlich kräftiger.

Die zweite Grafik enthält eines der Maßstäbe der Bezahlbarkeit von Immobilien: Den Multiplikator von Immobilienpreisen zu Jahreseinkommen. Dort sieht man schön, dass die USA schon fast wieder auf einem Niveau angekommen sind, wie es vor dem Aufblähen der Immobilienblase üblich war. Spanien hingegen liegt noch deutlich höher. Schlimmer: 1999 reichten noch etwa 4 Jahreseinkommen, um eine Immobilie zu erwerben, am Preishoch brauchte man fast 8. Der aktuelle Wert liegt noch über 7. Das Ausrechnen des Abwärtspotenzials überlasse ich besser Euch ...

FAZ: Bankenrettung verdeutlicht die Krise

Puh, und immer noch nicht die Zahl des Tages? Kein Angst kommt jetzt, ich habe nur noch 15 Minuten (während ich übrigens Mehmet Scholls 2. Sendung höre (Ach so: Musiktipp Nr.2), wieder toll!).

Die Cajas sind am ehesten vergleichbar mit den deutschen Sparkassen, weil sie den Regionen (bzw. Städten gehören). Diese Cajas waren eine der Hauptquellen für Immobilienkredite. Nun werden die Ausfälle auf diese Hypotheken immer höher. Die Überdeckung der Kredite (Rückstellungen vs. Ausfälle) ist in der Branche von 200 Prozent auf nur noch 56 Prozent gefallen.

Um die Kapitalquoten stabil zu halten, brauchen nach den Berechnungen der Credit Suisse allein die Cajas neues Kapital in Höhe von

40.000.000.000 (40 Milliarden) Euro.

Die Story ist noch nicht zu Ende, befürchte ich ...

Telegraph: Spain’s savings banks could face €40bn hole in capital
gefunden über:
Creditwritedowns: Spain’s savings banks may have 40 billion in writedowns

Update (00:08)

Spaniens Finanzminister hält das übrigens für einen Einzelfall. Aber so hat das in den anderen Ländern auch angefangen ...
Tagesschau: Spanien rettet erste Bank vor der Pleite

Übrigens ist Spanien das erste Land in Europa, in dem die Preise sinken:
Handelsblatt: Teuerungsrate in Spanien sinkt unter null

Damit ist offiziell irgendwie Deflation. Ich kann mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das bei einem Ölpreis von inzwischen wieder 50 Dollar lange so bleibt. Spätestens im Herbst greift der Basiseffekt wieder und dann verzerren die irren Ölpreise des Vorjahres die Statistik nicht mehr so. Die Kernrate in der Inflation ist ja immer noch deutlich positiv. Aber wir werden sehen ...

Update (4.4.09):

Wenn man etwas über Spanien schriebt, muss man eigentlich auch immer auf die extrem hohe Arbeitslosigkeit hinweisen. 15,5% sind schon heftig:

FT Alphaville: Unemployment, Spanish edition

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