Zahl des Tages (27.04.09): 1%

Endlich liegt das Angebot von GM vor. General Motors droht ja bekanntlich unter der enormen Schuldenlast zusammenzubrechen. Daher *muss* General Motors die Schulden umstrukturieren. Eine der Möglichkeiten, die diskutiert wurde, war die Insolvenz. Eine andere war eine komplette Neuverteilung der Lasten zwischen Aktionären, Gläubigern und Mitarbeitern. Und diesen zweiten Weg geht man jetzt, bzw. möchte den gehen, denn es ist ja mit Stand heute nur ein Vorschlag von GM.

Das Verfahren heisst Debt-To-Equity-Deal. Man bietet den Gläubigern den Umtausch der Anleihen (sprich Schulden) in Aktien an. Das kann für die Gläubiger ein sinnvolles Geschäft sein, denn u.U. ist nach der erfolgreichen Umstrukturierung der Anteil an der Firma mehr wert als die Rückzahlung der Anleihen ohne Umstrukturierung ergeben hätte.

Wie sieht der Deal aus? GM bietet an, 1000 Dollar Anleihen in 225 neue Aktien umzutauschen. Daraus errechnet sich ein theoretischer Wert der GM-Aktien von 4,44 Dollar. Das ist natürlich viel mehr als der aktuelle Kurs (heute 2,20 nach +30% zum Vortag), wobei die Anzahl der Aktien kräftig steigt. Allerdings kosten die Anleihen von GM auch nicht einmal ansatzweise die 1000 Dollar Nennwert (eher 100 bis 250 Dollar je 1000 Dollar Nennwert). Der Wert der neuen Aktien mag gerechtfertigt sein, denn die Firma hat nachher auch viel weniger Schulden. Um genau zu sein, 27 Milliarden Dollar weniger.

Daraus kann man jetzt eine weitere Zahl ausrechnen: Wenn das Volumen 27 Mrd. Dollar beträgt und für jeweils 1.000 Dollar 225 neue Aktien ausgegeben werden, gibt es knapp 6,1 Milliarden neue Aktien. GM hat akuell etwa 600 Millionen ausstehende Aktien. Der Anteil der Altaktionäre sinkt also auf weniger als 10% (600 Millionen von 6,7 Mrd. insgesamt).

Da allerdings auch der Pensions- und Gesundheitsfonds für die GM Mitarbeiter in das Programm mit einbezogen werden sollen (Details stehen scheinbar noch nicht fest), sinkt der Anteil der Altaktionäre nach Berechnungen des Wall Street Journals auf magere

1%.

Das ist nicht wirklich weit von einer Komplettenteignung entfernt ... Man könnte auch von Chapter 11 ohne Chapter 11 sprechen ...

(Zumindest hat das WSJ die 1% im E-Mail-Alert angekündigt, leider kann ich die Zahlen online nicht finden und gebe das mit der gebotenen Zurückhaltung weiter, denn auch das WSJ irrt sich manchmal, wen auch nur selten. Sollte ich noch eine Quelle finden, reiche ich da nach. Wenn ihr eine findet, bitte einen Kommentar hinterlassen!).

Da der US-Staat GM inzwischen richtig viel Schulden von GM hält, wäre nach einem Umtausch dieser Anleihen zu ähnlichen Bedingungen der Staat größter Aktionär bei GM: GM = Government Motors (weitere Vorschläge zur Bedeutung von GM: The big Picture: Top 10 Things the Letters “GM” Stands For. Gut gefällt mir auch Giant Mess oder Great Mistake ;-) )

Übrigens droht GM auch direkt mit Insolvenz zum 1. Juni, sollten nicht mindestens 90% der Anleger das Angebot annehmen. Einen Monat hat man Zeit sich das zu überlegen.

Weitere Details: Die Marke Pontiac wird aufgegeben. Die Anzahl der Arbeitsplätze soll um 21.000 auf 40.000, die Anzahl der Fabriken um 16 auf 31 . Das Händlernetz soll um gut 40% eingedampft werden.

Marketwatch: GM offers creditors $27 billion in stock-for-debt deal
Handelsblatt: General Motors filetiert sich selbst
WSJ: GM Press Release on Updated Viability Plan

Das Umtauschangebot im Original:

GM: Form S4 - 26.04.09

Update (28.04.09)

Die FTD hat ein paar Details mehr:

Die Einigung mit der Gewerkschaft sichert dieser 40% an der "neuen" GM. Der Staat erhält für die etwa 30 Mrd. Dollar Unterstützung etwa 50%, die oben beschriebenen freien Anleihenkäufer etwa 10%.
Der Unterschied zwischen Staat und freien Anleihenkäufer ist relativ heftig, denn in beiden Fällen werden ungefähr 30 Mrd. in Aktien umgetauscht. Die freien erhalten dafür aber nur 10%, der Staat das Fünffache, nämlich 50% an der neuen GM.

Ich schätze, das gibt Ärger!

FTD: Wie sich General Motors retten will

Update (28.04.):

Wie erwartet sind die "Freien" Gläubiger wenig begeistert, dass sie nur 10%, der Staat jedoch 50% bekommt, obwohl beide Schulden in ungefähr der gleichen Höhe einbringen. GM Chef Henderson sagt, dafür könne er nichts, der Staat hätte die Bedingungen diktiert.

Riecht ein wenig nach Absicht. Erst den freien Gläubigern ein inakzeptables Angebot unterbreiten, diese lehnen dann ab und dann bekommt die Regierung doch noch das scheinbar angestrebte Ziel: Die Insolvenz. Der Unterschied zur direkten Insolvenz: Man hat einen Schuldigen: Die freien Gläubiger ...

FAZ: GM-Gläubiger weisen Sanierungsplan zurück
FTD: GM-Gläubiger schimpfen auf Rettungsplan

Kommentare :

  1. Also sorry wenn ich das mal so sage, ist das nicht rechte Tasche, linke Tasche?

    Für mich als Laien klingt das zwar interessant aber leider verkauft dies erstmal kein Auto mehr.

    Übrig bleibt nur das übliche Leute rauswerfen, mit der Hoffnung das es reicht. Was ist mit dem weiterhin vorhandenen Kapitalbedarf?

    Wischiwaschi...

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  2. Das ist nicht rechte Tasche, linke Tasche. Wurde bisher die rechte Tasche durch Zinszahlungen immer leerer, während in die linke Tasche mangels Autoverkäufen nichts hereinkam, fallen künftig die Zinszahlungen weg.
    Dadurch wird in der Tat kein Auto mehr verkauft, aber sehr erfolgreich an der Kostenschraube gedreht.
    Ob es für eine schwarze 0 reicht, weiss ich nicht, aber die Lebensdauer des Unternehmens verlängern dürfte es auf jeden Fall. Und damit die bleibt die Hoffnung für alle erhalten, dass evtl. doch noch ein Turnaround gelingt.

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  3. Sorry, das mit den Zinsen ist mir schon klar aber die sind doch nicht der Grund für die Probleme bei GM.

    Und rechte Tasche, linke Tasche ist es sehr wohl, offensichtlich fällt den Amis heutzutage nix mehr ein außer irgendwelche Schulden umzuschichten.

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  4. Hallo ihr ganze Anonymen. Gebt euch doch mal einen Namen, damit man weiss, mit wem man spricht und dem antworten kann ...

    Linke Tasche - Rechte Tasche stimmt in diesem Zusammenhang definitiv nicht. Denn die Aktionäre sind ja nicht die Gläubiger. Klar, wird es Überschneidungen geben, aber der größte Teil der Betroffenen wird entweder Aktonär oder Gläubiger sein.

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