JP Morgan vor Mega-Gewinn?

Auch wenn es an anderer Stelle schon diskutiert wurde, ein Hinweis auf einen relativ schwachen Artikel in der FTD, der zu Recht von Weissgarnix kritisiert wird. Ganz nebenbei wird der Sachverhalt von Edward Harrsion bei Creditwritedowns viel besser dargestellt. Und bei CalculatedRisk steht dann die wirklich spannende Information.

Warum geht es? JP Morgan hat Washington Mutual gekauft (Washington Mutual Pleite: Neue Nummer 1 in der Top-Ten der größten Pleiten), weil Washington Mutual große Probleme hatte, hohe Abschreibungen vornehmen musste und dann durch den Abzug von Kundengeldern illiquide wurde. Vorher hat JP Morgan auch Bear Stearns übernommen und vor der Pleite gerettet. Für diesen Fall mag etwas ähnliches gelten wie bei der WaMu-Übernahme.

Bei der Übernahme mussten die Vermögenswerte nach den Fair-Value-Regeln auf den richtigen Wert abgeschrieben werden (dadurch kam es ja bei WaMu zu den Problemen). Es gibt aber eigentlich nie einen richtigen wirklichen Wert. Auch der aktuelle Kurs eines Papiers kann ja viel zu hoch oder zu niedrig sein. Nun scheint sich herauszustellen, dass die Werte in den (ehemaligen) Büchern von WaMu deutlich zu niedrig sind. (Die Darstellung ist stark verkürzt, denn eigentlich läuft die Heraufbewertung über die erfolgte Zinszahlungen auf Kredite, die dann hochgerechnet werden. Im Endeffekt steckt aber nichts anderes dahinter: Es sind Assets, die sich als werthaltiger herausstellen als bei der Übernahme angenommen).

Daher verstehe ich die Kritik im FTD Artikel nicht ganz. Denn wenn beides Mal nach Fair-Value bilanziert wird, ist das IMHO völlig OK. Jedenfalls besser als die ganzen Mark-To-Fantasy-Regeln, die sonst dafür sorgen, dass die Bilanzen weiterhin vernünftig aussehen.

FTD: Dossier Banken winkt Milliardengewinn

Weissgarnix kritisiert den Artikel und diskutiert auch ein wenig die grundsätzlichen Probleme des Fair-Value-Accountings, aber hat (wie ich auch) keine bessere Lösung. Es gibt wohl auch einfach keine. Und das, was JP Morgan jetzt macht, ist für mich "Quasi-Fair-Value"-Accounting, auch wenn das bei Krediten nicht so einfach geht. Aber die Bilanzpositionen verhalten sich genau so als wenn es Papiere mit verbrieften Papieren wären: Schätzt man die Ausfallwahrscheinlichkeit hoch ein, ergibt sich ein niedriger Wert und andersherum.

Weissgarnix: Das klingt schon recht tendenziös

Bei Creditwritedowns wird auch ziemlich deutlich gemacht (obwohl Edward eigentlich vom Gegenteil überzeugt ist, aber das zeichnet einen um Aufklärung bemühten Schreiber aus (im Gegensatz zum FTD "Basher")), dass der “Beschissene” in diesem Fall der WaMu Aktionär ist. Diese wurden enteignet, weil WaMu x Milliarden abschreiben musste und die Firma danach nichts mehr wert war und genau diese x Mrd. werden heute wieder zugeschrieben.

Das Ganze gilt übrigens auch für alle anderen Banken, die am Hochpunkt der Krise (bzw. am Tiefpunkt der Kurse) für 'nen Appel und Ei Riesenkreditportfolios übernommen haben.

Creditwritedowns: JPMorgan’s $29 Billion windfall

Und ein richtig um Aufklärung bemühter Schreiber wie Edward Harrison (der bekommt aber eine wirklich dicke Packung Lob heute ab; hat er aber auch verdient) bringt natürlich auch direkt einen Hinweis auf eine Einschätzung, die etwas ganz anderes sagt. Calculated Risk hat nämlich das Szenario, das JP Morgan bei der Übernahme gezeichnet hat, mit dem verglichen, was danach wirklich eingetreten ist. Und fragt sich nun, woher der Wertzuwachs kommen soll. Denn die Immobilienpreise sind in der Realität sogar schwächer gewesen als erwartet. Und die Arbeitslosigkeit ist höher als befürchtet. Die beiden wichtigsten Einflussparameter für die Bewertung der Kredit sind also schlechter als erwartet und die Bewertung damals soll zu hoch gewesen sein? ?!? Das ist natürlich Stirnrunzeln angesagt.

Calculated Risk: Revisiting the JPMorgan / WaMu Acquisition

Und damit sind wir dann auch schlussendlich bei dem angekommen, was man kritisieren muss: Die Bewertung an sich und nicht wie die FTD die Methode der Bewertung. Wobei IMHO sogar die Kritik an der Methode in der FTD auch falsch ist.

Kommentare :

  1. Die FTD hat ein anderes Problem. Sie muss positive Nachrichten bringen und kann nicht wie du einfach darauf verweisen, dass sich die Situation nicht verbessert hat. Sie soll ja den Handel weiter ankurbeln, was bei realistischer Betrachtung aber nur schwer möglich ist.

    Um aber nach dem zu erwartenden nächsten Absturz nicht ganz blöd dazustehen, greift sie die Methodik an um sich an einer realistischen Lageeinschätzung vorbei zu drücken.

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  2. "Wenn derart hohe Zinserträge entstünden, seien entweder die Kaufpreise zu niedrig angesetzt oder die Bewertungen der Kredite fehlerhaft. "

    Das ist der entscheidende Satz im FTD-Artikel! Und bei 307 Mrd. Vermögenswerten und einem Übernahmepreis von 1,9 Mrd. kann man sich ein bisschen "Fair-Value" locker leisten.

    Wie wäre wohl die "Fair-Value-Bewertung" bei einem deutlich höheren Kaufpreis ausgefallen? Vielleicht stammt aus dieser Ecke das Unbehagen der FTD?

    ts

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  3. @Anonym:

    Das Problem das ich mit dem FTD Artikel habe ist, dass nicht klar wird, dass das ein *grundsätzliches* Problem von Fair Value Accounting ist. Wenn ich Aktien in den Büchern habe und die steigen wie irre, dann steigen auch die Werte in den Büchern. Und wenn die Aktien dann zusammenklappen, sinken auch die Werte in den Büchern. Das ist nun mal so.

    Unternehmensanleihen brachten im November auch einen Risikoaufschlag von 20%(!) und heute "nur" noch von 12. Was war jetzt richtig? Der Wert heute oder der Wert damals?

    Die FTD macht aus dieser simplen Sache eine Story und erklärt dabei das Grundproblem nicht. Schlimmer: Es wird so getan, als wäre die Bilanzierungsart das Problem. Ist es aber nicht. Die Bewertung ist das Problem. Diese bekommt aber die Bank genauso wenig hin wie der Markt (siehe z.B. Kurse im November).

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