Zahl des Tages (18.05.09): 55%

Etwas anderes wirklich Spannendes habe ich heute nicht gefunden und außerdem lungert die Zahl schon lange in meinen Tabs rum ... Und die muss irgendwann raus ... Am Ende dauerte das so lange, weil ich die Zahl aus dem Artikel nie nachprüfen konnte.

Zwei Analysten der BNP Paribas haben die Bilanzen der großen europäischen Banken untersucht und sind zum Ergebnis gekommen, dass der Anteil der Derivate an den Assets bis zu

55%

ausmacht. Nur 30% sind "echte" Wertpapiere. Und wer ist gemeint? "Unsere" Deutsche Bank.
Die Konkurrenz sieht nicht wesentlich besser aus: Bei der UBS sind's zum Beispiel auch 40% Derivate und 33% Wertpapiere. Und wenn man die Derivate in Bezug zum Eigenkapital setzt, hat Barclays mehr als das Dreifache des Eigenkapitals an Derivaten, die UBS sogar fast das Sechsfache.

Das ist auf den ersten Blick ziemlich überraschend, weil die Banken doch von Risikosenkung und Deleveraging sprechen, was so gar nicht zur steigenden Summe passt. Dies lässt sich aber womöglich mit einer Besonderheit der Wertberechnung von Derivaten und der Buchführung nach IFRS erklären.

Punkt 1: Nach US-GAAP (dem in den USA üblichen Bilanzierungsstandard) kann/muss man Derivate gegeneinander verrechnen. Wenn man also einen Call und einen Put (auf das gleiche Papier) hat, bleibt netto von den beiden Positionen kaum etwas übrig. Nach IFRS hingegen bleiben die Positionen beide in der Bilanz und landen, je nachdem ob sie einen inneren Wert haben oder nicht, auf der einen oder anderen Seite der Bilanz. Nach IFRS ist die Bilanz in dieser Hinsicht logischerweise immer länger, die Bilanzsumme also höher.

Punkt 2: Der Wert der Derivate kann auch gestiegen sein, obwohl die Anzahl der Positionen gefallen ist. Das liegt daran, dass der Wert der Derivate unter anderem von der Volatilität (=Schwankungsintensität) der zugrundliegenden Positionen abhängt. Steigt die Volatilität der Basiswerte, steigt auch der Wert der Derivate (unter der Annahme, dass sich sonst nichts ändert). Und Schwankungsintensität hatten wir in den letzten Monaten nun wahrlich.

Wenn die ganze Theorie oben stimmt, dann sollte die Höhe der Derivatepositionen im zweiten Quartal wieder deutlich zurückgehen.

FT Alphaville: CDS report: European bank’s bulging balance sheets

Ich habe bei der BNP Paribas nach dem Report gesucht, aber nichts gefunden. Auch bei der Deutschen Bank habe ich keinen Geschäftsbericht gefunden, der aktuell genug ist und die Zahlen enthielt. Ich glaube aber eher, dass ich blind bin ... Über den Hebel der DeuBa Bilanz nach IFRS vs. US-GAAP wurde auch schon in anderen Blogs diskutiert, ich finde das aber auch nicht wieder. Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen.

Übrigens ist der Trend der anschwellenden Derivatepositionen nicht nur auf die Banken beschränkt. Auch in der "realen" Wirtschaft ist der gleiche Trend zu beobachten. Das macht inzwischen sogar der Ratingagentur Moody's Sorgen ... Und mit der Metallgesellschaft hat's bereits vor etwa 15 Jahren mal eine Firma (fast) zerlegt, weil sie sich völlig verfixt hatte. Und den Namen des besten Hedgefonds der Welt (6,8 Mrd. Gewinn) nenne ich besser erst gar nicht. Vor allem, weil der inzwischen nicht mehr wirklich als erfolgreich gilt ... (Was die Sorgen von Moody's nur bestätigt ...)

FTD: Derivate bereiten Moody's Sorgen

Kommentare :

  1. hoffentlich haben die Deutschbänker bei ihren gegenläufigen Derivatepositionen auch denselben Emittenten gewählt :D

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  2. Gegenanträge:
    http://www.deutsche-bank.de/ir/de/download/HV2009_Gegenantraege_13.05.09.pdf

    Bänziger in NY, S. 3: Gewinne auf eigene niedriger bewertete Schulden internationaler Banken. LOL

    CDS-Spreads internationaler Banken: Vergleich, S.7.

    Das Spiel mit Rechnungslegungsregeln - So hebelt/nettet sich die DB die Welt zurecht, S. 9.
    http://www.deutsche-bank.de/ir/de/download/Banziger_UBS_Conference_New_York_12_May_2009_Final.pdf

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