Zahl des Tages (04.04.09): 500.000.000.000

Ich hatte am Mittwoch bereits auf die deutlichen Verluste der amerikanischen Pensionskassen hingewiesen (Zahl des Tages (01.04.09): -17%). Ich fragte mich damals, was das denn wohl konkret bedeutet. Insbesondere war meine Frage, ob nach den Kursverlusten die Unterdeckung der Pensionskassen noch weiter gestiegen ist.
Ich konnte die Zahl zur Unterdeckung, die ich im Kopf hatte, leider nicht wiederfinden, aber netterweise hat mir mein Leser Tobias einen Link auf einen Artikel in den Kommentaren hinterlassen, der die Zahl enthält (bzw. eine Zahl enthält, denn die Berechnung dafür dürfte nicht ganz trivial sein).
Errechnet hat die Zahl ein Professor, der die Idee von George W. Bush die Aktienquoten in den Pensionskassen zu erhöhen, nicht gut fand und im Gegenteil ausschließlich auf Bonds setzen wollte. Durch die Kursrückgänge haben die US-Pensionskassen jetzt ein geschätztes Loch von

500.000.000.000 (500 Mrd.) Dollar.

Die Größe des Lochs schwankt natürlich kräftig und ist wahrscheinlich in den sehr guten letzten 4 Wochen schon wieder geschrumpft. Völlig verschwunden ist das Loch aber bestimmt noch nicht, denn dafür müssten die Aktienkurse wohl noch ein paar Jahre weiter steigen. Und das ist ja alles andere als sicher ...

Ob die Amerikaner allerdings so doof sind wie die Deutschen, die 2003 die Versicherungen zur Reduzierung der Aktienquoten gezwungen haben und damit den eh schon sinkenden Aktienkursen den finalen Kick nach unten gegeben haben, wage ich zu bezweifeln. Denn wenn die Amerikaner etwas verstanden haben, ist es das: Zwinge bloß niemand zum Verkauf, wenn die Märkte schon fallen. In den USA wird dann eher über Stabilisierungsmaßnahmen nachgedacht. Dass die USA gerade jetzt die Aktienquoten der Pensionskassen senken, ist also sehr unwahrscheinlich.

Boston.com: Pension insurer shifted to stocks

Kommentare :

  1. es waren 2003 nicht die Deutschen, die etwa eine Allianz dazu nötigten, zu Tiefstkursen ihre Aktienquote zu reduzieren, sondern die Großinqusitoren der Londoner City und der Wallstreet. Die mächtigen Stimmen aus London und New York hatten damals wochenlang ein vernichtendes Trommelfeuer auf die deutschen Versicherungen niedergehen lassen bis sie dann kapitulierten, die Aktienquoten reduzierten und saftige Kapitalerhöhungen vornahmen. Genau dieselbe Kamarilla hatte wenige Jahre zuvor die Versicherungen dazu angehalten, sie mögen doch endlich ihre Aktienquoten erhöhen.

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  2. Ohne es jetzt nachschauen zu wollen, aber das ahbe ich anders im Kopf. Es gab Stresstests der BaFin und diese hatten als Ergebnis, dass die meisten Versicherungen Pleite wären, wenn die Aktien nochmal x% weiter fallen würden. Dann hat die BaFin dafür gesorgt, dass die Versicherungen ihren Aktienanteil senken musste. Das haben dann auch alle gemacht und nachher im übrigen auch nur noch marginal erhöht. Von 25 oder 30% wie 2002 ist weit und breit nichts mehr zu sehen.

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  3. Die Kurse fielen wegen des angelsächsischen Trommelfeuers, das BaFin hat dann reagiert (als wenn die Tröten jemals was Läuten gehört hätten). Es ist ja bezeichnend, dass der Dax 2002/2003 weit tiefer stand als 2008/2009, obwohl die jetzige Krise um Lichtjahre dramatischer ist.

    Anyway ... ich wollte es nur deshalb angebracht wissen, weil mir die täglich aus London über die Ticker gejagten vernichtenden Kommentare zur Allianz noch sehr, sehr lebhaft in Erinnerung sind und das Teil fiel und fiel ...

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