HRE: Er kam, sah, prüfte nicht und gab Milliarden ...

Schon wieder nur ein kleiner Lesehinweis, der sich eigentlich eher zum Zwitschern anbietet. Aber so lange mir auf Twitter nur 28 Leute folgen, möchte ich das auch hier bringen. Es ist nämlich ein wunderbarer Artikel von Frank Luebberding, der umfassend die Schlampigkeiten bei der HRE Rettungsaktion zusammenfasst.

Und damit meine ich nicht die Banken, sondern ich meine den Staat. Steinbrück. BAFin. etc.

Die staatlichen Experten haben doch tatsächlich das ganze Geld zur Verfügung gestellt OHNE vorher eine Due Diligence durchzuführen. Durchgeführt hat diese Prüfung der Bücher nur die Deutsche Bank (im Auftrag der anderen Privatbanken, die an der Rettung beteiligt waren). Und als die Prüfer aus Irland zurückkamen, wurde die erste Version des Rettungspakets auch direkt wieder aufgekündigt, so erschütternd waren die Ergebnisse.

Da muss man sich doch ernsthaft fragen, was die Aufsichtsbehörden (die BAFin kritisiere ich hier ja schon lange) eigentlich so treiben. OK, dass die in normalen Zeiten schon pennen, ist schlimm genug. Aber dass selbst in extremen Krisenzeiten nicht einmal versucht wird, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, erschreckt mich dann doch. (Vor allem wenn man bedenkt, dass der Liquiditätsbedarf der HRE in der Bilanz abzulesen war. Und für alle die zu faul waren, die Bilanz selber zu lesen, wurde das sogar von Weissgarnix auch für Idioten verständlich zusammengefasst).

Wenn man aktuell auf Opel oder Arcandor schaut, wird man das Gefühl nicht los, dass Fakten da eh nur stören. Milliarden Euro vom Staat und 100 Millionen aus Russland. Was für ein Verhältnis. Da muss man doch als Politiker auf den Tisch hauen und sagen "Vera*****en kann ich mich alleine". Vor allem wenn man bedenkt, dass jeder erhaltene Arbeitsplatz bei Opel einer ist, der einen anderen Arbeitsplatz bei VW, Ford (in Deutschland) oder Renault, Peugeot, etc. im europäischen Ausland gefährdet. Die einzige Hoffnung ist, dass die SPD auf die Idee kommt, dass auch immer größere Rettungsaktionen für immer mehr Arbeitsplätze im Saldo keine Wählerstimmen bringt. Zwar sind die Geretteten glücklich, aber die Arbeiter, die Nummer bezahlen müssen, offenbar nicht. Und darunter sollen sich auch SPD Wähler befinden.

Weissgarnix.de: HRE oder wenn sich Experten irren

Spiegel: Regierung gab HRE ungeprüft Milliardenhilfe

Update (14:09)

Zu Opel und Arcandor von Schandmaennchen:


"Ein besonderes Anliegen war dem Minuswalter dabei auch der Hinweis darauf, dass die SPD nicht nur etwas für große Unternehmen tue, sondern auch für Arbeitsplätze.

Die müssen sich halt nur in großen Unternehmen befinden."

Kommentare :

  1. nochmal zur HRE:
    Es ist/war nie ein reines Liquiditätsproblem, sondern auch ein Solvenzproblem (siehe eingetretene und voraussichtliche Verluste).

    zur WGN-Darstellung vom 29.09.:
    Es lässt sich aus einer blanken Gegenüberstellung von Fälligkeiten/Restlaufzeiten von Forderungen/Verbindlichkeiten per Stichtag fast keine brauchbaren Aussagen herleiten. Z. Bsp. bestehen Refinanzierungsmöglichkeiten bei EZB gegen Sicherheitenhinterlegung. Auch ignorierte WGN die freie EZB-Linie per Juni 2008 über 37 Mrd. €. Fristeninkongruenzen findet man bei jeder Bank, um aber hier auf das Ausmaß zu schließen, sind entsprechende Vergleiche notwendig.

    ts

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  2. die standardausrede ist doch, dass sich weder bundesbank noch bafin vorstellen konnte, dass die hölle zufriert ehh ich meinte natürlich den interbankenmarkt. vielleicht konnten sie es noch immer nicht vorstellen, nachdem dieser einfror, sodass ja garkeine wichtigen problemen zu sehen waren?

    eine zweite ausrede ist natürlich, dass die bafin-beamten garkeine reisegenehmigung für irland bekam, also ich die durften ja offiziell in irland nicht prüfen, weil das ja woanders ist...

    aus sicht eines beamten machen die beiden ausreden zumindestens voll sinn, wegen die vorschriften und so...

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  3. @anonym:

    Die Schätzung von WGN kam aber ziemlich gut hin. Es ging auch nicht darum, zu sagen, ob es jetzt 100 Mrd werden oder 130, sondern darum, dass die 35 Mrd aus dem ersten Rettungspaket nicht ausreichen werden.

    @nigecus:

    Ich kann die Ausreden auch nachvollziehen. Die Banken hatten auch im letzten Sommer noch nicht realisiert, dass die Gegenseite ausfallen könnte. Erst mit der Pleite von Lehman wurde das allen klar.

    Ich schätze übrigens auch, dass man die Analyse auch in München hätte machen können. Zumindest so weit, dass man die Größe des Problems einigermaßen abschätzen könnte.

    Und die Ausrede mit der Auslandsreise: Prüft die BAFin etwa NIE im Ausland? (Ernstgemeinte Frage)

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  4. nee das war nur ein scherz...

    ich will garnicht gegen die bafin und bundesbank hetzen oder so.

    die haben es echt schwer eine bank zu prüfen. wenn eine bank nur das zeigen will, was gezeigt werden soll, dann sind bafin/bundesbank einfach in der unterzahl.

    ich habe es nur mal von einem bundesbankmenschen zwischen den zeilen gehört, dass es bundesbank-geschäftstellen geben soll ... wo es bankmanger geben soll, die einen riesen radau machen wenn bundesbankprüfer zu neugierig werden... wenn solche bankmanager gegenüber der bundesbank schon sich so benehmen, glauben sie etwa, dass die bafin da einen fuß rein bekommt?

    man darf ja auch nicht vergessen, dass es bankmanager geben soll, die direkt zu politiker rennen und zwar schnurstrax an den kleinen prüferbeamten der bafin und bundesbank vorbei.

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