Zahl des Tages (29.04.09): -6,1%

Selten, aber immerhin manchmal kann man sich ja aus den kommenden Zahlen schon eine vormerken, in der Gewissheit, dass diese interessant genug für die Zahl des Tages sein wird.

Heute gab es die erste Schätzung (genauer gesagt die Vorabschätzung) für das Wirtschafts"wachstum" in den USA im ersten Quartal 2009. Dafür wurde im Schnitt bereits ein Minus von 4,6% bis 5,1% erwartet, es kam aber noch schlimmer. Um

6,1%

ist die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Dabei handelt es sich wie in den USA üblich um eine annualisierte Zahl, sprich das Quartalsminus wird mit 4 multipliziert und somit auf ein ganzes Jahr hochgerechnet.

Damit ist das erste Quartal etwa genauso mies wie das vierte Quartal 2008, das am Ende mit -6,3% kam. Diese zwei Quartale zusammengerechnet ergeben das schlechteste Halbsjahr seit 19471957(!). Nimmt man die beiden Quartale davor auch noch dazu, ist das das schlechteste Jahr seit 1982.

Aber nicht alles muss in Tiefschwarz gemalt werden. Die "verfügbaren Einkommen" sind überraschend um 6,2% gestiegen (da bohre ich nochmal nach, die Zahl ist eigentlich zuuu gut). Eine zweite positiv zu wertende Zahl sind die Lagerbestände, die kräftig reduziert wurden. Allein dieser Effekt hat zu 2,8 Prozentpunkten Minus im BIP geführt, das heisst, dass fast die Hälfte des BIP-Minus auf die Änderung im Lagerbestand zurückgeht. Da solche Lagerbestandsänderungen nie besonders nachhaltig sind, darf man das als kurzfristigen Effekt werten. Anders ausgedrückt: Lange können die Lagerbestände in diesem Tempo nicht sinken ... Und dann wäre das BIP-Minus gar nicht so schlimm gewesen wie es auf den ersten Blick aussieht.

Marketwatch: GDP falls 6.1% in first quarter on record drop in investment
Zum Original: GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2009 (ADVANCE)

Update (21:00)

Noch ein paar Highlights aus den BIP-Zahlen:

The Big Picture: GDP Falls 6.1%

Kommentare :

  1. Das einzige dumme daran: Amerikanische Vorabschätzungen werden regelmäßig revidiert. Und dann schaut plötzlich wieder alles anders aus...

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  2. USA also -6,1% davor auch schon -6,3

    china dagegen + 8,9% und nun wohl +6,5%

    wenn es so weiter geht , wird china 2020 grösser sein , aber man hört das China ebenfalls heftige Probleme hat .

    Brd dieses Jahr -6% die Staatsschulden sollen um 80 mrd wachsen also 1635 + 80 mrd = 1715 mrd ( 2400 *0,94 = 2263 )

    75,8% nach 66% und das nach 1jahr man stelle sich vor die Krise dauert 3-5 Jahren und wird heftiger ( -10% und die schulden sollen von 80 mrd auf 115mrd wachsen )

    Im Jahre 2007 betrugen die Verbindlichkeiten des Sektors Staat in der Bundesrepublik Deutschland 1588,5 Mrd. Euro oder rund 66 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP)

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  3. Der Anstieg der privaten Konsumausgaben um +2,2%, nach -4,3% im 4. Quartal 2008, wird offiziell als positiv bewertet und streut Hoffnungen auf eine Besserung beim Wirtschaftswachstum!

    Ungereimtheiten fallen sofort auf, denn gleichzeitig zum Anstieg des privaten Konsums stieg die Sparrate der US-Amerikaner im 1. Quartal auf über 4% nach vielen Quartalen um die 0%! Die Konsumenten sparen mehr, geben gleichzeitig mehr Geld aus und verschulden sich weniger. Ein Kunststück welches wohl nur systemkonforme Statistik-Verbieger hinbekommen!

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  4. @anonym:

    Vor allem kamen heute die Verbaucherausgaben wieder im Minus. Das scheint wenig stimmig zu sein.

    Man muss ja auch bedenken, dass wir eine massiv steigende Arbeitslosigkeit haben und allein das schon die Einkommen deutlich senkt.

    So ein Effekt *kann* (und ist letztes Jahr auch einmal entstanden), wenn Steuerschecks verteilt werden. Das läuft in die verfügbaren Einkommen rein. Aber mir wäre da aktuell nichts bekannt ...

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