Japans BIP -4,0%

Also noch einen Tacken mehr als die 3,8% Minus, die Deutschland im ersten Quartal hinnehmen musste. Eine Annualisierung spare ich mir, ach ne, jetzt wo mir klar ist, wie das berechnet wird, mache ich das mal schnell: 0,96^4=15,5%. Der Spiegel errechnet übrigens 15,2%. Möglicherweise ist die Rechnung mit einer ungerundeten Ausgangszahl vorgenommen worden. Oder der Spiegel hat den Vergleich mit dem Vorjahresquartal und die Annualisierung durcheinander geworfen ...

Aber eigentlich ist die Annualisierung im Fall von Japan gar nicht so spannend, denn Japan ist Deutschland in einem Voraus: die straucheln schon länger ... Daher ergibt selbst der einfache Vergleich mit dem Vorjahresquartal (Q1/2008) schon ein erschreckendes Minus von 15,2%. Das Minus im Zeitraum Q2/08 bis Q1/09, was dem japanischen Haushaltsjahr entspricht, beträgt 3,5%.

Das Quartalsminus ist das größte seit dem 2. Weltkrieg, das Jahresminus das größte seit 1955. Trotzdem sind die Zahlen besser als erwartet. Der Vergleich mit dem Vorquartal wurde mit -4,4% , der Vergleich mit dem Vorjahresquartal bei -16,5% gesehen.

Sehr offensichtlich, dass die exportorientierten Nationen am stärksten leiden.

Japan posts record GDP drop, but above expectation
Spiegel: Japans Wirtschaft stürzt ab

Update (09:51)

Das Handelsblatt hat auch das Minus von 15,2% als annualisiertes Minus. Die Darstellung im Spiegel scheint also zu stimmen.

Handelsblatt: Japans Wirtschaft bricht drastisch ein

Update (10:15):

Bloomberg macht's klar. Die Version von Marketwatch ist falsch. Das Jahresminus beträgt "nur" 3,5%. Die Zahl ist aber etwas sehr positiv und die kann ich fast nicht glauben. Denn das 4. Quartal 2008 war ähnlich schlecht wie das Q1/09. Und dann kann fast nicht nur ein Minus von 3,5% herauskommen.

Bloomberg: Japan Economy Shrinks Record 15.2% as Exports, Spending Plunge

Also mal zur Quelle und tatsächlich: Für das Fiskaljahr 2008 (bis Ende März 2009) beträgt das Minus nur 3,5%. Das ist dann wohl die Magie der Durchschnittsbildung. Die Zahl findet sich auf Seite 5 im PDF: GDP (expenditure approach) and its components

Aber wenn ich das richtig sehe, sind die 6,9% Minus, die in Deutschland vermeldet wurden, der Vergleich Q1/08 mit Q1/09. Wenn ich mir die Zahlen in Japan heraussuche (Real Gross Domestic Product (original series) auf der Seite ESRI: Quarterly Estimates of GDP (Reference year = 2000)) lag das reale BIP in Japan in Q1-08 bei 140.845 und in Q1-09 bei 127.210. Das ist dann ein Minus von 9,7%. Und damit deutlich mehr als die 6,9% in Deutschland.

Wer die Zahl irgendwo findet (bzw. eine andere, wenn die falsch sein sollte): Bitte einen Kommentar hinterlassen.

Kommentare :

  1. Das Handelsblatt hat auch das Minus von 15,2% als annualisiertes Minus. Die Darstellung im Spiegel scheint also zu stimmen.Geiles Argument. Man könnte auch sagen, dass die Qualitätsmedien voneinander abschreiben, das ist naheliegender.

    Übrigens würde mich mal brennend interessieren, was auf der Bilderberger-Konferenz am Wochenende bei Athen besprochen wurde. Eine Konferenz, die offiziell nicht existiert, über die selbst teilnehmende Journalisten (z.B. von der "Zeit") nichts berichten, die aber offensichtlich von der Staatspolizei aufs schärfste bewacht wird ( http://www.guardian.co.uk/news/blog/2009/may/19/bilderberg-skelton-greece ) und bei der viele wirklich wichtige Personen wie Geithner, Volcker, Zoellick, Ackermann etc. teilnehmen ( http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/05/liste-der-teilnehmer-bilderberg-2009.html ) muss ein extrem wichtiges Treffen sein, da bedarf es gar keiner Verschwörungstheorien.

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  2. Hier ist übrigens die offizielle Teilnehmerliste:

    http://info.kopp-verlag.de/fileadmin/user_upload/allgemein/2009-05/Bilderberger_PM.pdf

    Mein lieber Schwan, eine solche Konzentration der Macht gibt es kein zweites Mal. Wär schön, wenn die Treffen etwas transparenter gestaltet würden, das hätte meiner Auffassung nach mehr mit Demokratie zu tun.

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  3. Im Moment ist nichts demokratisch und kann es auch gar nicht sein.

    Wenn die Wahrheit über den Schrott in den Bilanzen auf einen Schlag an den Tag gekommen wäre, hätten wir schon mehr als einen Bankrun gesehen. Und damit eine weiteren Fall Lehman.

    Also stopft man weiter alle paar Wochen ein paar Milliarden in die Banken. Einmal über Garantien (die erst später zu Geldflüssen werden), einmal über den Abkauf von Schrott, einmal über Eigenkapital, einmal über Kredite. Der wird alles hinter den Kulissen ausgekungelt und der ganz große Teil bleibt auch nachher intransparent. Und soll nicht einmal kontrolliert werden und geheim bleiben. Das hat mit Demokratie nix, aber auch gar nix zu tun.

    Das ist auch Absicht. Die Wahrheit verträgt die Demokratie nicht.

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  4. 0.96^4=0.8493=84.9%

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  5. re:mylli:
    und 1-.84934656=.15065344
    Also 15.1%. Kann weder der Spiegel noch der Egghat rechnen? Wie bist Du denn auf 15.5 gekommen?

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  6. Laut The Economist war Japans Q4 um 4,3 % unter Q4 2007. Wenn Q1 2008 stagniert hat, würde dies bedeuten, daß Q1 2009 um ca. 8,3 % unter dem Vorjahr liegt (also 4,3 % + 4 %).

    Deine errechneten 9,7 % könnten also durchaus stimmen, wenn Q1 2008ein ordentliches Wachstum zum Vorquartal (Q4 2007) hingelegt hatte - damals war ja noch nicht Krise.

    So oder so: Schlechter als bei uns sieht's in Japan definitiv aus.

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  7. egghat,

    eines musst du aber bei all diesen so schrecklichen Zahlen doch mal konzidieren: die Börsen feiern ununterbrochen seit zweieinhalb Monaten eine riesengroße Party!

    Ich geb's ja selbst zu, das passt irgendwie alles nicht zusammen. Entweder ist alles bei weitem nicht so schlimm und wir sehen eine Wiederauferstehung oder es ist eine ziemlich derbe Bärenparty. Oder es ist etwas ganz anderes: der Run in die Sachwerte, aus Angst vor der Inflation.

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  8. @matsch

    Das sehe ich anders. Es gibt bei den niedrigen Zinsen einfach zur Zeit keine vernünftigen alternativen Anlagemöglichkeiten. Sollten wir das Tief bei den Aktien tatsächlich schon gesehen haben, dann war die Krise am Aktienmarkt nicht unbedingt heftig. Aber ich glaube Donnerwetter 2.0 rollt noch auf uns zu (und halte deshalb alles in Cash, sprich Tagesgeld).

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