Die Wende? Teil 1: LIBOR-OIS Spread auf 2-Jahrestief

Ich beginne mal eine kleine Serie, in der ich ein paar der Indikatoren untersuche, die ich am Höhepunkt der Krise hier auch dauernd gebracht habe und überprüfe, ob sich die positive Börsenbewegung der letzten Monate auch über die darunterliegenden Daten begründen lässt.

Heute zum Start einer der wichtigen Indikatoren, an dem sich das komplette Einfrieren der weltweiten Kreditmärkte ablesen lies: Der Spread zwischen dem Zins, den die Notenbank verlangte und dem Zins, zu dem sich die Banken selber untereinander Geld geliehen haben. Das Teil heisst LIBOR-OIS-Spread und dieser ist (wenn man die hektischen Schwankungen mit einem Ein-Paar-Tages-Durchschnitt glättet) inzwischen in die Nähe des Zweijahrestiefs gefallen.

Auch der Spread zwischen den Zinssätzen der Banken untereinander und dem Zinssatz einer Staatsanleihe ist deutlich gesunken und signalisiert ebenfalls einen deutlich Rückgang bei der Risikoeinschätzung der Banken (siehe Chart unten).

Der Abstand schwankte seit dem Sommer 2007 überwiegend zwischen der 1 und 2% Marke und erreichte im Hoch im Herbst 2008 Werte von über 4%. Inzwischen ist der Wert auf etwa 0,5% gefallen und liegt damit wieder in dem Bereich, den man als "normal" bezeichnen könnte.

Natürlich geht diese Normalisierung zu einem großen Teil auf die Staatsgarantien zurück, die den Banken entweder explizit gewährt wurden oder die man im Notfall erwartet. Ohne die Staatshilfe sähe es wahrscheinlich komplett anders aus.

Aber sei's drum: Festzustellen bleibt, dass der Interbankenmarkt wieder funktioniert. Vielleicht nicht ganz so gut wie bis zum Sommer 2007. Aber man kann ja durchaus anzweifeln, ob der Zustand, dass niemand bei niemandem auch nur einen Hauch von Risiko gesehen hat, eine richtige Einschätzung war ...



FT Alphaville: A squeeze defreeze

Update (11:30)

Das Handelsblatt weist ebenfalls darauf hin (der Artikel kam etwa 10 Minuten zu spät für diesen Artikel), dass der LIBOR zwar gesunken ist, aber im zweiten Blick doch noch "Risiko" sichtbar ist. Der LIBOR ist nämlich ein Durchschnittswert und der Abstand zwischen höchsten und niedrigsten Wert ist weiterhin wesentlich höher als "normal". Kurz: Die Banken sehen das Risiko des Ausfalls der Gegenseite immer noch. Ich würde das aber eher unter Detail abheften. Der durchschnittliche Rückgang dürfte diesen Effekt deutlich wichtiger sein. Genaue Zahlen habe ich leider nicht, um das näher zu belegen.

Handelsblatt: Gemischte Signale vom Interbankenmarkt

Update (13:45)

Ich habe den Artikel nach dem Feedback aus den Kommentaren nochmal überarbeitet und hoffe, er ist jetzt etwas klarer.

Kommentare :

  1. Die Grafik passt aber nicht zu deinem Text!
    Korrekter ist der Graph auf der von dir zitierten Seite von FTAlphaville: http://alphaville.ftdata.co.uk/lib/inc/getfile/6739.jpg

    Auf dieser Grafik kann man auch sehen, dass wir zwar stark auf dem Weg sind, wieder zu normalisieren, im Moment allerdings noch auf dem Niveau von 2007 sind. Nicht auf dem von vor der Krise. Meiner Meinung werden wir solche geringe Spreads auch länger nicht mehr sehen, eine weitere Entspannung ist aber in Sicht. Im Euro-Bereich (Euribor-Eonia) ist die Lage übrigens ähnlich.

    Die Aussage "Der Interbankenmarkt funktioniert also wieder." würde ich trotzdem nicht unterschreiben. Zum einen sind längere Laufzeiten lange nicht mehr so liquide wie früher und zum anderen unterscheidet sich beim Geldmarktzins inzwischen sehr stark die Spreu vom Weizen. Schlechte Namen bekommen nur teuer Liquidität und dann auch nur sehr selten unbesichert.
    Der Trend zur besicherten Liquidität ist für mich inzwischen eindeutig.

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  2. @ray #2:

    Genau Zahlen zum Spread. Also die LIBOR-Spanne zwischen höchstem und niedrigstem Gebot.

    @ray #1:

    Die Grafik, die ich hochgeladen habe, ist etwas geglättet. Die paar Tage, in denen Bloomberg noch niedrigere Kurs anzeigt, sind da nicht zu erkennen. Und dann ist der aktuelle Wert der niedrigste seit Sommer 2007. Und das ist fast 2 Jahre her.

    Übrigens kommt morgen noch eine Grafik, die meine These unterstützt.(Es geht um die Discountfenster-Geschäfte, die auch massiv zurückgegangen sind). Also pass auf, was du sagst ;-)

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  3. Ach so: Mit der Rückkehr zum "Normalzustand" meine ich nicht unbedingt den Zustand vom März 2006. Als es scheinbar kein Risiko gab. Das ist nämlich auch nicht normal ...

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  4. Hallöchen! Aus dem Libor eine Normalisierung abzulesen ist aus meiner Sicht eine dramatische Fehleinschätzung. Warum? Der Libor kennzeichnet nicht mehr das Vertrauen in die Banken an sich, sondern in staatlich garantierte Banken. Inzwischen ist allen Beteiligten klar, dass "systemrelevante" Institute jenseits jeglicher Kosten-Nutzen-Analsysen gestützt werden.

    Somit ist völlig klar, dass der Libor oder Euribor etc. eher die Bonität von Staatsanleihen abbildet, denn jene von privaten Geldinstituten. Das soll normal sein?

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  5. @egghat #1: Du sprichst im Artikel vom OIS-Libor-Spread. In der Grafik steht Libor-Treasury-Bill-Spread - Deswegen war ich so irritiert.

    So seh ich das: Treasury-Bill-Rates kann man nicht (mehr) mit OIS-Rates gleichsetzen: erstere sind kurzlaufende Staatsanleihen, d.h. mit Liquidität dahinter, letztere sind jedoch Derivate (fixer Zinssatz gegen Overnight-Zinssatz) ohne Liquidität. Früher waren die Zinssätze so nah beieinander, dass das keinen Unterschied gemacht hat. Aber genau diese Liquidität ist heutzutage nicht mehr umsonst, d.h. die kostet.

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  6. ...Außer natürlich, du wolltest auf den Spread Staat-zu-Interbankenmarkt hinaus. Dann passt diese Grafik auf jeden Fall. Davon ist im Artikel in dieser Form allerdings nicht die Rede.

    Grüße, ray

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  7. @Anonym:

    Dass der Spread sinkt, weil die Staatsgarantien teilweise explizit da sind, teilweise alle davon ausgehen, dass die im Notfall gewährt werden, ist schon klar. Dass ist natürlich nicht normal, aber die Normalisierung des Interbankenmarktes ist trotzdem da.

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  8. @Ray:

    Ahc jetzt verstehe ich. Das passiert, wenn man den Text formuliert und dann eine "schönere" Grafik in den Artikel einbaut, die zwar etwas Ähnliches enthält, aber nicht das Gleiche.

    Hmmm, nochmal überarbeiten?

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  9. @Ray:

    Ahc jetzt verstehe ich. Das passiert, wenn man den Text formuliert und dann eine "schönere" Grafik in den Artikel einbaut, die zwar etwas Ähnliches enthält, aber nicht das Gleiche.

    Hmmm, nochmal überarbeiten?

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  10. Ah ok. Mit der neuen Formulierung kann ich ganz gut leben ;-)

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  11. @egghat

    Gerade die Normalisierung auf dem Interbankenmarkt besteite ich. Vielmehr hat eine fundametale Risikotransformation von privaten Banken hin zum Staat stattgefunden. Das ist nichts geringeres als die Abschaffung des freien Marktes im Bankensektor. Im Angesicht dessen von Normalisierung zu sprechen, ist absolut verfehlt.

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  12. Im Artikel steht "normal" nur im Zusammenhang mit der Höhe des Risikoaufschlags. Und der ist wieder normal.

    Wie er dahingekommen ist, ist dann erstmal zweitrangig. Du hast natürlich Recht, wenn du sagst dass der Markt mit den Staatsgarantien nicht "normal" ist. Aber mir ging es weniger um das "Normalsein", sondern vielmehr um das "Funktionieren" des Marktes.

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  13. @egghat

    Ich muss trotzdem nochmal nachhaken: Du hast ja nicht ganz Unrecht, wenn man die bloßen Zahlen betrachtet.

    Warum hat aber Deiner Meinung nach der Markt nicht funktioniert, als der Libor das reale Risiko der Banken aus Sicht des Marktes abgebildet hat? Auch im Herbst gab es einen enormen spread zwischen "guten" und "schlechten" Banken. "Gute" Banken hatten zu keiner Zeit ein Problem, sich am Markt zu verträglichen Sätzen, Geld zu leihen. Jetzt haben aber sogar faktisch insolvente Banken diese Möglichkeit, die ihnen auf einem funktionierenden Markt verschlossen bliebe.

    Ergo: der Markt funktioniert NICHT. Marktversagen ist der status quo, nicht der vom Herbst.

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  14. Nachtrag: Libor ist vielleicht "normal", wenn man reine Zahlenwerte historisch vergleicht. Was aber sagt das aus, wenn der Libor fundamental betrachtet viel zu niedrig ist? Meiner Meinugn nach: "nichts". Deshalb sollte der Artikel desen Kontext widerspiegeln, ansonsten ist der Informationsgehalt gering.

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  15. @Anonym:

    Wenn ich dich richtig verstehe, willst du darauf hinaus, dass es unabhängig vom Zinssatz ein Funktionieren des Marktes geben könnte? Also quasi wie in der Chartanalyse: EIn Preis ohne Umsatz ist nichts wert.

    Die Umsätze gibt es allerdings nirgendwo. Und dass die LIBOR Zinssätze im Herbst quasi umsatzlos waren, kann man nur indirekt folgern. Das folgt in Teil 2 der Folge :-)

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  16. @egghat

    Eigentlich viel einfacher: Sowohl der hohe Zins, als auch die extrem niedrige Aktivität waren nicht Ausdruck eines Marktversagens, sondern eines funktionierenden Marktes. Wenn ein Automobilzulieferer als Insolvenzgefährdet eingeschätzt wird, bekommt er am Markt keine Liquidität zur Verfügung gestellt, oder nur für einen sehr hohen Zins. Das wiederum bringt ihn näher an den Abgrund. So funktioniert der Markt. Das gilt aber auch für Banken. Eine Citi, eine HRE oder auch eine Commerzbank haben zu Recht kein Geld am Markt bekommen, nicht etwas zu Unrecht. Das ist meine Aussage. Eine Deutsche Bank dagegen war immer in der Lage, sich am Interbankenmarkt Liquidität zu beschaffen, von Zentralbankgeld ganz zu schweigen. Wo also war das Marktversagen?

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