Zahl des Tages (12.05.09): -22,6%

Mal wieder China.

In China wurde für das erste Quartal ein Wachstum von 6,1% gemeldet. Dies war zwar der schlechteste Wert seit 17 Jahren, aber noch etwas besser als ich es erwartet hätte. Angesichts des sinkenden Stromverbrauchs hatte ich einen noch stärkeren Einbruch befürchtet.

Auch ein anderer Indikator zeigt Schwäche an. Die Exporte sinken und das schon den sechsten Monat in Folge. Gegenüber dem Vorjahresmonat gingen die Exporte im April um

22,6%

zurück. Das ist noch einmal deutlich mehr als im März, in dem die Exporte "nur" um 17% im Minus lagen. Auch der Exportüberschuss sinkt immer weiter: Von 18,5 Milliarden Dollar im März ging es auf 12,9 Mrd. Das sind schon beeindruckende Zahlen, vor allem für ein Land, das so exportabhängig ist wie China.

Die Chinesen haben die Gefahr früh erkannt und mit einem (verdammt großen, etwa 25% des BIPs) Konjunkturprogramm gegengesteuert. Das entfaltet auch seine Wirkung; der Binnenkonjunktur geht es gut. Die Investitionen in Infrastruktur (Häfen, Straßen, etc.) sind deutlich gestiegen und das, obwohl erst gut ein Drittel des Gesamtvolumens des Konjunkturpakets bewilligt wurde.

China ist definitiv ein interessantes Untersuchungsobjekt für die Wirksamkeit von Konjunkturprogrammen. Alle, die jetzt hoffen, dass ich auf einmal pro Konjunkturprogramme bin, muss ich enttäuschen. Das aus zwei Gründen:

i) In China ist das Investment in die Binnenkonjunktur allein schon deshalb sinnvoll, weil China dieses hohe Handelsbilanzplus hat (bzw. zum Teil hatte) und das ganze angehäufte Geld auch irgendwann einmal ausgegeben werden muss. Die Stärkung der chinesischen Binnenkonjunktur sorgt schließlich für eine nachhaltige Senkung der weltweiten Ungleichgewichte.
ii) Der chinesische Staat schwimmt im Geld und kann sich ein derartig großes Konjunkturprogramm leisten. Das ist in Ländern wie Deutschland, in denen der Haushalt auch in Jahren mit 3% Wachstum nicht ins Plus kommt, anders und daher sehe ich hier Konjunkturprogramme wesentlich skeptischer.

Marketwatch: China export data reveals further deterioration in April
Handelsblatt: Lage für Chinas Exportwirtschaft bleibt düster

Update (13:41)
FTD: Wachstumsmotor China stottert

Kommentare :

  1. iii) Chinas Infrastruktur ist ausbaufaehig. Es ist anzunehmen, das Investitionen in diese langfristigen volkswirtschaftlichen Nutzen haben. In Deutschland gibt es keine solchen Projekte, fuer die sich sinnvollerweise grosse Investitionen lohnen. Da wuerde nur das Keynesche ver-/ausbuddeln von Geldscheinen bleiben - und dessen volkswirtschaftlicher Nutzen ist mehr als fraglich.
    (Einzig eine wirkliche Neuordnung der Gesellschaft - z.B. durch eine radikale Reform von Urheber- und Patentrechten - koennte langfristig Erfolge bringen.)

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  2. Also dass in Deutschland keine sinnvollen Investitionsmöglichkeiten da sein, würde ich so nicht stehen lassen.

    Öffentliche Gebäude und Straßen (zumindest hier im Ruhrgebiet) sind teilweise im desaströsen Zustand. Da kann man auch locker 100 Mrd. reinstecken, die sich rentieren (weniger Stau, weniger Heizkosten, etc.).

    Deutschland ist im Boom 40 Jahre weiter. Wir müssen nicht neu bauen wie die Chinesen, sondern das renovieren, was wir vor 40 Jahren gebaut haben.

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