Zahl des Tages (03.05.09): 10.000

Ich bin ja kein Freund von Konjunkturprogrammen. Mich erinnern die Argumente der Befürworter immer ein wenig zu stark an den Baron von Münchhausen, der sich ja bekanntlich auch am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen konnte.
Aber in einem Anfall von Altersmilde habe ich beschlossen, dass ich Konjunkturprogramme eh nicht verhindern kann, weil Politiker irgendetwas machen müssen (Aktivität vortäuschen). Und daher geht es aus meiner Sicht mehr darum, das Geld wenigstens für sinnvolle Projekte auszugeben. Energetische Sanierung von Schulen (und anderen öffentlichen Gebäuden) ist IMHO ein solcher Zweck.

Bei der Abwrackprämie war ich skeptisch, vor allem, weil der ökologische Effekt sehr zweifelhaft ist (siehe hier Abwrackprämie ist ökologisch!, man beachte unbedingt auch die Kommentare). Aber immerhin glaubte ich zwischenzeitlich an einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Schließlich meldeten Opel, VW, Ford etc. allesamt Sonderschichten in den Kleinwagenwerken oder zumindest wurde die geplante Kurzarbeit wieder abgesagt. Nun wird aber klar, dass auch der ökonomische Erfolg ein sehr zweifelhafter ist.

Denn die Abwrackprämie hat für jedes zusätzlich verkaufte Auto satte

10.000 Euro

gekostet. Warum 10.000, es waren doch nur 2.500 Euro pro Auto. Stimmt, aber 3 von 4 Autos wären auch ohne die Abwrackpämie gekauft worden. Auf einen zusätzlichen Verkauf gab es also drei reine Mitnahmeeffekte.

Zumindest ist das das Ergebnis einer Studie, die das Wirtschaftsforschungsinstitut IWH im Auftrag der Welt am Sonntag durchgeführt hat. Gut, jetzt kann man direkt sagen, dass sowohl die Welt wie auch das IWH genau das Ergebnis haben und hören wollten. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass ein Konjunkturprogramm genau diesen negativen Effekt haben. Und daher immer sehr skeptisch gesehen wurden. Ich verweise daher auch gerne nochmal auf einen alten Artikel von mir: US-BIP und meine Kritik an Konjunkturprogrammen

Wir reden im aktuellen Fall immerhin über 5 (?) Milliarden Euro, die die Abwrackprämie am Ende kosten soll. Davon wären dann 1,25 Mrd. sinnvoll angelegt, die restlichen 3,75 Mrd. eine netter Zuschuss an die, die gerade zufällig ein Auto gekauft haben (egal aus welchem Land es kommt und Arbeitsplätze sichert) und auch zufällig noch ein altes rumstehen hatten. Ich will nicht unken, aber ich wüsste sinnvollere Ziele für die 3,75 Mrd. Euro, die ja schließlich auch irgendwann irgendjemand wieder zurückzahlen muss ... Aber diese Ziele haben keine fett bezahlten Lobbyisten in Berlin rumlaufen ...

Spiegel: Effekte der Abwrackprämie geringer als angenommen
Handelsblatt: 10 000 Euro pro Abwrack-Käufer

1 Kommentar :

  1. Prügelknabe Abwrackprämie:
    - funktioniert sowieso nicht
    - funktioniert zu gut
    - alles nur Mitnahmeeffekte
    - Möbelhäuser et. al. leiden drunter
    - auf Malle werden die Mietwagen knapp
    - ...
    Zu blöd, dass der Frühling so sonnig ist. Sonst hätte man auch den Aprilnieselregen auf das Notopfer Volkswagen zurückführen können.

    Da liegt die Wirtschaftswelt in Scherben und wir finden ein Stimulanz, was per Hebel (Prämie vom Staat, Rest aus der Tasche) Wirkung zeigt (von Kurzarbeit nach Sonderschichten per Unterschrift).

    Und wir entblöden uns nicht, und in parteiwahltaktischen Vorwahlsgeplänkeln zu verlieren.

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