Zahl des Tages (14.04.09): 12

Mal etwas, das nicht direkt mit der Finanzkrise zu tun hat, sondern mit einem Thema, das hier in der Vergangenheit eine Rolle spielte: Der Komplex Musik, Musikindustrie, Internet und Geldverdienen.

Normalerweise ist die allgemein anerkannte Rollenverteilung ja einfach: Die Musikindustrie ist böse, Musik soll im Internet überall verfügbar sein und wie die Musiker damit Geldverdienen ist mir doch egal. Gut, ich überspitze, aber so ähnlich ist die Stimmungslage bei vielen. Zumindest wenn man die Kommentare in den einschlägigen Foren als Maßstab nimmt.

Die Rechnung mit dem Plattenpreis und den Einnahmen, die beim Künstler überbleiben, war hier auch schonmal verlinkt und soll hier auch noch mal verlinkt werden, denn die Kritik an der Musikindustrie ist ja nicht ganz unberechtigt. Die Rechnung dazu von Steve Albini. Kurzversion: Für den Künstler bleibt nur ein Bruchteil übrig. Rechtsanwalt, Produzent und natürlich die Musikindustrie verdienen wesentlich mehr.

Insbesondere im Internet stellt sich die Frage neu, wie man denn Dienste wie last.fm oder die Musikvideos bei Youtube sinnvoll refinanzieren kann. Und das ist scheinbar nicht so einfach ...

Pete Waterman, einer der drei Produzenten, die in den 80er Jahren Monsterhits am Fließband für Rick Astley und Kylie Minogue produzierten (die man heute nur noch vom Rickrolling und Singstar kennt; was auch besser ist), hat 2008 von Google äußerst magere

12 Euro

Werbebeteiligung bekommen. Und das bei einem Video, das über 150 Millionen Abrufe hatte.

Da mach ich ja mit diesem Blog quasi ein Vermögen ... Also 12 Euro im Monat ...

Aber wenn man mit Musikvideos soooo wenig Geld verdienen kann, ist die Verzweiflung der Künstler und der Musikindustrie nachvollziehbar. Das sind 0,000008 Cent pro Abruf. Oder andersherum: Es sind 125.000 Abrufe nötig, um einen 1 Cent Einnahmen zu erzielen!

Da sollte auch Youtube (also dem Eigner Google) klar sein, dass das keine Basis für ein Geschäftsmodell sein kann. Man fragt sich überhaupt, wie Youtube (Google) mit den Videos Geld verdienen kann. Wenn Google 50% der Werbeeinnahmen behalten sollte, bleiben da ja auch nur ein paar Cent auf 100.000 Videoabrufe übrig (man muss auf der Waterman-Seite beachten, dass er ja nur einer der Royalty-Empfänger ist). In dieser Kette verdient ja NIEMAND Geld. Was die übliche Diskussion gutes Internet vs. böse Musikindustrie (s.o.) auf ziemlich wackligen Beinen stehen lässt.

Eine gute Idee habe ich aber auch nicht. Ihr?

Telegraph: Pete Waterman: 'I was exploited by Google'

gefunden über:
Gizmodo: "Never Gonna Give You Up" Songwriter Paid Only $16 by Youtube

Update (15.04.09)

Vevo.com soll die Lösung für mangelhafte Monetarisierung lauten. Dahinter steckt eine Idee von Bono (U2), der Youtube und das Plattenlabel Universal Music zur Zusammenarbeit gebracht hat. Wollen wir mal hoffen, dass da

a) mehr Geld für die Musiker bei rauskommt und
b) das Angebot auch für uns Nutzer brauchbar ist (und nicht vor jedem Spot 30 Sekunden Werbung nerven).

Zu sehen ist da aktuell leider noch nichts ... Und dass die Plattform auch Nicht-Universal-Musikern offen steht (den letzten Punkt bezweifle ich aber irgendwie, wenn man sich die Geschichte dr Musikindustrie anschaut ...)

Handelsblatt: Bonos Idee soll Videos zu Geld machen

Kommentare :

  1. Ich finde es reicht, wenn YT damit aufhört beispielsweise Fanvideos zu Serien zu löschen oder den Ton zu deaktivieren nur weil Musik irgendweines Künstlers ohne dessen Einverständnis verwendet wurde. Nur sollte dieser dann auch genannt werden müssen, dann wirkt das als Werbung. (Ich meine solche Fanvideos wie zu Buffy oder Firefly z.B. Suche nach Extraordinary Grace)

    Musikvideos die nicht vom Künstler selbst eingestellt wurden, gehören natürlich gelöscht!

    Wie sie noch Geld verdienen können? Dazu gibt es zumindest ein Argument: Durch Konzerte. Die Musik und Videos sind nur Werbung, die Content-Industrie ein Auslaufmodell.

    Ich liebe LastFM und würde dafür zahlen, aber dann sollte das Angebot auch grösser werden.

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  2. hab das erst vor kurzem wo gelesen oder gehört, kann mich nicht mehr dran erinnern.

    aber zu zeiten von mtv wurden die videos kostenlos zur verfügung gestellt, da diese als werbung angesehen wurden.
    nun kommt etwas dazu, dass ich mal "music video on demand" (youtube) bezeichnen würde und schon beginnt die musikindustrie zu kreischen.

    der punkt ist; durch neue medien wie internet steht mir soviel mehr an musik zur verfügung und viel davon von unbannten künstlern die kostenlos verteilen; dass das angebot grösser als die nachfrage ist.

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  3. Die Atkion von Saturn, 5€ für ein Album hat mich überzeugt. Mittlerweile ist der Preis der Alben wieder gestiegen, aber zum Aktionspreis hab ich dort mehrmals zugeschlagen.
    5€ pro Album, kein DRM, 320kbit/s MP3, das ist meiner Meinung nach fair, dafür bin ich auch bereit zu zahlen.

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  4. Das französische (Anti-Raubkopierer-)Modell oder eine Musik-Flatrate.
    Mehr fällt mir momentan auch nicht ein.

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  5. Die Künstler verdienen doch sowieso nur an Konzerten und sogut wie nichts vom Plattenverkauf, daher sehe ich die Videos auf YT & co. als kostenlose Werbung an.

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  6. @eachtradingday:

    Das mit Angebot und Nachfrage stimmt natürlich in einer Hinsicht: Dem Angebot an Musik. Es stimmt aber nicht für "gute Musik". Die ist immer noch rar und die Nachfrage hoch.

    Übrigens waren die Videos für Youtube nur ganz am Anfang kostenlos. Danach kosteten die Geld. War "damals" eine Riesendiskussion, ob das öffentlich-rechtliche Fernsehen dafür zahlen soll.

    @Diemo:

    Ja, Flatrate. Oder Abo. 10 Euro im Monat und aus. *Ich* hätte das liebend gerne. Würde eine Menge Geld sparen.

    @m106

    a) Nicht alle Künstler wollen Konzerte geben (oder können ...). Nicht jede Musik eignet sich für Konzerte. Nicht jede Musik kann mit Konzerten Geld verdienen. Lass die Nische etwas kleiner werden und du bekommst bei einem Konzert in drei deutschen Städten keine 250 Leute insgesamt zusammen. Damit ist eine Tour nicht kostendeckend zu machen.

    Wenn Musik auf das reduziert würde, was "live gut abgeht und Spaß macht" würde mir schon was fehlen ...

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  7. Update (15.04.09)

    Vevo.com soll die Lösung für mangelhafte Monetarisierung lauten. Dahinter steckt eine Idee von Bono (U2), der Youtube und das Plattenlabel Universal Music zur Zusammenarbeit gebracht hat. Wollen wir mal hoffen, dass da

    a) mehr Geld für die Musiker bei rauskommt und
    b) das Angebot auch für uns Nutzer brauchbar ist (und nicht vor jedem Spot 30 Sekunden Werbung nerven).

    Zu sehen ist da aktuell leider noch nichts ... Und dass die Plattform auch Nicht-Universal-Musikern offen steht (den letzten Punkt bezweifle ich aber irgendwie, wenn man sich die Geschichte dr Musikindustrie anschaut ...)

    Handelsblatt: Bonos Idee soll Videos zu Geld machen

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