Zahl des Tages (21.04.09): 1.200.000.000.000

"Der IWF erwartet 4 Billionen Schaden durch die Finanzkrise" schreiben heute alle.

Marketwatch: Credit losses could hit $4 trillion, IMF says
FAZ: IWF schätzt Verluste auf 4 Billionen Dollar
IWF: Krise kostet über vier Billionen Dollar

Aber hatten wir das nicht schon?

Zahl des Tages (06.04.09): 4.000.000.000.000

?!?

Ok, ich sehe. Am 6. April war es nur eine Vorabmeldung der Times, heute ist es offiziell:

IMF.gov: Further Action Needed to Reinforce Signs of Market Recovery: IMF

Ein paar Details haben sich noch leicht geändert. Es sind jetzt genau 4,054 Billionen Verluste. Etwa 2,7 Billionen Abschreibungen gibt es auf Papiere aus den USA, 1,2 Billionen auf europäische und 0,149 Billionen auf japanische Papiere.

Der Löwenanteil des Anstiegs gegenüber der letzten Schätzung (damals noch 2,2 Billionen) geht auf die beiden zuletzt genannten Zahlen zurück. Die europäischen und japanischen Papiere waren in die ersten Berechnungen schlichtweg nicht drin.

Von den Verlusten landen etwa 60% bei den Banken, der Rest bei den Versicherungen und Pensionsfonds.

Abgeschrieben sind bisher erst etwa ein Drittel der gesamten Verluste. Zwei Drittel haben wir also noch vor uns. Juchhu!

Und was noch schlimmer ist (so langsam nähern wir uns der Zahl des Tages):

Um die Banken am Leben zu halten (Eigenkapitalquote von 4%), brauchen die Banken in den USA 275 Mrd, die Banken in Europa 600 Mrd. Dollar neues Eigenkapital.

Wenn das Ziel nicht nur das reine Überleben, sondern eine ausreichende Eigenkapitalquote wie Mitte der 90er-Jahre sein sollte (also etwa 6%), ergeben sich folgende Zahlen:

Die US-Banken benötigen insgesamt 500 Milliarden Dollar.

Und die europäischen Banken brauchen satte

1.200.000.000.000 (1,2 Billionen) Dollar.

Schreck lass nach.

725 Mrd. Dollar brauchen die Euroland-Banken, 250 Mrd die britischen und 225 Mrd. die Banken in "Resteuropa". Die Zahlen finden sich übrigens nicht in der Pressemitteilung, sondern in der Executive Summary der Langversion.

Der IWF sieht große Probleme in Osteuropa, ich verweise dazu auch gerne nochmal auf die österreichischen Banken: Nix mehr Felix Austria?

Die Langversion (240 Seiten) habe ich dann aber auch nicht gelesen. Obwohl da bestimmt noch 'ne Menge spannender Sachen drin stehen.

Über Kapitalerhöhungen kann das Loch realistisch nicht finanziert werden. Soviel ist der Sektor nicht wert und zwar schon lange nicht mehr und auch nicht einmal annähernd. Der IWF spricht daher auch explizit von (temporären) Verstaatlichungen.
Das bleibt auch weiterhin mein bevorzugtes Szenario. Nur den Schrott beim Steuerzahler in der Bad Bank abzulagern, ist irgendwie unfair. Da müssen Aktionäre UND Anleiheeigner mit ins Boot und mitbluten

Die Geschichte der Schätzungen:
8.4.2008, IWF: Wer bietet mehr? Der IWF bietet 1 Billionen Dollar.
7.7.2008, Bridgewater Associates: Wer bietet mehr? Folge vom 7.7.08 ...
2.8.2008: Nouriel Roubini: 2 Billionen Dollar Verluste durch die Kreditkrise
7.10.2008, IWF: 945 1400 Mrd. Dollar Schaden
28.10.2008: Bank of England: Notenbank erwartet 2,8 Billionen Dollar Verlust
21.1.2009: Nouriel Roubini: 3,6 Billionen Dollar
28.1.2009: IWF: 2,2 Billionen Schaden
6.4.2009: IWF: 4 Billionen Dollar Schaden

Update (18:16)

zu sowas: Steinbrück: Die „giftigen Papiere“ werden die Steuerzahler nicht belasten fällt mir dann nur noch ein Wort ein: Vera****e. Sorry Peer. Die Verluste werden sich nicht in Luft auflösen. Da hilft das politikertypische Beten nicht. Aussitzen auch nicht. Nichts. Das Einzige was hilft, ist das irgendwo zu verstecken und in 10 Jahren nicht mehr im Amt zu sein. Ach sehe gerade ... darum geht's. Nach mir die Sintflut. Na dann Amen.

Update (22.04.09)

Noch eine interessante Einschätzung aus den Kommentaren:

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Bezogen auf das Bruttosozialprodukt sieht es in UK aber schlimmer aus als in der übrigen EU.

BSP UK: 2.2 Billionen US$ (2005)
BSP Rest-EU: 11 Billionen US$ (2005)

In UK brauchen die Banken also ca. 10% des BSP, in der übrigen EU ca. 7%.

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Der IWF hatte übrigens in der Berechnung einen Fehler. Der ist inzwischen aber korrigiert worden. Der Schaden für den britischen Steuerzahler wird 6 bis 13% des BIPs geschätzt (mit 9,1% im mittleren Szenario). Der deutsche Wert liegt übrigens nur bei 3,1%.

FT Alphaville: IMF and Table 1.8 gate

Kommentare :

  1. "Steinbrück: Die „giftigen Papiere“ werden die Steuerzahler nicht belasten"

    Da hat der Steinbrück sogar recht. Die Irrsinnssummen können durch den Steuerzahler nicht mal annähernd aufgebracht werden. Das würde riesige Steuererhöhungen bedeuten. Völlig ausser jeder Realität. Zu bezahlen haben das die Vermögensbesitzer. Denen wird ihr (Geld-) Vermögen weginflationiert. Und sei es nur mit jährlichen Raten von 5%.

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  2. Bezogen auf das Bruttosozialprodukt sieht es in UK aber schlimmer aus als in der übrigen EU.

    BSP UK: 2.2 Billionen US$ (2005)
    BSP Rest-EU: 11 Billionen US$ (2005)

    In UK brauchen die Banken also ca. 10% des BSP, in der übrigen EU ca. 7%.

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