Zahl des Tages (17.04.09): 900.000.000

Lehman hat die Finanzwelt ins Chaos gestürzt. Auch wenn damals einige die Pleite geradezu bejubelt haben. Ich hatte damals schon Angst und wenig Lust auf dieses Experiment, weil Lehman zu den Banken gehörte, die die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) als systemkritisch oder Too Big To Fail bezeichnet hat (Too Big to Fail? Lehman war's angeblich - We will see ...).

Nun ja, inzwischen haben die meisten wohl eingesehen, dass die Entscheidung Lehman Pleitegehen zu lassen keine gute Idee war. Jetzt hat das sogar das erste Mitglied der Fed eingesehen. Immerhin! FTD: US-Notenbankerin verurteilt Lehman-Pleite

Aber Anlass für dieses Posting ist ein anderer ... So übel die Bankenpleite war, so toll ist das Geschäft für die Insolvenzverwalter, bzw. -anwälte. Diese haben bzw. werden noch bei der Pleite von Lehman satte

900.000.000 (900 Millionen) Dollar

verdienen.

So die Schätzung von Lynn LoPucki, Rechtsprofessor an der University of California, Los Angeles, der eine Datenbank mit Insolvenzabwicklungskosten pflegt. Damit würden die 783 Millionen Kosten für die Abwicklung von Enron noch übertroffen.

Die federführende Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges hat für die Arbeit bis Ende Januar eine Rechnung über 55 Millionen Dollar eingereicht. Von anderen Anwaltskanzleien sind weitere Rechnungen über 27 Millionen bekannt. Dazu kommen noch Berater, Finanzspezialisten, etc. Am Ende soll sich die Summe auf 900 Millionen belaufen.

Man sollte die Summe aber nicht einfach unter "Abzocke" abheften. Auch wenn die oben genannten Personen im amerikanischen Recht vor allen anderen Gläubigern Geld aus der Insolvenzmasse erhalten. 900 Millionen sind nicht so viel, immerhin war Lehman eine Bank mit einer Bilanzsumme von (ganz grob aus dem Kopf) 800 Milliarden Dollar. Und etwa ein Promille der Bilanzsumme als Kosten für die Abwicklung einer so komplexen Bank gehen am Ende wahrscheinlich sogar in Ordnung.

WSJ: Lawyers Set to Profit on Lehman
Handelsblatt: 55 Millionen für Lehmans Insolvenzanwälte

Kommentare :

  1. Zurück zur Natur: Des einen Tod - Des anderen Brot!
    BTW: Was passiert eigentlich mit einem Optionsschein, wenn der zugrunde liegende Wert nicht mehr gehandelt wird?

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  2. Der OS wird eingestellt. Also ausbuchen zum letzten Kurs. Die Emittenten haben dafür immer ein Sonderkündigungsrecht.

    Übrigens muss nicht einmal endgültig eingestellt werden. Oftmals reicht schon eine komplexere Umstellung (z.B. ein Spin Off einer Tochter) aus, um das Sonderkündigungsrecht auszulösen.

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  3. Die Citigroup verbuchte in den drei Monaten Netto-Abschreibungen und Verluste aus dem Geschäft mit institutionellen Anlegern im Umfang von 2,2 Mrd. Dollar. Weitere 7,3 Mrd. Dollar verlor das Haus im Kreditgeschäft. Es stellt nun 2,7 Mrd. Dollar für weitere Darlehensverluste zurück.

    2,2 Mrd + 2,7 + 7,3 = 12,2 mrd Verlust oder nicht ?

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  4. Näh, du musst ja erstmal mit den Revenues anfangen und dann die Verluste und Kosten abziehen. Die Revenues waren fast 25 Mrd. Dollar. Dann "deine" Verluste und 9 Mrd. Kosten und ein wenig Kleinkram und dann bleiben die 1,6 Mrd. Gewinn aus den Headlines übrig.

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