Zahl des Tages (15.04.09): -0,4%

Im März sind in den USA die Verbraucherpreise um

0,4%

im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Das ist das erste Mal seit 1955(!), dass die Preise in den USA im Jahresvergleich gesunken sind.

Dass die Medien daraus direkt eine Deflationsgefahr konstruieren, finde ich einigermaßen seltsam. Man muss sich zur Beurteilung der Preisentwicklung immer wieder 2008 in Erinnerung rufen. Die Energiepreise gingen grandios durch die Decke (150 Dollar/Barrel), um danach genauso dramatisch einzubrechen. Dadurch wurden und werden die Preise 2008 wie auch 2009 massiv verzerrt.

Sollte der Ölpreis in etwa in der aktuellen Ecke bleiben, wird der Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr im Sommer noch kräftiger werden. Und das nur, weil wir im Sommer 2008 den Peak in den Energiepreisen hatten. Commerzbank Volkswirt Krämer kann sich ein paar Monaten sogar ein Jahresminus von 2% vorstellen. Spätestens im Winter wird sich das aber wieder beruhigen, denn da lag der Ölpreis des Vorjahres schon wieder unter 50 Dollar. Alles nur ein Basiseffekt.

Die USA stecken also noch nicht in einer Deflation. Auch die Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) zeigt das an: Sie liegt weiterhin klar im Plus (1,8% gegenüber dem Vorjahr).

Zwar wird auch diese Kernrate sinken, weil größere Lohnsteigerungen (= der größte potenzielle Inflationstreiber) bei fast verdoppelter Arbeitslosigkeit nicht vorstellbar erscheinen. Aber die Kernrate sinkt langsam, allein weil die berühmten kalkulatorischen Mieten (die waren vor einem Jahr auch ein großes Thema in diesem kleinen Blog) etwa ein Drittel der Preise ausmachen. Und diese schwanken irgendwie kaum, auch wenn ich das bis heute nicht verstehe.

Die FTD ist übrigens ähnlich verwirrt. Da blickt das auch keiner mehr durch die US-Statistik und die Inflationsberechnung durch. Die FTD schließt mit einem fatalistischen "die USA dürften ihre Preisstatistiken auch nach Beginn der erwünschten Inflation weiter so zusammenbasteln, wie es ihnen beliebt." Damit wird netterweise noch die Warnung vor inflationsgeschützten Anleihen verknüpft, deren Rendite ja immerhin auf diesen manipulierten Statistiken beruht.

Aber über Inflation müssen wir uns (IMHO) kurzfristig keine Gedanken machen. Die Entscheidung zwischen Inflation oder Deflation ist noch nicht gefallen. Da bleibt noch Zeit, bis die Würfel gefallen sind. Ich tippe aber mittelfristig auf Inflation. Und zwar eine der übleren Art ...

Tagesschau: In den USA wächst die Angst vor der Deflation

Handelsblatt: US-Preise fallen erstmals seit 1955

FTD: So wird das nix mit der US-Deflation

Kommentare :

  1. Laut FTD steigen die kalkulatorischen Mieten sogar mit einer Jahresrate von 2,5 %. Ist irgendwie schon seltsam, wenn gleichzeitig die Hauspreise kollabieren...

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  2. Genau so seltsam war es aber auch, dass die kalkulatorischen Mieten nicht kräftig gestiegen sind als die Hauspreise durch die Decke gingen.

    Das liegt aber irgendwie daran, dass die Hauspreise mit in die kalkulatorische Miete eingehen. Steigen die Preise, senkt das die kalk. Miete, sinken die Preise, steigert das die kalk. Miete. In den USA wird also die Wertveränderung der Immobilienpreise in die kalk. Miete reingerechnet. Das führt zu diesen komischen Effekten ...

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